Kassenpatienten warten in NRW 23 Tage länger auf Termin

Gesetzlich Versicherte in NRW müssen einer Untersuchung zufolge 23 Tage länger auf einen Facharzttermin warten als privat Versicherte. Foto: Imago
Gesetzlich Versicherte in NRW müssen einer Untersuchung zufolge 23 Tage länger auf einen Facharzttermin warten als privat Versicherte. Foto: Imago
Ein Test ergab, dass Privatpatienten bei Facharzt-Terminen deutlich bevorzugt werden. Im Schnitt müssen Kassenpatienten im Ruhrgebiet 18 Tage länger auf einen Facharzt-Termin warten als privat Versicherte. In NRW sind es im Durchschnitt sogar 23 Tage.

Essen.. Kassenpatienten müssen im Ruhrgebiet durchschnittlich 18 Tage länger auf einen Facharzt-Termin warten als privat Versicherte. Dies hat eine telefonische Umfrage der Grünen-Abgeordneten Bärbel Höhn und Maria Klein-Schmeink ergeben, deren Ergebnisse dieser Zeitung vorliegen. Demnach wartet ein Privatpatient im Schnitt sieben Tage auf einen Arzttermin, während der gesetzlich Versicherte erst nach 25 Tagen einen Termin bekommt.

Dabei geht es den Kassenpatienten im Revier noch vergleichsweise gut. NRW-weit beträgt der Unterschied bei den Wartezeiten 23 Tage. In Bonn, Köln und Aachen müssen sich gesetzlich Versicherte sogar 45 beziehungsweise 41 und 33 Tage länger gedulden. In Wuppertal hingegen beträgt die Differenz nur zehn Tage; es folgt Ostwestfalen-Lippe mit elf und das Münsterland mit 14 Tagen.

Bei der Umfrage haben Testanrufer rund 350 Facharztpraxen geprüft. Dabei wurde dieselbe Praxis in kurzen Abständen von einem Kassenpatienten und einem privat Versicherten wegen eines Termins angerufen. Die jeweiligen Praxen wurden dabei nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

Der deutlichste Unterschied ergab sich bei Kardiologen mit 38 Tagen. Hier wartet ein Privatpatient in NRW zwölf Tage auf einen Termin und ein gesetzlich Versicherter 50 Tage. Bei Radiologen beträgt die Zeitspanne 23, bei Augenärzten 19 und bei Orthopäden zwölf Tage. „Das ist nicht fair, dass es solche Unterschiede gibt“, sagte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn. „Wenn Ärzte für einen Privatpatienten mehr als das doppelte an Honorar bekommen, gibt es einen systematischen Anreiz, diese auch zu bevorzugen.“

Die Bürgerversicherung

Bei der Umfrage kam auch heraus, dass es in Köln und Bonn deutlich mehr Praxen als in anderen Landesteilen gab, die nur Privatpatienten annahmen.

Patientenrecht-Expertin Maria Klein-Schmeink sprach sich für eine Bürgerversicherung aus, wie die Grünen sie planen. Hier sollten „für die gesetzliche und private Krankenversicherung die gleichen Bedingungen gelten, auch bei den Honoraren“, so die Grüne. „Dann gibt es auch keinen Grund mehr für unterschiedliche Wartezeiten auf den Arzttermin.“

 
 

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