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Üble Stiche – für Kriebelmücken ist 2016 ein ideales Jahr

Üble Stiche – für Kriebelmücken ist 2016 ein ideales Jahr

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kriebelmücke Foto: Archiv/Imago
  • Kriebelmücken sind im Jahr 2016 besonders aktiv
  • Stiche verursachen große Quaddeln und starken Juckreiz
  • Auch asiatische Tigermücke in Deutschland nachgewiesen

Essen. 

Eine Gartenparty in Dinslaken hatte für Kerstin S. üble Folgen. Es war wohl eine Kriebelmücke, die sie an ihrem linken Fuß gebissen hatte. Der Fuß schwoll so dick an, dass er eine Woche lang in keinen Schuh mehr passte. Auch danach juckte die Wunde heftig. Viele haben den Eindruck, dass Mückenstiche in diesem Sommer besonders häufig Entzündungen zur Folge haben. Forscher wollen das nicht verallgemeinern. Aber für Kriebelmücken zum Beispiel, deren Stiche immer schmerzhaft sind, war dieses Jahr ideal.

„Kriebelmücken sind in diesem Sommer besonders aktiv“. Grund war vor allem der regnerische Frühsommer, der viele Bäche hat anschwellen lassen und für ideale Brutstätten sorgte, sagt Dr. Doreen Walther, Forscherin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, die den bundesweiten „Mückenatlas“ betreut. Das 2012 gestartete Projekt will die Verbreitung von Stechmückenarten erfassen

Mückenatlas sucht „Mückenjäger“

Gut 40.000 Stechtiere haben freiwillige „Mückenjäger“ inzwischen den Mückenatlas-Machern geschickt. Alleine aus NRW wurden seit Januar fast 800 Funde eingeschickt. Dadurch konnte nachgezeichnet werden, dass etwa die asiatische Buschmücke mittlerweile auch Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erobert hat. Auch die asiatische Tigermücke ist inzwischen in Deutschland nachgewiesen worden; beide sind eingewanderte oder -geschleppte Blutsauger-Insekten, die in ihrer ursprünglichen Heimat schwere Krankheiten übertragen können.

Was Kriebelmücken angeht: Sie gehören zu den etwa 50 einheimischen Mückenarten bei uns und sind nur schwer zu fassen. „Eineinhalb bis zwei Minuten braucht eine Kriebelmücke, um an einem Opfer Blut zu lecken“, erklärt Doreen Walther – doch den Einstich merkt man erst, wenn die Mücke wieder weg ist. 0,4 Zentimeter sind Kriebelmücken klein – Stechmücken messen etwa einen Zentimeter. Deren Stich verursacht selten so große Entzündungen, wie Bisse der Kriebelmücke. Die wie Fliegen aussehenden Tierchen piksen nicht mit einem Saugrüssel, sondern zersägen mit ihren Mundwerkzeugen die Haut und sorgen für eine viel größere Wunde.

Kriebelmücken brüten nur in Fließgewässern

Vieles unterscheidet Kriebel- von Stechmücken: „Kriebelmücken sind blutgieriger“, beschreibt etwa Prof. Heinz Mehlhorn, Parasitologe an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie haben „sehr gute Augen“ und jagen nach Bewegungen; Im allgemeinen werden Mücken von Schweiß-Geruch und menschlichem Atem angelockt. Kriebelmücken brüten ausschließlich in Fließgewässern, Stechmücken reicht zum Beispiel eine gefüllte Gießkanne. Auch starker Wind macht Kriebelmücken nichts aus – „sie nutzen den Wind, um sich auf Blutsuche davontragen zu lassen“, sagt Doreen Walther. Abwehrmittel („Repellents“) schützen gegen Kriebelmücken nur vergleichsweise kurz nach dem Auftragen.

„Ich weiß nicht, ob die Mücken aggressiver geworden sind oder die Menschen empfindlicher“, fragt unterdessen der Bottroper Arzt Gregor Postberg in einem WAZ-Bericht. „Wenn ich die Entwicklung in den vergangenen 15 Jahren betrachte, so stelle ich fest, dass immer mehr Mückenstiche behandelt werden müssen“. Den Eindruck können Mücken-Forscher nicht bestätigen. „2014 und 2015 zum Beispiel waren schlechte Jahre für Mücken“, sagt Doreen Walther. Und Prof. Heinz Mehlhorn verweist auf den aktuellen Sommer, wo sich heiße und kühle Wetterphasen unmittelbar abwechselten: „Wenn es mal zehn Tage am Stück warm war, dann machten sich gleich zwei bis drei Mücken-Generationen auf Beutesuche, weil es zuvor zu kalt war und keine Mücken schlüpften.

Bloß nicht an Mückenstichen kratzen!

Gerötete Haut, Quaddeln, Schwellungen, Juckreiz und Schmerzen: Mücken spritzen einen ‚Protein-Cocktail‘ in die Wunde, damit das Blut langsamer gerinnt. Der betäubt zudem das Schmerzempfinden und löst die Entzündung aus. Unser Immunsystem aber kann sich auch an solche Ausscheidungen anpassen; Im Zusammenhang mit der ‚gemeinen Hausmücke‘ wird das beobachtet, sagt Doreen Walther. Kriebelmücken hingegen sorgen stets für eine heftige Entzündung.

Wie man sich schützen kann? Lange Kleidung ist hilfreich, weil Kriebelmücken keinen Saugrüssel haben; Stoff können sie nicht durchdringen. Die schlimmsten Folgen jedoch würden Menschen selbst auslösen: wenn sie an Wunden kratzen. Prof. Heinz Mehlhorn: „Das führt dann garantiert zu einer Entzündung“.