Laut Umfrage 80 Prozent für striktes Rauchverbot in Kneipen

Gegenwind für Raucher: Eine Umfrage des Deutschen Krebsforschungsinstitut sieht die Befürworter des Rauchverbots in der Gastronomie mittlerweile bei 80 Prozent.
Gegenwind für Raucher: Eine Umfrage des Deutschen Krebsforschungsinstitut sieht die Befürworter des Rauchverbots in der Gastronomie mittlerweile bei 80 Prozent.
Foto: Kleinrensing/WP
Trotz Raucherprotesten und Warnungen vor einem Kneipensterben wächst die Zustimmung der Bevölkerung zu rauchfreien Gaststätten. Laut einer repräsentativen Umfrage für das Deutsche Krebsforschungszentrum sind inzwischen mehr als 80 Prozent der Bürger für ein Rauchverbot in der Gastronomie.

Kirchhundem/Heidelberg. Trotz massiver Raucherproteste erreicht die Zustimmung der Bevölkerung zum Rauchverbot in Gaststätten einen Rekordwert. Laut einer Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, sind aktuell bundesweit 82 Prozent der Bürger für ein striktes Rauchverbot – 2005 waren dies 53 Prozent. Selbst unter Rauchern hat sich die Zustimmungsquote zu rauchfreien Kneipen seit 2007 auf 59 Prozent fast verdoppelt.

Den Vorwurf des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), das Rauchverbot in NRW sei wesentlich verantwortlich für das Kneipensterben, bezweifelt die Mennekes-Umweltstiftung (Kirchhundem), die die Studie finanziert hat. So ist die Zahl der Schankwirtschaften in NRW schon vor dem Verbot von 14.381 im Jahr 2001 bis 2011 auf 9346 gesunken. Zwar sieht der Berater der Mennekes-Stiftung, Dietmar Jazbinsek, durch das Rauchverbot „in Ausnahmefällen“ Probleme für Eckkneipen. Hauptursachen für das Kneipensterben seien aber der gesunkene Bierkonsum und der Bedeutungsverlust der Nachbarschaft. Damit sei das Geschäftsmodell der Eckkneipe in Gefahr geraten.

Krebsforscherin kritisiert "aggressive Protestaktionen" von Rauchern

Während die Anhänger des 2013 eingeführten strikten Nichtraucherschutzes in NRW den „Einstellungswandel“ begrüßen, plant die Initiative „NRW genießt“ die Beantragung eines Volksbegehrens gegen das Rauchverbot in NRW. Ein erfolgreiches Volksbegehren erfordert aber die Unterschrift von einer Million Menschen in NRW. Dann müsste sich der Landtag erneut mit dem Nichtraucherschutz-Gesetz befassen. Die Dehoga warnte vor einem beschleunigten Kneipensterben. Nur 29 Prozent der Betriebe unterstützten das strikte Rauchverbot, fast alle Wirte fürchteten Umsatzeinbußen. CDU und FDP fordern weiterhin Ausnahmen für Eckkneipen.

Die Leiterin des Deutschen Krebsforschungszentrums, Martina Pötschke-Langer, kritisierte die „aggressiven Protestaktionen“ von Kneipenwirten und massive Kampagnen der Tabaklobby gegen das Rauchverbot. Der Gründer der Mennekes-Stiftung, Dieter Mennekes, erinnerte daran, dass bislang auch bei Schützenfesten und im Kinderkarneval geraucht wurde. „Rauchfreie Schützenfeste werden bald genauso selbstverständlich sein wie rauchfreie Theater“, glaubt Mennekes. Laut Studie sind 85 Prozent der Frauen und 78 Prozent der Männer für ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie. Erste Konsequenzen des Nichtraucherschutzgesetzes gab es allerdings in Wickede: Dort wurde 2013 wegen des Rauchverbots ein Dorffest abgesagt, das traditionell auf einem Schulhof stattfand.

 
 

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