Live-Operation am offenen Herzen in Essen

Live aus dem OP in den Hörsaal übertragen wurde auch eine Operation von Professor
Live aus dem OP in den Hörsaal übertragen wurde auch eine Operation von Professor
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA
Zum ersten internationalen Symposium „Aortic Live“ kamen über 300 Ärzte aus der ganzen Welt ins Universitätsklinikum Essen. Um von ihren Kollegen zu lernen

Essen. Auf der Leinwand im Audimax des Universitätsklinikums Essen pocht ein offen liegendes Herz; unübersehbar wird Blut durch den Körper einer 39-jährigen Essenerin gepumpt. Die Hauptschlagader, in Fachkreisen Aorta genannt, ist gut zu sehen, dann ein Skalpell und ein Schnitt. Es ist eine Live-Operation, die der weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der gefäßchirurgischen Erkrankungen, Professor Wilhelm Sandmann, im Alle gucken nach Essen.von mehr als 300 Kollegen aus 27 Ländern der Welt durchführt. Das besondere Merkmal der OP: Sandmann operiert seine Patientin zeitgleich am Bauch und am Brustkorb. Seine Medizinerkollegen im Hörsaal verfolgen jeden einzelnen Schritt der Operation, stellen ihm währenddessen Fragen zu seinen Methoden und tauschen sich fachlich aus – beim ersten internationalen Symposium „Aortic Live“, natürlich in englischer Sprache. Eingeladen hat das renommierte Westdeutsche Herzzentrum der Universitätsklinik Essen. Und mit ihm die Professoren Raimund Erbel, Heinz Jakob und Wilhelm Sandmann.

Sie sind Experten auf den Gebieten Kardiologie, Herz- und Gefäßchirurgie und nicht nur in NRW für ihre gute Arbeit und Forschung bekannt. „Wir wollen Schrittmacher-Dienste leisten für den Patienten“, sagt Erbel, seines Zeichens Direktor der Klinik für Kardiologie. Die Forschung aus NRW, aus Essen, sei weltweit anerkannt, zum Beispiel ein „Stent“, ein medizinisches Implantat, das Professor Heinz Jakob entwickelt hat, und das mittlerweile weltweit zum Einsatz kommt.

Allen Vorträgen ist gemein, dass sie aufzeigen, dass eine Herzklappe heute bestenfalls nicht mehr ersetzt, „sondern rekonstruiert wird, also undichte Klappen abgedichtet werden“, sagt Erbel, der die europäische Leitlinien für Aorten-Behandlungen im Bereich der Kardi­ologie entwickelt. Die Technik, die Professor Gebrine El-Khoury aus Brüssel im OP anwendet, sei „extrem schwierig“, betont Erbel.

Aorta-Reparatur statt Makomar

Als weltweiter Experte lässt Mediziner aus Belgien die Kollegen im Hörsaal an seinem Wissen teilhaben. Und führt die bereits beschriebene Aortaoperati­on an einem 75-jährigen Mann aus Velbert durch. – in einem weltweit einmaligen Hybrid-Raum, den das Westdeutsche Herzzentrum zusammen mit der Siemens AG entwickelt hat. Da es dort einen Herzkatheter-Arbeitsplatz gibt, können parallel mehrere Eingriffe durchgeführt werden, ohne den Patienten zu verlagern. „Es ist faszinierend, was hier geschaffen wurde“, betont einer der Gäste des „Aortic Live“-Symposium.

Anstatt dem Patienten eine neuen Klappe einzusetzen, dichtet El-Khoury die defekte Aorta ab. „Für den Pati­enten ist das ein riesiger Fortschritt, weil er nicht in die Situation kommt, sein Leben lang Medikamente wie Makomar einnehmen zu müssen“, erklärt Erbel. Ein hohes Blutungsrisiko würde so vermieden. Die Technik eigne sich daher besonders gut für Menschen, die den größten Teil ihres Lebens noch vor sich haben und bei denen die Mediziner eine solche Operati­on sonst eher scheuen. Erbel: „Alle gucken nach Essen, denn hier sind Experten am Werk.“

 
 

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