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Liebe auf Distanz – Fernbeziehung muss nicht scheitern

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Liebe auf Distanz ist nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt, es gibt sogar Vorteile. Allerdings müssen die Partner einige Dinge berücksichtigen.

Essen. 

„Du, Schatz, die wollen, dass ich nach Amerika gehe.“ Als Katja von Eysmondt ihren Mann diesen Satz sagen hörte, war sie nicht gerade begeistert. Stattdessen wirbelten tausend Fragen durch ihren Kopf. Wie soll das gehen? Werden wir als Singles auf Zeit klarkommen? Was bedeutet das für die Kinder? Soll ich lieber mitgehen? Die Rheinländerin entschied sich fürs Bleiben, ihr Mann zog des Berufs wegen in die USA – für 15 Monate.

Mit der Herausforderung Fernbeziehung ist von Eysmondt nicht allein. Mehr als jedes zehnte deutsche Paar wohnt einer Studie der Online-Partnerbörse Parship zufolge nicht zusammen in der gleichen Stadt. Mehr als 1,7 Millionen Deutsche leben über 100 Kilometer voneinander entfernt, davon sieht sich etwa jedes vierte Paar nur einmal im Monat.

Was sich für viele wie eine Horrorvorstellung anhören mag, ist inzwischen weit verbreitet. Die Trennungsquote bei Fernbeziehungen ist zudem nicht höher als bei Nahbeziehungen. Und sie haben sogar Vorteile. Fünf Tipps, wie man es richtig macht.

1 Bereitschaft klären

Bevor man sich in das Abenteuer Fernbeziehung stürzt, sollte klar sein, ob beide Partner mit dieser Veränderung einverstanden sind. Außerdem sollte man besprechen, wie oft man sich noch sehen kann. Um eine Perspektive zu schaffen, ist es ratsam, den Zeitrahmen bis zum endgültigen Wiedersehen festzulegen. „Wer schon zu Beginn weiß, dass die Wiedersehen selten und nur schwer realisierbar sind, muss mit dem Partner überlegen, ob diese Beziehung auf Distanz wirklich machbar ist“, sagt Peter Wendl. Er ist als wissenschaftlicher Projektleiter am Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft in Eichstätt Experte für Fernbeziehungen und arbeitet als Einzel-, Paar- und Familientherapeut.

2 Reden, reden, reden

Damit man auch weiterhin buchstäblich in Beziehung bleibt, ist Kommunikation das oberste Gebot. Auch Unwichtiges darf dabei zur Sprache kommen, so Wendl: „Teilen Sie sich gegenseitig ausdrücklich und regelmäßig Erlebnisse des Alltags, Banales, Besonderes, aber eben auch Hoffnungen und Erwartungen, Ängste und Befürchtungen mit.“

In keinem Fall sollten Konflikte um des lieben Friedens willen gemieden werden. Besser ansprechen und aus der Welt räumen, als deswegen wochenlang mit Bauchschmerzen herumzulaufen.

3 Keine zu hohen Erwartungen

Nur weil die Zeit rar ist, die man miteinander verbringt, dürfen die Partner nicht davon ausgehen, dass jedes Treffen von vorn bis hinten ausschließlich mit tollen Unternehmungen durchgeplant ist. Auch ein gemeinsam auf der Couch verbrachter Abend ist keine verlorene Zeit, sondern bringt eine Portion Alltag in die ansonsten eher ungewöhnliche Beziehung. Da die Partnerschaft nicht das komplette Leben ausfüllt, rät Wendl zudem, immer wieder abzusprechen, welche Freiräume aufgrund anderer Prioritäten überhaupt zur Verfügung stehen.

4 Auf sich selbst achten

Wer nur darauf wartet, den Partner endlich wieder in die Arme schließen zu können und sein eigenes Leben darüber vergisst, verkennt allerdings den größten Vorteil von Fernbeziehungen: Raum für Selbstverwirklichung. Katja von Eysmondt fiel das zunächst recht schwer.

Während ihr Mann von Anfang an genoss, auch mal ein komplettes Wochenende auf dem Motorrad zu verbringen, fand sie erst nach und nach Gefallen daran, sich abends mit Freundinnen fürs Kino oder zum Essen zu verabreden. Doch genau das ist wichtig, damit einen die Fernbeziehung nicht früher oder später auslaugt. „Nur wer sich selbst pflegt, kann auch die Beziehung pflegen“, sagt Wendl. „Wesentlich ist, dass Sie Ihren Alltag auch ohne Ihren Partner erfüllend gestalten.“

5 Reflektieren

Menschen in Fernbeziehungen haben die große Chance, ihre Partnerschaft neu wertschätzen zu können. Denn Beziehungen auf Distanz „reißen die Betroffenen positiv wie negativ aus ihrem Alltag heraus und erzwingen Lebendigkeit und Ängste gleichermaßen“, so Wendl. Wer sich die Zeit nimmt, seine Gefühle bewusst wahrzunehmen, kann auch auf die Entfernung seine Zuneigung zueinander vergrößern oder eingefahrene Beziehungen wieder aufleben lassen. Denn eines hat man auf Distanz sicher nicht: Alltagstrott.

Für Katja von Eysmondt ging die Fernbeziehung letztlich gut aus. Sie habe ihr gezeigt, was in ihrer Partnerschaft wirklich von Bedeutung sei. Zwar stoße man auf dem Weg dorthin auf viele Unwägbarkeiten und Grenzen, „am Ende werden Sie aber mit einer neuen Lebendigkeit in Ihrer Partnerschaft und einem persönlichen Reifungsprozess belohnt.“