Neuartiger Bakterienstamm steckt hinter Ehec

Forscher haben den Auslöser der schweren Infektion entschlüsselt. Nun kann erforscht werden, warum er sich so schnell verbreitet.

Hamburg.. Bei der Untersuchung des tödlichen Darmkeims EHEC sind Wissenschaftler einen Schritt vorangekommen. Forscher des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) identifizierten gemeinsam mit chinesischen Kollegen einen neuartigen Bakterienstamm als Auslöser der schweren Infektion, an der bereits 18 Menschen starben, wie die Klinik am Donnerstag mitteilte. Russland verhängte derweil ein Import-Verbot für Gemüse aus der EU.

Laut UKE und dem chinesischen Genom-Institut BGI handelt es sich bei dem Stamm um einen hochansteckenden und aggressiven Typ des E-Coli-Bakteriums, der gegenüber Antibiotika resistent ist. Mit der Entdeckung des Stammes könne nun erforscht werden, wie dieser entstanden sei, warum er sich so schnell verbreite und warum das Krankheitsbild so schwer verlaufe, erklärte eine UKE-Sprecherin.

Die Krankheit breitet sich weiter aus

Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge handelt sich um eine seltene Variante des E-Coli-Bakteriums STEC 0104:H4. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trat der Stamm noch nie zuvor bei einer Epidemie auf. Zwar sei er in Einzelfällen entdeckt worden, komme aber "sehr selten" vor, sagte ein WHO-Sprecher. Die WHO-Expertin für Lebensmittelsicherheit, Hilde Kruse, erklärte nun, der neue Stamm von E. coli-Bakterien sei noch nie bei Patienten isoliert worden. Er weise Merkmale auf, die ihn mehr Giftstoffe produzieren ließen als die vielen anderen Stämme, die natürlicherweise beim Menschen vorkämen.

Infolge der Infektion starb indes eine weitere Frau. Die im UKE behandelte Patientin war nach Klinikangaben am sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt. Insgesamt starben damit in Deutschland bereits 17 Menschen, allein drei in Hamburg. In Schweden war eine Frau gestorben, die sich zuvor in Deutschland aufgehalten hatte. Bundesweit sind bislang fast 500 Menschen an dem HUS-Syndrom erkrankt, das zu Nierenversagen und neurologischen Störungen führen kann.

Während der Bakterienstamm inzwischen identifiziert ist, hält die Suche nach der Ursache weiter an. Das Robert-Koch-Institut (RKI) befragte laut UKE Patienten in Hamburg und anderen Kliniken. Die zunächst in Verdacht geratenen spanischen Gurken schlossen die Behörden am Mittwoch als Infektionsquelle aus.

Spanien will Entschädigung, Russland stoppt Importe aus der EU

Wegen der sich als falsch erwiesenen Warnung werde sein Land Entschädigungen für den entstandenen Schaden fordern, sagte Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero. Auch der deutsche Bauernverband forderte Entschädigungen für die Einbrüche beim Gemüseverkauf.

In Russland trat unterdessen ein Import-Verbot für frisches Gemüse aus der EU in Kraft, wie der Leiter der russischen Verbraucherschutzbehörde, Gennadi Onischtschenko, der Nachrichtenagentur Interfax sagte. Bereits eingeführtes Gemüse solle im ganzen Land aus den Regalen genommen werden. Die EU-Kommission verlangte eine Erklärung für das Importverbot. (afp)

 
 

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