Macht Fasten schlank? – Fünf Mythen über den Verzicht

Der Griff zur Pralinenschachtel? Für viele Menschen in der Fastenzeit tabu.
Der Griff zur Pralinenschachtel? Für viele Menschen in der Fastenzeit tabu.
Foto: Daniel Naupold
Kein Alkohol, kein Fastfood, keine Süßigkeiten – wer fastet, nimmt ab. Oder doch nicht? Wir nehmen fünf Irrtümer über die Fastenzeit unter die Lupe.

Essen. Fasten Christen vor Ostern 40 Tage am Stück? Und kann man durch den Verzicht auf Süßigkeiten Kilos verlieren? Wir haben mit zwei Experten über fünf Irrtümer in der Fastenzeit gesprochen.

1. Fasten macht schlank.

Wer fastet, nimmt ab – stimmt's? „Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten“, sagt Sabine Ellinger, Ernährungswissenschaftlerin an der Hochschule Niederrhein. Eine Rolle spiele unter anderem, ob man überhaupt nichts esse oder etwa nur auf Süßigkeiten verzichte. „Beim Null-Fasten wird man normalerweise abnehmen,“ so Ellinger. „Aber nach einiger Zeit fährt der Körper auf Sparflamme herunter.“ Er gewöhne sich an die geringe Kalorienzufuhr. „Wer nach dem Fasten genauso viel isst wie vorher, hat die Kilos schnell wieder drauf.“

Andere Menschen verzichten nur auf Ernährungs-Sünden wie Süßigkeiten oder Alkohol. Ob dann in der Fastenzeit die Kilos purzeln, hänge auch davon ab, wie viele Sünden man sich vorher regelmäßig erlaubt habe. „Wenn ich zum Beispiel ein Stück Schokolade am Tag gegessen habe und darauf verzichte, wird sich das nicht nennenswert auf das Gewicht auswirken.“

So oder so gelte das Gesetz der Energiebilanz: „Gewicht verliert man nur, wenn man weniger Energie aufnimmt, als man verbraucht.“

2. Fasten entschlackt den Körper.

Wer auf feste Nahrung verzichtet, reinigt und entgiftet den Körper – er befreit ihn von Schlacken. Zumindest versprechen das verschiedene Internetseiten und Diät-Ratgeber. Ernährungswissenschaftlerin Ellinger hat darauf eine klare Antwort: „Es gibt keine Schlacken im Körper, also kann man sie durch Fasten auch nicht ausscheiden.“

3. Nur strenge Christen fasten vor Ostern.

Ostern ist das höchste Fest der Christen, die Wochen davor sind eine Zeit der Vorbereitung. „Für viele Menschen ist die Fastenzeit heute aber eher mit dem Wellnessgedanken verbunden – eine gute Gelegenheit, ein paar Kilo zu verlieren“, sagt Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen. „Sich in Verzicht zu üben, ist in der heutigen Wohlstandsgesellschaft ja aber durchaus eine kluge Sache.“

4. Christen fasten von Aschermittwoch bis Ostern ohne Unterbrechung.

Für die Christen beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und endet am Ostersamstag. Dazwischen liegen nicht 40, sondern 46 Tage. Insgesamt wird aber nur an 40 Tagen Verzicht geübt: "Die Sonntage werden abgezogen“, erklärt Ulrich Lota vom Bistum Essen. Sonntage seien keine christlichen Fastentage – sondern Tage der Besinnung, an denen Gottesdienste, Gebete und Predigten im Vordergrund stünden. Die Zahl von 40 Tagen des Verzichts sei nicht willkürlich gewählt, sondern käme in der Bibel an verschiedenen Stellen vor: „40 Tage hat auch Jesus gefastet, 40 Tage dauerte die Sintflut und 40 Jahre wanderte das Volk Israel durch die Wüste.“

5. Fasten bedeutet: Nichts essen.

Beim Wort Fasten denken viele Menschen an eine Null-Diät. „Die Fastenzeit beschränkt sich aber nicht auf Speisen“, sagt der Essener Bistumssprecher Lota. „Für die Christen ist es eine Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest, in der sie auf persönliche Annehmlichkeiten verzichten.“ Für viele sei die Fastenzeit deshalb auch eine Übung, ein paar Wochen ohne Alkohol, Süßes oder gar das Internet auszukommen.

 
 

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