Neuer Therapie-Ansatz gegen Brustkrebs

Die Forscher konzentrierten sich auf eine aggressive Form von Brustkrebs.
Die Forscher konzentrierten sich auf eine aggressive Form von Brustkrebs.
Foto: iStock
Neue Hoffnung im Kampf gegen Brustkrebs: Eine Kombination aus Immun- und Chemotherapie könnte helfen. Tests verlaufen vielversprechend.

Basel. Allein in Deutschland erkranken rund 75.200 Frauen pro Jahr neu an Brustkrebs, mehr als 17.000 sterben daran. Eine neue Kombination aus Immun- und Chemotherapie bietet jetzt einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung des aggressiven Tumors. Mediziner aus Deutschland und der Schweiz erprobten die Behandlung an Mäusen und halten eine Übertragbarkeit auf Menschen durchaus für möglich. Im Fachjournal „Science Translational Medicine“ stellten sie jetzt ihre Ergebnisse vor.

Kombination zweier Methoden

Die neue Behandlungsmethode kombiniert zwei gängige Therapien, die scheinbar zusammen noch positiver wirken. Zum einen werden sogenannte Konjugate verwendet, Verbindungen von Antikörpern und einem chemotherapeutischen Wirkstoff, zum anderen Immuntherapien, die das eigene Immunsystem des Patienten dazu bringen sollen, den Tumor zu bekämpfen.

Die jetzigen Versuche an Mäusen zeigten, dass Antikörper-Wirkstoff-Konjugate die Wirkung der Immuntherapie womöglich deutlich verstärken können. „Die Übertragbarkeit auf den Menschen halten wir für gegeben“, sagt Hauptautor Philipp Müller von der Universitätsklinik in Basel. Brustkrebs sei als Modell gewählt worden, es sei aber davon auszugehen, dass andere Tumorarten ebenfalls auf die Kombination ansprechen. „Wir gehen davon aus, dass die Wirkweise universal ist.“

Wie ein trojanisches Pferd

Die Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody-Drug-Conjugates, ADCs) kommen schon seit mehreren Jahren bei der Krebsbehandlung zum Einsatz. Sie funktionieren wie eine Art trojanisches Pferd: Die Antikörper erkennen die Krebszelle und binden sich gezielt an deren Oberfläche. Dabei schleusen sie das an sie gebundene Chemotherapeutikum in den Tumor ein, das dann den Tod der Krebszelle auslöst.

Immuntherapie: eingebaute Bremsen

Die Immuntherapie zielt hingegen nicht direkt auf den Tumor ab, sondern soll das Immunsystem des Patienten dazu bewegen, sich selbst gegen den Tumor zur Wehr zu setzen. Bisher seien positive Effekte solcher immuntherapeutischer Ansätze vor allem bei schwarzem Haut- sowie Lungenkrebs bekannt, erläutern die Forscher. Problematisch an der bisherigen Form der Immuntherapie sind sogenannte molekulare Bremsen oder Checkpoints auf den Abwehrzellen. Sie vermeiden eine zu extreme Immunreaktion, behindern die Abwehrzellen aber auch bei ihrem Kampf gegen den Tumor. Therapieansätze zielen darauf ab, solche Bremsen zu lösen und die natürliche Immunantwort gegen die Tumore zu verstärken.

Aggressives Mammakarzinom

Bei ihrem Versuch, die beiden Methoden zu kombinieren, konzentrierten sich die Wissenschaftler um Alfred Zippelius und Philipp Müller von der Universitätsklinik in Basel auf eine besonders aggressive Tumorform, den sogenannten HER2-positiven Brustkrebs. HER2-positive Tumore wachsen überdurchschnittlich schnell und breiten sich rascher in Form von Metastasen aus, was die Überlebenschancen der Patientinnen senkt. 15 bis 20 Prozent der Patientinnen haben ein solches Mammakarzinom.

Weniger Nebenwirkungen

Die Wissenschaftler verwendeten das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Emtansin (T-DM1). Es ist in der EU als Medikament zur Behandlung bei fortgeschrittenem HER2-positivem Brustkrebs zugelassen. Der enthaltene Wirkstoff Trastuzumab ist ein künstlich hergestellter Antikörper, der den HER2-Rezeptor blockiert. Die Krebszellen erhalten in der Folge weniger wachstumsfördernde Signale. In dem Konjugat T-DM1 ist Trastuzumab mit dem Chemotherapeutikum DM1 kombiniert. In dieser Kombination konnte die nötige Chemotherapeutikummenge laut den Wissenschaftlern „deutlich verringert“ werden – und damit auch die potenziellen Nebenwirkungen. Um die Bremsen der Abwehrstoffe bei der Immunabwehr zu lösen, setzten die Forscher Hemmstoffe ein. Dabei wurden die Moleküle PD-1 und CTLA-4 blockiert, die es Krebszellen ermöglichen, sich der Zerstörung durch das Immunsystem zu entziehen.

Mäuse blieben dauerhaft tumorfrei

Mit der Kombitherapie behandelte Mäuse überlebten deutlich länger als die Tiere, die nur mit einer der beiden Methoden therapiert wurden. „Die meisten der Mäuse konnten komplett geheilt werden“, sagt Müller. „Sie blieben dauerhaft tumorfrei.“ Zudem entwickelten die Tiere demnach nicht erneut Krebs, wenn ihnen weitere Tumorzellen eingeimpft wurden. Offensichtlich werde ein länger wirkender Immunschutz aufgebaut.

Die neu erprobte Wirkstoffkombination scheint den Einstrom von Immunzellen in den Tumor sowie deren Fähigkeit, Tumorzellen abzutöten, zu verstärken, so die Studienautoren. Erste Analysen von humanem Brustkrebsgewebe stützten die Vermutungen. Müller: „Eine erste klinische Studie wird derzeit vorbereitet.“ (dpa/ZRB)

 
 

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