HIV-Therapien kosten jährlich mehr als eine Milliarde Euro

Im Schnitt kosten die Medikamente für eine HIV-Therapie im Jahr 20.000 Euro für eine Person.
Im Schnitt kosten die Medikamente für eine HIV-Therapie im Jahr 20.000 Euro für eine Person.
Foto: WAZ FotoPool
HIV-Therapien kosten im Jahr rund eine Milliarde Euro und damit sind lediglich die Medikamente einkalkuliert. Im Vergleich dazu fällt das Budget der Bundesregierung für präventive Maßnahmen mit rund 11,2 Millionen Euro und 1,6 Millionen Euro für die Aids-Forschung deutlich geringer aus.

Berlin.. Etwa eine Milliarde Euro Kosten fallen in Deutschland jährlich für die medikamentöse Behandlung HIV-Infizierter an. "Die sogenannte antiretrovirale Therapie verläuft in der Regel stark standardisiert und kostet pro HIV-Patient jährlich etwa 20.000 Euro", sagte Osamah Hamouda, Fachgebietsleiter für HIV/AIDS am Robert Koch-Institut (RKI), auf dapd-Anfrage.

Dadurch könne man bei etwa 50.000 Menschen, die in Deutschland aktuell eine HIV-Therapie erhalten, auf eine Milliarde Euro Kosten pro Jahr schließen, erklärte Hamouda. Bei dieser Kalkulation würden allein die Medikamente eingerechnet, fügte Hamouda hinzu. Im Vergleich zu diesem Kostenfaktor fielen jedoch die Ausgaben für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte von Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, deutlich weniger ins Gewicht.

Nur 1,6 Millionen Euro für die Aids-Forschung

Er schätze, dass für Arztbesuche, stationäre Aufenthalte und Reha-Maßnahmen der jährliche Kostenblock etwa bei 100 Millionen Euro liege, sagte der Epidemiologe. "Für die eigentliche HIV-Diagnostik einschließlich der routinemäßig durchgeführten Untersuchung von Blutspenden muss man zusätzlich mit etwa 50 Millionen Euro - rechnen", fügte Hamouda hinzu.

Im Vergleich zu den Kosten für die Behandlung der Erkrankten fällt das Budget der Bundesregierung für die Prävention der Krankheit deutlich geringer aus. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind im Haushalt des kommenden Jahres 11,2 Millionen Euro für die Prävention der Krankheit vorgesehen und 1,6 Millionen für die Aids-Forschung. "Es wäre aus gesellschaftlicher Sicht auf alle Fälle kosteneffektiv, wenn man durch gezielte Prävention verstärkt versucht, Infektionen zu verhindern", sagte Hamouda.

Dabei hat die Zahl der Infizierten in den vergangenen Jahren zugenommen und steigt weiter. Einer aktuellen Studie des RKI zufolge hat die Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht: Rund 78.000 Menschen leben hierzulande mit dem gefährlichen Virus. Von den etwa 28.000 Infizierten, die noch keine Therapie erhalten, weiß die Hälfte vermutlich noch gar nichts von ihrer Infektion. (dapd)

 
 

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