Pflegende Angehörige sollten regelmäßig eine Auszeit nehmen

Pflegende Angehörige sollten mindestens ein- bis zweimal pro Woche eine Auszeit von ihren Aufgaben nehmen.
Pflegende Angehörige sollten mindestens ein- bis zweimal pro Woche eine Auszeit von ihren Aufgaben nehmen.
Foto: von Born, Ulrich
Nicht nur um ihre Angehörigen sollten sich Pflegende kümmern. Auch eigene soziale Kontakte müsse man pflegen, rät Gabriele Tammen-Parr von der Berliner Beratungsstelle Pflege in Not. Um die eigenen Kräfte nicht zu überfordern, sind Auszeiten und Urlaub wichtig. Hilfe bieten die Pflegekassen.

Berlin.. Für viele ist die Pflege von Angehörigen eine große physische und psychische Herausforderung. "Die durchschnittliche Pflegedauer liegt bei rund zehn Jahren", sagt Gabriele Tammen-Parr von der Beratungsstelle Pflege in Not in Berlin. "Auf so eine lange Zeit kann sich keiner vorbereiten, erst recht nicht auf die emotionale Belastung", sagt die Familienberaterin.

Oft seien Pflegende nach einiger Zeit total erschöpft. Tammen-Parr rät deshalb, unbedingt auf genügend Auszeiten zu achten, um diese kräfte- und nervenzehrende Zeit zu bewältigen. Viele würden sich Auszeiten nicht zugestehen. Gerade Frauen, die 80 Prozent der Pflegenden zu Hause ausmachten, gingen oft bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. "Eigene Freiräume seien aber notwendig, um aufzutanken. Danach könnten Angehörige auch die Pflege wieder besser meistern.

Kassen zahlen Verhinderungspflege

"Ein- bis zweimal pro Woche sollten sie etwas nur für sich tun", sagt die Expertin. "Das können sportliche Aktivitäten sein, ein Kaffeekränzchen mit Freundinnen, ein Spaziergang oder einfach nur Ausruhen auf der Couch. Hat niemand aus Familie oder Nachbarschaft Zeit, für ein paar Stunden einzuspringen, könnten externe Helfer hinzugezogen werden.

Die Diakonie-Haltestellen und Alzheimer-Gesellschaften beispielsweise haben geschulte Ehrenamtliche, die Pflegende entlasten. Für sogenannte Verhinderungspflege bei Urlaubsreisen zahle die Pflegekasse 1550 Euro im Jahr. Diese kann auch wöchentlich eingesetzt werden. "Die wenigsten machen davon Gebrauch", sagt Tammen-Parr. Ihren Recherchen zufolge seien im vergangenen Jahr nur vier Prozent der Verhinderungshilfe bei den Kassen abgerufen worden.

Leben außerhalb des Pflegealltags aufrechterhalten

Manchmal hätten Angehörige auch Hemmungen zu gehen, weil der Pflegebedürftige das nicht will und weint. "Trotz aller Widerstände ist es wichtig, dass Pflegende ein Leben außerhalb des Pflegealltags aufrechterhalten", betont die Beraterin. Pflegebedürftige gewöhnten sich mit der Zeit an die neuen Personen. Angehörige sollten feste Termine einrichten und dann auch wirklich gehen.

"Wer es nicht gleich schafft loszulassen, dürfe nicht aufgeben, sondern sollte immer wieder einen neuen Anlauf versuchen", rät sie. Einige hätten vergessen, dass es ein Leben neben der Pflege gibt und ihre eigenen Bedürfnisse regelrecht verlernt. "Diese Menschen sollten herausfinden, was ihnen gut tut und sich immer wieder sagen 'ich darf das'."

Besonders wichtig sei es, seine sozialen Kontakte aus der Zeit vor der Pflege nicht komplett abzubrechen. "Angehörige sind durch die Pflege sehr isoliert. Gerade bei Demenz trauen sie sich mit dem betroffenen Menschen nicht mehr, Freunde zu besuchen oder einzuladen", weiß die Expertin. Soziale Kontakte seien aber wichtig, um nach der Pflege nicht in ein schwarzes Loch zu fallen. Hinweis: Kostenlose Beratung bei Konflikten und Problemen in der Pflege bietet Pflege-in-Not unter 030/59 69 89 89 (dapd)

 
 

EURE FAVORITEN