IG Metall fordert Anti-Stress-Verordnung gegen Burnout

Burnout wird für viele Arbeitnehmer zum Problem. Die IG Metall fordert deswegen eine Anti-Stress-Verordnung.
Burnout wird für viele Arbeitnehmer zum Problem. Die IG Metall fordert deswegen eine Anti-Stress-Verordnung.
Foto: WR/Franz Luthe
Stress und Burn-Out am Arbeitsplatz: Psychische Erkrankungen werden für Arbeitnehmer und Krankenkassen zum Problem. Die IG Metall will nun mit einer Anti-Stress-Verordnung dagegen vorgehen - und fordert Druck von der Politik.

Berlin. Mit einer Anti-Stress-Verordnung will die IG Metall gegen den Anstieg psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz vorgehen. Immer häufiger litten Beschäftigte am Burn-out-Syndrom, Hilfsangebote oder gar Prävention am Arbeitsplatz gebe es aber kaum, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban am Dienstag in Berlin. Ähnlich wie bei Vorschriften zum Lärmschutz müssten daher von Arbeitgebern und Politik belastbare Vorgaben ausgearbeitet werden, um Angestellte besser vor Stress zu schützen.

In einer Blitzumfrage hatte die Gewerkschaft knapp 4.000 Betriebsräte in ihrem Organisationsbereich zu Stress und Burn-out am Arbeitsplatz befragt. Dabei gaben 86 Prozent an, dass der Anstieg psychischer Erkrankungen in ihrem Betrieb als ernstes Problem wahrgenommen werde. 69 Prozent der Befragten beklagten fehlende oder nicht ausreichende Hilfsangebote für Erkrankte, und 73 Prozent waren der Meinung, es müsse mehr für den Gesundheitsschutz getan werden.

Jährliche Behandlungskosten von 27 Milliarden Euro

Die Studie sei zwar nur eine Momentaufnahme, bestätige aber andere Studien etwa von Krankenkassen, sagte Urban. So seien nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK 2010 knapp 100.000 Menschen mit einer Diagnose krankgeschrieben worden, die auf ein Burn-out-Syndrom hindeute. Psychische Erkrankungen verursachten jährlich Behandlungskosten von 27 Milliarden Euro, der Produktionsausfall belaufe sich auf weitere 26 Milliarden Euro.

Um hier gegenzusteuern, forderte Urban gesetzlichen Druck auf die Unternehmen zur Verbesserung der Bedingungen. So gebe es in Frankreich, Italien und mehreren skandinavischen Ländern Vorschriften zum Arbeitsschutz gegen Stress, sagte er. Bekannte Auslöser für psychische Erkrankungen seien etwa überlange Arbeitszeiten, Über- oder Unterforderung, ein schlechtes Führungsverhalten der Vorgesetzten sowie ein zu hohes Arbeitspensum.

Zudem habe die Wirtschafts- und Finanzkrise und die damit verbundene Unsicherheit viele Arbeitnehmer belastet. "Die Wirtschaft hat die Krise überwunden, aber die Kosten zahlen die Beschäftigten", sagte Urban. Mit 68 Prozent gaben mehr als zwei Drittel der Betriebsräte in der Umfrage an, Stress und Leistungsdruck in ihrem Unternehmen seien seit der Krise erheblich gestiegen. Die Gesundheit dürfe aber nicht hinter betriebswirtschaftlichen Erfolgszahlen zurückstehen, sagte Urban. (dapd)

 
 

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