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Schwere EHEC-Darminfektion – wie man sich schützt

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Foto: imago stock&people
In Norddeutschland gibt es immer mehr Fälle schwerer Darmerkrankungen mit dem lebensgefährlichen EHEC-Erreger. Die Gesundheitsbehörden sind alarmiert, weil die Krankheit ungewöhnlich gehäuft auftritt. DerWesten erklärt, was man jetzt wissen muss.

Essen. 

Im Norden Deutschlands steigt die Zahl der Darminfektionen mit dem lebensbedrohlichen EHEC-Erreger weiter an. Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Hessen melden derzeit über 220 Fälle. Einige der Erkrankten schweben in Lebensgefahr. Auch in NRW steigt die Zahl. Die Gesundheitsbehörden sind alarmiert, weil die Krankheit in vielen Fällen schwerer als normal verläuft. DerWesten beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist der EHEC-Erreger?

EHEC bedeutet Enterohämorrhagische Escherichia coli. Das sind Bakterien, die sich im Darm von Tier und Mensch ansiedeln können. Sie sind ein besonderer Stamm von Coli-Bakterien. Als Reservoir gelten Wiederkäuer, vor allem Rinder, Schafe und Ziegen.

Wie viele EHEC-Fälle gibt es derzeit?

Eine besondere Häufung gibt es derzeit in Norddeutschland. Die Gesundheitsbehörden in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein meldeten bis Sonntagabend mindestens 70 Fälle. Mittlerweile ist die Zahl sprunghaft auf über 220 gestiegen. In Schleswig-Holstein hat sie sich auf 90 erhöht, in Niedersachsen auf 67, in Hamburg auf 40 und in Hessen auf 25. Einige Patienten schwebten in akuter Lebensgefahr. In NRW gibt es aktuell sieben Fälle – einen in Münster und sechs im Kreis Paderborn.

Kommen solche Erkrankungen häufiger vor?

EHEC-Fälle tauchen immer wieder auf. In Deutschland infizieren sich jedes Jahr rund 1000 Menschen mit dem Erreger. In NRW waren es vergangenes Jahr 177 Fälle.

Warum sind EHEC-Bakterien gefährlich?

In fünf bis zehn Prozent der Fälle kann die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen. Dann kann es zum lebensbedrohlichen hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) kommen. Dabei ist mit akutem Nierenversagen und Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einen Mangel an Blutplättchen zu rechnen. Vor allem Kinder sind gefährdet. Die Behörden sind alarmiert, weil es derzeit besonders viele Fälle mit diesem schweren Verlauf gibt. Das Robert-Koch-Institut meldet über 40 HUS-Erkrankte in Deutschland. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2010 gab es 65 HUS-Fälle.

Woran erkenne ich, ob ich mich mit dem EHEC-Erreger infiziert habe?

Symptome der Krankheit sind starke Bauchschmerzen, Erbrechen und wässriger teils auch blutiger Durchfall. In manchen Fällen kommt Fieber hinzu. Allerdings müssen Menschen, die das Bakterium in sich tragen, nicht zwangsläufig erkranken. Sollte es zu Komplikationen (HUS) kommen, dann treten diese in der Regel binnen einer Woche nach Beginn des Durchfalls auf.

Was sollte ich tun, wenn ich mich infiziert habe?

Bei ersten Anzeichen einer Infektion (etwa bei blutigem Durchfall) sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Wie werden die Erreger übertragen?

Allgemein können EHEC-Bakterien über den Verzehr von ungewaschenem Gemüse oder Obst aufgenommen werden. Nach ersten Befragungen von Patienten durch das Robert-Koch-Institut könnte in den aktuellen Fällen wahrscheinlich rohes Gemüse die Ursache sein. Weitere Risikofaktoren sind der Konsum von Rohmilch, rohem Fleisch oder die Aufnahme von Fäkalspuren. Infizierte Menschen sind in der Regel fünf bis zehn Tage ansteckend.

Warum sind bislang vor allem erwachsene Frauen betroffen?

Das ist noch unklar. Frauen sind häufiger mit der Zubereitung von Lebensmitteln beschäftigt und können sich beim Reinigen von Gemüse, Salat oder Obst womöglich leichter infizieren.

Wie werden die Patienten behandelt?

Ärzte raten von der Einnahme von Antibiotika oder Durchfallmitteln ab. Denn so bleiben die Keime länger im Körper. Es gilt die Regel „raus damit“. Patienten sollten sich Ruhe gönnen und viel Flüssigkeit zu sich nehmen. In schwereren Fällen sind auch Infusionen notwendig.

Wie schütze ich mich vor einer Infektion?

Die goldene Regel: Häufiges und gründliches Händewaschen kann vor einer Infektion schützen. Mindestens 20 Sekunden lang sollten die Hände mit Seife eingerieben und anschließend unter fließendem Wasser abgewaschen werden. Auch Desinfektionsmittel können helfen. Außerdem raten die Experten zu erhöhter Hygiene in der Küche: Obst, Salat und Gemüse sollten unter fließendem Wasser gründlich gewaschen werden. Benutzte Messer und Brettchen nachher in der Spülmaschine reinigen und besser nicht zweimal benutzen. Lebensmittel sollten zudem mindestens zehn Minuten lang auf mindestens 70 Grad erhitzt werden.

Quellen: Robert Koch Institut, Gesundheitsamt Essen, Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit in NRW, Gesundheitsministerium NRW