Seuchenbiologe fordert Koordinierungsstelle zum Schutz vor Epidemien

Bei der Jagd nach dem gefährlichen Ehec-Erreger wächst die Kritik am Krisenmanagement der Behörden in Bund und Ländern. Das Max-Planck-Institut fordert einen Regierungsbeauftragten, der die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien zentral koordiniert.

Berlin. In der Debatte um das EHEC-Krisenmanagement mehren sich die Forderungen nach einer zentralen Koordinierungsstelle. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, Stefan Kaufmann, sprach sich in der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwochsausgabe) dafür aus, einen Regierungskoordinator zum Schutz der Bevölkerung vor Infektionsgefahren und für das Krisenmanagement beim Auftreten gefährlicher Erreger zu berufen. Die Bundesregierung sollte einen Beauftragten für globale Gesundheit benennen, wie es ihn auch auch schon für Kultur, Medien und Integration gebe. Dieser Beauftragte müsste die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ministerien optimieren, sagte der Seuchenbiologe.

Heftige Kritik übt der Max-Planck-Forscher am Auftreten der Behörden angesichts der EHEC-Infektionswelle in Deutschland. Derzeit meldeten sich Minister verschiedener Ressorts mit den Leitern ihrer nachgeordneten Behörden zu Wort und es entstehe der Eindruck, "als würde die Politik den Ereignissen hinterherhecheln". "Erst Gurken, dann Sprossen. Das verunsichert die Menschen unnötig", sagte Kaufmann. Angesichts der weiterhin erfolglosen Suche nach der Quelle der EHEC-Epidemie war zuletzt die Kritik am Krisenmanagement der Behörden in Bund und Ländern gewachsen.

Sondersitzung zur EHEC-Epidemie

Die Gesundheits- und Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern kamen unterdessen in Berlin zu einer Sondersitzung zur EHEC-Epidemie zusammen. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) soll es bei dem Treffen auch um die Koordination zwischen den verschiedenen Behörden gehen. Zugleich erteilte er im ARD-"Morgenmagazin" Forderungen nach einer neuen, zentralen Bundesbehörde im Kampf gegen Infektionskrankheiten erneut eine Absage.

Zuletzt waren Sprossen eines Erzeugers aus dem Landkreis Uelzen in Niedersachsen in Verdacht geraten, sie könnten Quelle für die EHEC-Epidemie sein. Obwohl alle bisherigen Labortests negativ waren, sehen die Behörden den Betrieb in Bienenbüttel keinesfalls entlastet. Vielmehr verstärkte sich der Verdacht nach Angaben von Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) noch. Die epidemiologische Kette zwischen den Ausbruchsorten von EHEC und dem Betrieb in Bienenbüttel sei "eher enger als schwächer geworden", sagte Lindemann am Mittwoch dem Fernsehsender N24 . Auch die Erkrankung einiger Mitarbeiter des Sprossen-Erzeugers spreche für einen Zusammenhang. (afp)

 
 

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