In NRW wird laut Krankenkassen zu viel operiert

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In NRW-Kliniken wird aus Sicht der Ersatzkassen zu schnell und oft überflüssig operiert. Seit 2005 stieg allein die Zahl der Eingriffe an Knie und Bandscheibe um 30 Prozent

Düsseldorf.. In NRW-Kliniken wird aus Sicht der Ersatzkassen zu schnell und oft überflüssig operiert. Seit 2005 stieg allein die Zahl der Eingriffe an Knie und Bandscheibe um 30 Prozent. „Der OP-Anstieg in der Orthopädie und Chirurgie lässt sich nicht nur medizinisch und altersbedingt erklären“, sagte Dirk Ruiss vom Verband der Ersatzkassen NRW unserer Zeitung. „Das kann auch ökonomische Gründe haben.“

Die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen hat sich bei Patienten der Techniker-Kasse innerhalb von fünf Jahren sogar verdoppelt. Im Vorjahr wurden 135 von 100 000 Versicherten am Rücken operiert. „80 Prozent der empfohlenen Operationen waren laut Zweitgutachten unnötig und hätten durch Spritzen und Gymnastik vermieden werden können“, erklärte Ruiss. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) fordert vom Bund eine Änderung des Patientenrechts, dass die Kassen die Kosten für eine Zweitmeinung bei Zweifeln voll übernehmen müssen. „Bestimmt gibt es Operationen, die nicht zwingend sind oder noch nicht notwendig gewesen wären“, sagte Steffens unserer Zeitung.

Die Ersatzkassen sehen die Hauptursache für den Anstieg der Eingriffe im Überangebot chirurgischer Abteilungen in Kliniken. So operieren im Umkreis von 100 Kilometern um Essen 30 Kliniken Hüften. Auch Operationen an Schilddrüsen werden in Deutschland häufiger vorgenommen. So kommt in Deutschland eine Schilddrüsen-OP auf 750 Einwohner, in den USA eine auf 4900 Patienten. Erhebliche Zweifel hegen die Kassen auch, dass die hohe Zahl der Geburten per Kaiserschnitt medizinisch notwendig ist. „Wir plädieren für eine stärkere Rolle der Hebammen“, sagte Ruiss. Dabei räumt der Kassenexperte allerdings ein, dass der Wunsch nach einem Kaiserschnitt gerade bei Frauen über 30 Jahren besonders stark ausgeprägt ist.

Ministerin Steffens dringt auf eine bessere Aufklärung der Patienten. „Es gibt in vielen Fällen nicht nur einen medizinischen Weg, sondern unterschiedliche Möglichkeiten.“ Deshalb sei es wichtig, dass Patienten selbstbestimmt entscheiden könnten, welcher Behandlungsweg für sie passt.

 

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