Krankenkassen geben weniger Geld für Medikamente aus

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Die Ausgaben für Arzneimittel sind bei den gesetzlichen Krankenkassen deutlich zurückgegangen - um 5,7 Prozent. Grund ist wohl vor allem der höhere Zwnagsrabatt für verschreibungspflichtige Medikamente. Trotz der Milliardenüberschüsse einiger Kassen könnten 2012 Zusatzbeiträge erhoben werden.

Berlin. Erstmals seit Jahren gehen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel deutlich zurück. In den ersten neun Monaten seien die Aufwendungen in diesem Sektor um 5,7 Prozent gesunken, teilte das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mit. Als Ursache gilt vor allem das Arznei-Sparpaket, das die schwarz-gelbe Bundesregierung im vergangenen Jahr beschlossen hat. Damit war der Zwangsrabatt für verschreibungspflichtige Medikamente erhöht worden.

Höchste Überschüsse bei Ersatzkassen

Aber auch die Rabattverträge mit Herstellern trugen zur Kostensenkung bei. Die rückläufigen Arzneiausgaben gelten neben der guten Entwicklung bei den Löhnen als ein wichtiger Grund für das Plus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 3,9 Milliarden Euro in den ersten drei Quartalen, über das Reuters bereits berichtet hat. Zum Jahresende wird es laut Ministerium aber um eine Milliarde bis 1,5 Milliarden Euro niedriger liegen, da die Ausgaben im vierten Quartal stets höher seien. Die höchsten Überschüsse erzielten die Ersatzkassen mit knapp 1,7 Milliarden Euro und die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit fast 1,4 Milliarden Euro.

Höhere Ausgaben für Versicherte

Trotz der Milliardenüberschüsse gaben die gesetzlichen Kassen allerdings insgesamt pro Versichertem 2,5 Prozent mehr aus als im Vorjahreszeitraum. So stiegen die Ausgaben für die ambulante ärztliche Versorgung um 2,3 Prozent und für Früherkennungsuntersuchungen um 3,8 Prozent. Die Ausgaben für Klinikbehandlungen wuchsen pro Versichertem gar um 4,2 Prozent; die Ausgaben für das Krankengeld um 9,4 Prozent. Für das nächste Jahr geht das Ministerium davon aus, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei "Null Euro" liegen wird.

Experten rechnen mit Plus von 4,4 Milliarden Euro

Dies schließt aber nicht aus, dass einzelne Kassen zur Erhebung eines solchen Beitrags gezwungen sein könnten. Auch der Gesundheitsfonds schaffte bis Oktober einen Überschuss von 1,37 Milliarden Euro. Bis Jahresende rechnen Experten hier mit einem Plus von 4,4 Milliarden Euro. Seine Reserve kann dadurch auf rund 8,6 Milliarden Euro anwachsen. In den Fonds fließen Beitragseinnahmen und Steuergelder und werden von dort unter den Kassen verteilt. Kassen, die mit dem Geld nicht auskommen, müssen Zusatzbeiträge erheben. (Reuters)