Männer und Frauen von Diabetes-Folgen unterschiedlich betroffen

Männer und Frauen, die an Diabetes erkrankt sind, brauchen unterschiedliche Reha- und Nachsorge-Angebote. Foto: imago
Männer und Frauen, die an Diabetes erkrankt sind, brauchen unterschiedliche Reha- und Nachsorge-Angebote. Foto: imago
Männer und Frauen, die an Diabetes leiden, kämpfen mit unterschiedlichen Folgen. Daher brauchen sie unterschiedliche Angebote in ihrer Rehabilitation und Nachsorge. Frauen etwa kämpfen häufiger mit Fettleibigkeit, Depressionen und Zukunftsangst.

Köln. Diabetes-Patienten brauchen eine solide medizinische Betreuung. Diese ist erforderlich, damit Betroffene ihren Lebensstil entsprechend ihrer Erkrankung anpassen und so ihre Gesundheit schützen. Allerdings brauchen Männer und Frauen mit Diabetes unterschiedliche Angebote in ihrer Rehabilitation und Nachsorge, wie in einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover und der Klinik Niederrhein in Bad Neuenahr-Ahrweiler festgestellt wurde.

Frauen stärker von Fettleibigkeit betroffen

An der Studie waren 411 Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 beteiligt. Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigten sich sowohl in ihrer körperlichen als auch seelischen und sozialen Situation. Die 105 beteiligten Diabetikerinnen hatten unter anderem stärker mit Fettleibigkeit (Adipositas) zu kämpfen als die männlichen Diabetiker. Der durchschnittliche Body-Mass-Index lag bei den Frauen mit 39 kg/m2 gegenüber gleichaltrigen Männern mit 36,7 kg/m2 deutlich höher. "Damit unterscheiden sich die Geschlechter in einem wichtigen Zielkriterium für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2", unterstrich die Humanbiologin und Psychologin Dr. Gundula Ernst aus Hannover bei der Präsentation der Studie auf dem Rehawissenschaftlichen Kolloquium in Bochum.

Das Gewicht und ein Gewichtsabbau wirken sich in der Regel auf den Stoffwechsel aus. Angst und Depressivität ließen ferner eine deutlich höhere psychosoziale Belastung der Diabetikerinnen erkennen. Die Frauen fühlten sich vielfach mit der Erkrankung allein gelassen, berichtete Ernst. Sie sahen sich häufig von der Behandlung und der Mehrfachbelastung durch Arbeit, Haushalt und pflegebedürftige Angehörige überfordert und fühlten sich ausgebrannt. Zudem fiel die deutlich schlechtere Bildungs- und Berufssituation der Diabetikerinnen auf.

Männer besser ausgebildet

Rund Dreiviertel der Frauen waren an- oder ungelernt, während ihre Mitpatienten überwiegend als Facharbeiter oder Angestellte qualifiziert waren. Dadurch blicken Diabetikerinnen mit weitaus größerer Besorgnis in ihre berufliche Zukunft als zuckerkranke Männer. Nach Ansicht der Studienautoren müssten die psychosozialen Belastungen verstärkt in den Mittelpunkt der Diabetiker-Behandlung rücken. Typische Stressfaktoren in der Familie sollten im Stressmanagement - vielleicht sogar in gesonderten Gruppen - gezielt einbezogen werden.

Zudem sollten die vielfach sportabstinenten Frauen zur Motivation in der Bewegungstherapie auch typische Frauenthemen finden, wie etwa ein Training für Problemzonen, Osteoporose, Beckenboden und nicht nur Kraft-Ausdauer-Sport. Ferner empfehlen die Experten mehr Praxis in der Ernährungsberatung. So könnten die Frauen etwa früher mit der Lehrküche beginnen, da sie meistens genügend theoretische Kenntnisse mitbrächten. Auch eine konsequente sozialmedizinische Beratung und Unterstützung zur beruflichen Zukunft der Patientinnen wäre wünschenswert. Mehr Infos unter www.forschung.deutsche-rentenversicherung.de. (mp)

 
 

EURE FAVORITEN