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Keine Selbstmedikation bei trockenem Auge

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Essen. 

Wenn die Augen gerötet sind, jucken und brennen, kann zu wenig Tränenflüssigkeit die Ursache sein. Ärzte warnen davor, diese Beschwerden nicht ernst zu nehmen. Denn die Folge können Entzündungen sein.

Das so genannte trockene Auge entsteht, wenn Binde- und Hornhaut der Augen nicht ausreichend mit Flüssigkeit benetzt sind. „Mindestens einer von fünf Menschen, die einen Augenarzt aufsuchen, hat Problem“, sagt Prof. Horst Brewitt, Leiter des im Berufsverband der Augenärzte. Doch warum sind Tränen wichtig? Welche Ursachen haben trockene Augen, und was kann man dagegen tun?

Tränen schützen vor Keimen

Jeden Tag produzieren unsere Tränendrüsen etwa einen Fingerhut voll Flüssigkeit. Durch das Blinzeln wird sie über das gesamte Auge verteilt, hält es damit feucht und schützt vor Keimen. „Kommt beispielsweise Staub in die Augen, wird die Tränenproduktion erhöht und der Fremdkörper ausgespült“, sagt der Experte. Außerdem sorgen Tränen für den Nähr- und Sauerstofftransport der Augenoberfläche.

Tränen sind mehr als nur Wasser: „Die Flüssigkeit ist ein komplexes System und besteht aus verschiedenen Schichten. Deshalb bezeichnet man sie auch als Tränenfilm“, sagt Brewitt. „Dieser besteht aus einer Schicht, in der sich Schleimstoffe befinden, einer wässrigen und der äußeren fettigen Phase.“

Ohne Tränen ist das Auge ungeschützt

Trockene Augen entstehen, wenn die Tränendrüsen zu wenig Flüssigkeit produzieren. „Kratzende, gerötete Augen sind die Folge“, sagt Brewitt. „Außerdem kann es auch zu Sehstörungen kommen.“

Weitere Beschwerden sind:

• Druck- oder Fremdkörpergefühl im Auge

• Schmerzen bei Luftzug oder rauchiger Luft

• geschwollene Augenlider

• müde Augen

• Unverträglichkeit von Kontaktlinsen und Kosmetika

Zu trockenen Augen kann es auch kommen, wenn die Tränendrüsen ausreichend Flüssigkeit produzieren. „Beispielsweise wenn die fettige Tränenschicht, die man auch als Lipdschicht bezeichnet, gestört ist“, so der Experte. „Typisch dafür sind Brennen und starkes Tränen.“ Was zunächst paradox klingt, ist dem Experten zufolge leicht zu erklären. „Der Lipidfilm hält die wässrige Phase zusammen. Wird zu wenig dieser Phase produziert, laufen die Tränen sozusagen über.“

Kontaktlinsen führen oft zu trockenen Augen

„Untersuchungen zeigen, dass die Tränenproduktion im Alter abnimmt“, sagt Brewitt. „Wahrscheinlich sind hormonelle Faktoren ausschlaggebend.“

Weitere Ursachen für trockene Augen können sein:

• Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Allergien

• Gesichtslähmung

• Medikamente wie Antihistamine , Beta-Blocker oder Antidepressiva

• Kontaktlinsen

„Jeder zweite Kontaktlinsenträger leidet früher oder später an trockenen Augen“, sagt Brewitt. Dass eine Linse eigentlich ein Fremdkörper ist, merkt jeder, der zum ersten Mal versucht die Sehhilfe einzusetzen. Die Augen sind dann meist gereizt und tränen. „Bei dauerhaftem Tragen von Kontaktlinsen, gewöhnen sich die Augen an das Fremdkörpergefühl und produzieren weniger Tränenflüssigkeit“, sagt der Experte. „Trockene Augen sind die Folge.“

Selbsthilfe-Tipps bei trockenen Augen

„Besonders morgens leiden viele Menschen an geschwollenen Augen“, so Brewitt. „Denn nachts wird wenig Tränenflüssigkeit gebildet, was zur Reizung führt.“ Helfen könne ein Wattepad mit lauwarmem Wasser, das auf die geschlossenen Lider gelegt wird. Wichtig sei außerdem, auf ein gutes Raumklima zu achten: „Frische, feuchte Luft ist gut für die Augengesundheit“, so Brewitt. „Zugluft und Zigarettenrauch sollte man dagegen meiden.“ Bei der Arbeit am Bildschirm empfehlen sich regelmäßige Pausen und bewusstes Blinzeln.

„Wer bereits unter trockenen Augen leidet, sollte keine konservierungsstoffhaltige Kosmetik verwenden“, sagt Brewitt. „Auch wasserfeste Wimperntusche ist nicht geeignet, denn gelangt sie in das Auge, kratzt sie am Tränenfilm.“

Selbstbehandlung kann Beschwerden verschlimmern

Aber Vorsicht: Wer dauerhaft unter trockenen Augen leide, sollte zum Augenarzt gehen. Denn wenn das Problem nicht behandelt wird, kann es zu Entzündungen kommen, die auf Dauer die Hornhaut schädigen. „Nur schätzungsweise zehn Prozent der Betroffenen suchen Hilfe beim Augenarzt“, sagt Brewitt. „Die anderen versuchen es mit Selbstmedikation.“ Nicht selten komme es infolge dessen zu einer Verschlimmerung der Beschwerden, was im schlimmsten Fall zum Verlust der Sehkraft enden kann.