Krankenhäuser fürchten finanziellen Kollaps durch Ehec-Fälle

Die Krankenhäuser brauchen laut einem Medienbericht Finanzhilfen wegen der zahlreichen Behandlungen von Ehec-Patienten. Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Ehec-Infektionen ist bundesweit auf 22 gestiegen.

Essen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fürchtet wegen der zahlreichen Erkrankungen mit dem Darmbakterium Ehec eine finanzielle Überforderung der Kliniken. „Ich appelliere an die Politik angesichts der Ehec-Epidemie, die geplanten finanziellen Kürzungen für die Krankenhäuser zurückzunehmen“, sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ laut Vorabbericht.

Baum sagte, die Epidemie zeige, wie wichtig es sei, in den Krankenhäusern Kapazitäten an Betten und Personal vorzuhalten, um solche schwierigen Situationen zu meistern. Zurzeit könne die Lage nur bewältigt werden, weil die Kliniken untereinander Personal austauschten. „Die Kliniken machen heute alles, was für die Versorgung der Erkrankten notwendig ist – ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Leistungen am Ende von den Krankenkassen auch vergütet bekommen“, sagte Baum.

Bundesweit ist die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Ehec-Infektionen auf mindestens 22 gestiegen. Mehr als 2200 Menschen erkrankten bundesweit.

Lauterbach fordert mobile Einsatzgruppe gegen Epidemien

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, kritisiert die Informationspolitik des Bundesgesundheitsministeriums zu Erkrankungen durch gefährlichen Durchfallerreger Ehec. Bundesminister Daniel Bahr (FDP) habe die Epidemie anfangs unterschätzt, sagte Lauterbach der „Passauer Neuen Presse“ laut Vorabbericht. „Die Koordination der Untersuchungen und die Aufklärung der Bevölkerung waren suboptimal“, urteilte Lauterbach.

Er monierte, Bahr hätte für eine offensive Aufklärung und mehr Druck sorgen müssen. Lauterbach forderte eine mobile Task Force für Ehec und andere Epidemien unter Zuständigkeit des Bundesgesundheitsministers.

Dagegen lobte Lauterbach die Kliniken. „Die Einrichtungen und die Krankenhäuser haben sehr gut kooperiert, bis hin zu den Herstellern der Geräte zur Blutwäsche“, sagte er. „Das medizinische System hat funktioniert.“ Lauterbach forderte die Bevölkerung auf, Blut zu spenden. „Jeder, der jung und gesund ist, sollte eine Blutspende erwägen. Jetzt müssen alle zusammenhalten“, sagte er.

Aigner weist Kritik am Ehec-Krisenmanagement zurück

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) verteidigt das Vorgehen der Behörden bei der Bewältigung der Ehec-Erkrankungen gegen Kritik der Opposition. „Das Krisenmanagement funktioniert - die Behörden konzentrieren alle ihre Kräfte auf die Bekämpfung dieser Epidemie“, sagte Aigner der „Saarbrücker Zeitung“ laut Vorabbericht. Jetzt sei auch nicht die Zeit für Föderalismusdebatten.

Die Ministerin forderte die Verbraucher auf, weiter auf den Verzehr von Sprossen, rohen Gurken, Tomaten und Blattsalaten zu verzichten. Vorerst seien die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Bundesinstituts für Risikobewertung weiter gültig.

Aigner sagte, tausende Landwirte und Betriebe seien von dramatischen Umsatzeinbrüchen betroffen. Sie hätten hochwertige Produkte hergestellt und verantwortungsvoll gewirtschaftet. Beim Sondertreffen der EU-Agrarminister an diesem Dienstag in Luxemburg werde es daher auch um Hilfen gehen. „Diese Betriebe brauchen jetzt unsere Unterstützung“, sagte Aigner.

Entschädigungen für Bauern Thema auf EU-Krisentreffen

Aigner (CSU) berät am Dienstag auf einem Krisentreffen mit ihren EU-Kollegen über die Folgen der Ehec-Epidemie. Neben der Sicherheit von Lebensmitteln geht es bei der Sitzung in Luxemburg auch um die finanzielle Entschädigung von Gemüse-Bauern, die wegen Warnungen vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten und Salaten schwere Einbußen hinnehmen müssen. Besonders Spanien fordert Hilfen für seine Landwirte, da deutsche Behörden in spanischen Gurkenlieferungen zeitweise den Ausgangspunkt des lebensgefährlichen Darmkeims vermutet hatten.

Der Darmstädter Pharmakonzern Merck erhofft sich mehr Umsatz mit Schnelltests zum Nachweis des lebensgefährlichen Ehec-Erregers. Das Unternehmen könne mit dem Produkt Duopath Verotoxin einen Test anbieten, der den gefährlichen Erreger in Lebensmitteln aufspüren könne, teilte das Pharma- und Spezialchemieunternehmen am Montag mit. Es sei wichtig, den Erreger schnell zu isolieren, um die Lebensmittelversorgung zu gewährleisten. Ende Mai hatte schon der kleinere Konkurrent Qiagen mitgeteilt, er habe einen Test zum Nachweis des Bakteriums verfügbar.

Schnelltest für Lebensmittelhersteller

„Unser Schnelltest ist besonders hilfreich für Lebensmittelhersteller und Forscher, die derzeit mit Hochdruck daran arbeiten, diese Bakterien nachzuweisen und infizierte Patienten zu behandeln“, erklärte Roland Heinrich, Leiter des Geschäftsfeldes Biomonitoring der Merck-Sparte Millipore. Neben Duopath Verotoxin besitze das Unternehmen noch einen zweiten Test für den Nachweis der Bakterien. Nach einer Anreicherung aus Lebensmitteln über Nacht lieferten die Tests innerhalb von 20 Minuten Ergebnisse.

Nach ersten Laborprüfungen konnte bis zum Montagnachmittag der Verdacht vorerst nicht erhärtet werden, Sprossen aus einem Saatgutbetrieb in Niedersachsen könnten die Quelle der Infektionen sein. Die Bundesregierung empfahl, auf die als Salat-Beilage beliebten Sprossen zu verzichten. Gleichzeitig blieb die Warnung vor rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten bestehen. (dapd/afp/rtr)

 
 

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