Verständnis für den anderen hilft bei der häuslichen Pflege

Einen Angehörigen zu pflegen, ist nicht leicht. Man sollte sich eingehend über sein Krankheitsbild informieren und versuchen, die Beweggründe für sein Verhalten zu verstehen.
Einen Angehörigen zu pflegen, ist nicht leicht. Man sollte sich eingehend über sein Krankheitsbild informieren und versuchen, die Beweggründe für sein Verhalten zu verstehen.
Foto: Getty
Wird ein Mensch pflegebedürftig, verändern sich oft auch seine Wesenszüge, Wünsche und Bedürfnisse. Dies kann für pflegende Angehörige eine seelische Belastung darstellen. Wichtig ist, sich in die Lage des Erkrankten zu versetzen. Darüber sollte man aber die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen.

Berlin. Die Pflege eines Angehörigen ist oft anstrengend - auch in emotionaler Hinsicht. Betroffene haben beispielsweise das Gefühl, dass der Pflegebedürftige ihnen mit seinem Verhalten das Leben absichtlich schwer macht. "Für eine gute Pflege ist es daher wichtig, dass man versucht, sich immer wieder in die Lage des Pflegebedürftigen zu versetzen und seine Beweggründe zu verstehen", sagt Imke Wolf, Leiterin der Online-Angehörigenberatung pflegen-und-leben.de.

Dabei sollte man sich klarmachen, dass eine Krankheit bei vielen Menschen auch Wesenszüge hervorbringt, die man bisher gar nicht von ihnen kannte. "Pflegebedürftige können sich in ihren Wünschen und Bedürfnissen verändern", sagt die Diplom-Psychologin. Für viele sei es beispielsweise sehr belastend, dass sie immer auf Hilfe angewiesen sind, weshalb sie häufig unzufrieden wirkten.

Zusammenhänge erkennen und verstehen

Wolf empfiehlt pflegenden Angehörigen, sich eingehend über das Krankheitsbild des Pflegebedürftigen zu informieren. "Dadurch kann man beispielsweise erst nachvollziehen, dass es der Vergesslichkeit im Rahmen der Erkrankung geschuldet ist, wenn der Betroffene fünfmal hintereinander um ein Glas Wasser bittet", sagt die Expertin. Verstehe man solche Zusammenhänge, könne man bestimmte Verhaltensweisen besser einordnen.

Gut sei auch, regelmäßig Abstand zu gewinnen, um die Pflegesituation reflektieren zu können. "Fragen Sie sich zwischendurch, wie es dem Patienten gerade geht und was sich verändert hat", sagt Imke Wolf. Es helfe auch, seine Gedanken beispielsweise in Tagebucheinträgen zu formulieren oder anderen von sich zu erzählen.

"Um Verständnis und Mitgefühl für die Situation anderer aufzubringen, muss man allerdings auch mit sich selbst verständnisvoll umgehen können", betont die Psychologin. Pflegende Angehörige sollten daher lernen, auch ihre eigenen Bedürfnisse aufmerksam wahrzunehmen und ihre Schwächen zu akzeptieren.(dapd)