Krankenkassen wollen 2012 Zusatzbeiträge abschaffen oder senken

Für das Jahr 2012 wollen die Krankenkassen auf den Zusatzbeitrag verzichten.
Für das Jahr 2012 wollen die Krankenkassen auf den Zusatzbeitrag verzichten.
Foto: imago
In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben die Krankenkassen einen Überschuss von rund 3,9 Milliarden Euro erzielt. Nun wollen auch die letzten Kassen ihren Zusatzbeitrag voraussichtlich 2012 abschaffen. Experten rechnen jedoch damit, dass er ab 2013 wieder eingeführt wird.

Berlin. Auch die letzten Krankenkassen wollen ihren Zusatzbeitrag voraussichtlich im nächsten Jahr abschaffen. Die BKK advita und die BKK Phoenix wollen den Zusatzbeitrag im zweiten Quartal 2012 streichen, wie die "Nürnberger Nachrichten" am Freitag berichteten. Auch bei der BKK Hoesch und der BKK Publik stehe dies zur Diskussion. Bei der BKK Phoenix gebe es bereits eine Beschlussvorlage, den Zusatzbeitrag zum 1. April abzuschaffen, sagte ein Sprecher dem Blatt. Für die Mitglieder der BKK advita wird es nach Informationen der Zeitung ab dem zweiten Quartal ebenfalls günstiger.

Bei der BKK Hoesch, die bisher 15 Euro pro Monat zusätzlich verlangt, solle bald entschieden werden, ob die Pauschale erheblich verringert oder ganz abgeschafft wird. Bei der BKK Publik hieß es, es solle frühestens zum Jahresende entschieden werden. Zuvor hatten bereits die DAK und die BKK Gesundheit angekündigt, nach ihrer Fusion zum Beginn nächsten Jahres den Zusatzbeitrag von acht Euro ab April zu streichen. Auch die KKH Allianz und die Deutsche BKK wollen den Beitrag nicht mehr erheben. Die gesetzlichen Kassen können einen pauschalen Zusatzbeitrag erheben, wenn sie mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen.

Erhebliche Mehrkosten für Kassen erwartet

Den Beitrag müssen die Versicherten aus eigener Tasche zahlen. Kassen, die einen Zusatzbeitrag eingeführt hatten, hatten teils erheblich Mitglieder verloren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) rechnet allerdings damit, dass der Beitrag nach dem Wahljahr 2013 wieder eingeführt wird.

Auf die Kassen kämen "erhebliche Mehrkosten" zu, sagte VZBV-Gesundheitsexpertin Ilona Köster-Steinbach der Zeitung. So solle die Unterversorgung auf dem Land bekämpft werden, indem junge Mediziner mit mehr Geld aufs Land gelockt werden. Die Finanzlage der Kassen hatte sich zuletzt wegen der guten Konjunktur und Einsparungen bei den Arzneimittelausgaben deutlich verbessert.

Überschuss von rund 3,9 Milliarden Euro

In den ersten neun Monate dieses Jahres erzielten sie einen Überschuss von rund 3,9 Milliarden Euro. Nach dem Willen von Deutschlands größter gesetzlicher Krankenkasse, der Barmer GEK, sollen die Kassen ihre Beiträge wieder selbst erheben können. "Wir wollen mehr Autonomie über unsere Finanzen, um mehr in neue Versorgungsmodelle, in Forschung und Entwicklung zu investieren", sagte Vorstandschef Christoph Straub dem "Hamburger Abendblatt" vom Freitag.

Derzeit gilt bundesweit ein einheitlicher Beitragssatz von 15,5 Prozent des Bruttogehalts. Zugleich warnte Straub davor, wegen des Milliardenüberschusses im Gesundheitsfonds nun die Kassenbeiträge zu senken. Die Arzneimittel- und Krankenhausausgaben zögen wieder an. (afp)