Nierenerkrankungen schmerzen anfangs kaum

Bluthochdruck ist einer der wenigen Hinweise auf eine Nierenerkrankung.
Bluthochdruck ist einer der wenigen Hinweise auf eine Nierenerkrankung.
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Eine Krankheit merkt der Erkranke natürlich erst dann, wenn er Schmerzen hat - bleiben sie aus, so wägt er sich als gesund. Nierenerkrankungen sind genau deshalb nicht gleich erkennbar: Es gibt kaum Symptome.

Lüdenscheid. Die Nieren sind eines der wichtigsten Organe im menschlichen Körper. Wenn sie versagen, kann das schnell lebensgefährlich werden. Denn Nieren reinigen das Blut von Giftstoffen. "Ihre Funktion ist daher lebensnotwendig", sagt Nierenspezialist Professor Jan Galle von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Neben dieser wichtigen Entgiftungs- und Entwässerungsfunktion haben die Nieren auch andere Aufgaben. "Sie sind Produktionsstätte wichtiger Hormone für die Blutdruckregulation, die Bildung von roten Blutkörperchen und für den Knochenstoffwechsel", erklärt Galle, der am Klinikum Lüdenscheid die Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren leitet.

Hinweise sind Müdigkeit, Erbrechen oder blutiger Urin

Nierenerkrankungen sind besonders tückisch, weil es kaum Symptome gibt. "Häufig treten Spätsymptome auf wie Bluthochdruck, Blutarmut und teilweise auch schäumender Urin, also eine vermehrte Eiweißausscheidung", so Professor Bernhard Krämer vom Universitätsklinikum Mannheim. Hinweise auf Nierenschäden können blutiger Urin, Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Erbrechen sein. Ein weiteres Symptom für Nierenkrankheiten sind Ödeme, Ansammlungen von Wasser in den Beinen.

Die wohl häufigste Erkrankung des Organs ist das chronische Nierenversagen. "Dabei nimmt die Funktion der Nieren oft unmerklich ab, bis sie dauerhaft und irreversibel ganz versagt", so Galle. Ursache sei häufig ein dauerhaft erhöhter Blutdruck oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. Darüber hinaus gebe es entzündliche oder genetische Nierenerkrankungen, die ein dauerhaftes Nierenversagen verursachen können.

Urintest gibt frühzeitig Aufschluss

Aufgrund der geringen Symptome sei die Früherkennung besonders wichtig, betont Galle. 'Früh erkannt, kann ein Nierenfunktionsverlust aufgehalten oder zumindest deutlich hinausgezögert werden. Ein Urintest gibt frühzeitig Aufschluss über die Filterleistung der Nieren', sagt der Nierenspezialist. Sinnvoll ist es daher, ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre die Vorsorgeuntersuchung 'Check-up 35' zu machen, bei der auch die Nierenfunktion überprüft werde, so der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) in Wiesbaden. (SID)