Masern betreffen inzwischen häufig Jugendliche

Masern sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Das Robert Koch-Institut registrierte im Jahr 2011 insgesamt mehr als 1600 Fälle. Im Vorjahr waren es bundesweit 780. Foto: Imago
Masern sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Das Robert Koch-Institut registrierte im Jahr 2011 insgesamt mehr als 1600 Fälle. Im Vorjahr waren es bundesweit 780. Foto: Imago
Die Zahl der Erkrankungen mit Masern ist im Jahr 2011 in Deutschland rasant gestiegen. Das Robert Koch-Institut in Berlin registrierte über 1600 Fälle - das waren mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2010. Dabei würden zunehmend Jugendliche und junge Erwachsene erkranken.

Berlin. Die Zahl der Masernerkrankungen in Deutschland hat sich 2011 rasant erhöht. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin registrierte bis Jahresende 1607 Fälle, 2010 waren es nur 780. Betroffen sind inzwischen besonders häufig Jugendliche und junge Erwachsene, wie RKI-Präsident Reinhard Burger sagte. Denn bei Kindern sei die Impfquote relativ hoch.

Bei der Schuleingangsuntersuchung hätten 96 Prozent aller Kinder mindestens eine Masernimpfung im Impfausweis stehen, sagte Burger. Allerdings liege die Impfquote für die wichtige zweite Masernimpfung unter 90 Prozent. Sie werde auch häufig nicht, wie empfohlen, im zweiten Lebensjahr gegeben, sondern erst später. "Dies deutet darauf hin, dass die Masernimpfung in vielen Fällen nicht grundsätzlich abgelehnt wird, sondern die zweite Impfung öfter mal vergessen wird."

Ließen Eltern ihre Kinder bewusst nicht gegen Masern impfen, könne er dies nicht nachvollziehen, sagte der RKI-Präsident. "Die Masernerkrankung ist nicht so harmlos, wie mancher vielleicht denkt. In Einzelfällen kann die Erkrankung sogar tödlich enden oder zu einer bleibenden Schädigung des Gehirns führen", erklärte er.

Masern sind europaweit auf dem Vormarsch

In Ostdeutschland seien die Impfquoten gegen die meisten Erkrankungen, nicht nur Masern, besser als in Westdeutschland, sagte Burger. "Auch die Sozialschicht kann einen Einfluss auf die Impfquote haben", fügte er hinzu. Die vom RKI durchgeführte Kindergesundheitsstudie KiGGS habe gezeigt, dass Kinder und Jugendliche aus Familien mit hohem Sozialstatus tendenziell weniger gut gegen Masern geimpft seien.

Die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Elisabeth Pott, sagte, in einigen gesellschaftlichen Kreisen gebe es die Auffassung, dass man bestimmte Kinderkrankheiten durchlaufen sollte, um die Immunabwehr zu verbessern, betonte sie. Deshalb werde auf eine Impfung verzichtet.

Eine im Frühsommer veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der BZgA hatte ergeben, dass die Mehrheit der Eltern Impfungen ihrer Kinder grundsätzlich positiv gegenübersteht, aber Vorbehalte gegen einzelne Impfungen hat. Gut ein Drittel (38 Prozent) stufte Masern als nicht gefährliche Erkrankung ein. Knapp 90 Prozent erklärten zugleich, Masern sei eine Krankheit, gegen die ihr Kind auf jeden Fall geimpft sein solle. Ein Prozent der Eltern lehnte Impfungen grundsätzlich ab.

Was die gestiegenen Masernzahlen angeht, liegt Deutschland voll im europäischen Trend. Europaweit erhöhte sich die Zahl der Masernfälle 2011, allein aus Frankreich wurden 14.000 Erkrankungen gemeldet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO war mehr als die Hälfte der rund 26.000 in Europa Betroffenen älter als 15 Jahre.

BZgA und die Ständige Impfkommission am RKI empfehlen deshalb eine Masernimpfung nicht nur für Kinder. Auch alle nach 1970 Geborenen, die noch nicht an Masern erkrankt und nicht geimpft worden seien, sollten dies nachholen. (dapd)

 
 

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