Heuschnupfen behandeln – sonst droht Asthma

Er beginnt mit einer laufenden Nase und juckenden Augen: Heuschnupfen.
Er beginnt mit einer laufenden Nase und juckenden Augen: Heuschnupfen.
Foto: dapd
15 bis 20 Prozent der Deutschen leiden unter einer Pollenallergie – Tendenz steigend. Unklar ist, ob die Zunahme der Pollenallergiker dadurch begründet ist, dass die Aufmerksamkeit für die Überempfindlichkeit gestiegen ist oder die Erkrankung tatsächlich häufiger vorkommt.

Bochum/Berlin.. Schnupfen, wenn Hasel und Erle ab Ende Februar blühen? Kurz darauf ein asthmatischer Husten und Luftnot? Oder ein wunder Mund, wenn Sie Äpfel essen, während die Birken im März und April ihre Pollen aussenden? Verleidet Ihnen eine Allergie Frühling oder Sommer? 15 bis 20 Prozent der Deutschen haben ähnliche Probleme – Tendenz steigend. Unklar ist, ob die Zunahme der Pollenallergiker dadurch begründet ist, dass die Aufmerksamkeit für die Überempfindlichkeit gestiegen ist oder die Erkrankung tatsächlich häufiger vorkommt.

Dr. Heinrich Dickel, Allergologe am St.-Josef-Hospital in Bochum und Prof. Karl-Christian Bergmann, Leiter der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, erklären, warum man schnell auf einen Heuschnupfen reagieren sollte, was möglicherweise das pelzige Gefühl auf der Zunge während der Pollenflugsaison verursacht. Und was man gegen eine Pollenallergie grundsätzlich tun kann.

Die Symptome

Heinrich Dickel ist es besonders wichtig, dass Heuschnupfen-Patienten, auch Kleinkinder, möglichst bald „ihren Hautarzt und Allergologen“ aufsuchen. Es gilt, dem allergischen Etagenwechsel vorzubeugen. Etagenwechsel bedeutet: Nach dem anfänglichen Heuschnupfen mit Nasenbeschwerden, tränenden Augen oder auch Fieber folgt ein Husten, der sich in der Lunge festsetzt und Luftnot verursachen kann – ein allergisches Asthma.

Der Polleninformationsdienst warnt, dass dieser Etagenwechsel bei ungefähr einem Drittel der Patienten auftritt. Indem der Heuschnupfen behandelt wird, kann dem vorgebeugt werden.

Wenn die Birkenpollen wieder verstärkt umherfliegen, werden etwa die Hälfte der gegen Birke allergischen Heuschnupfen-Patienten zusätzlich zum Schnupfen unter einer wunden Lippe oder einer pelzigen Zunge leiden, dem sogenannten oralen Allergie-Syndrom. Dies passiert zum Beispiel, wenn Betroffene Äpfel, Pflaumen, aber auch Karotten oder Sellerie essen. Die Eiweißstoffe aus den Pflanzenpollen, auf die die Allergiker überreagieren, sind nämlich ähnlich aufgebaut, wie Inhaltsstoffe aus dem genannten Obst und Gemüse. Der Körper reagiert zur Pollenflugzeit. Eine vergleichbare sogenannte Kreuzallergie gibt es bei der Überreaktion auf Gräserpollen: Hier reagiert der Körper empfindlich auf Hülsenfrüchte und auch auf Tomaten.

Die Diagnose

Um eine Pollenallergie festzustellen, stehen dem Hautarzt und Allergologen zwei Testverfahren zur Verfügung: Ein Bluttest und der sogenannte Prick-Test, bei dem Allergene auf die Haut aufgebracht werden und die Reaktion getestet wird.

Beide, darauf weist Bergmann hin, können nur anzeigen, dass gegen die Allergene Immunstoffe gebildet worden sind. Eine Heuschnupfen-Reaktion auf die Allergene kann, muss aber nicht auftreten. Um weitere Hinweise zu sammeln, ist es wichtig, Ort und Zeitpunkt der Heuschnupfen-Symptome festzuhalten (siehe Infokasten).

Akute Allergiebehandlung

Als Sofortmaßnahme gegen die Pollenallergie empfiehlt Bergmann – je nach Stärke der Symptome – vier Stufen: Die erste Stufe sind Anti-Histaminika in Tablettenform. Sie verhindern die Ausschüttung des Signalstoffs Histamin im gesamten Körper. Der Stoff ist für tränende Augen und eine Nasenschwellung verantwortlich. In der zweiten Stufe ist es auch möglich, die Anti-Histaminika in Form eines Sprays oder als Augentropfen zu verabreichen.

Kortison-Spray, also ein örtlicher Entzündungs-Hemmer, sieht Bergmann als Stufe drei an, Stufe vier ist die systemische Anwendung von Kortison, also die Einnahme von Kortison-Tabletten. Verboten ist inzwischen das Spritzen von Kortison, da es zum Muskelabbau führt.

Pollenbelastung mindern

Zu bestimmten Zeiten nicht zu lüften ist die einfachste Möglichkeit, die Pollen in Haus oder Wohnung zu reduzieren. Bergmann: „Auf dem Land fliegen die Pollen am stärksten zwischen 6 und 10 Uhr. In der Stadt ist das höchste Aufkommen zwischen 10 und 13 Uhr. Dann sollte man nicht die Fenster öffnen.“

Bergmann empfiehlt außerdem spezielle Pollengitter. Im Handel sind diese in Fenstergröße für etwa 15 Euro zu haben. Reisen in pollenarme Gebiete wie der Hochsee, dem Hochgebirge oder schlicht in Gegenden, in denen die allergieauslösende Pflanze während der Urlaubszeit nicht blüht, können mittels der Internetseite des Europäischen Polleninformationssystems (www.polleninfo.org) geplant werden.

Behandlung mit Allergenen

„Manchmal verliert sich im Alter eine Allergie, die jemand in der Jugend erworben hat. Doch eine einmal erworbene Sensibilisierung bleibt meist ein Leben lang bestehen“, sagt Heinrich Dickel.

Die drei gleichwertigen Möglichkeiten eine Allergie wieder los zu werden, laufen auf eine Behandlung mit ansteigenden Dosen der allergieauslösenden Stoffe (Allergene) oder ihnen ähnlichen Substanzen (Allergoide) hinaus. Diese Behandlung heißt Hyposensibilisierung und erfolgt mit Spritzen, Tropfen oder Tabletten.

Der Tipp der Ärzte: Zwei bis drei Monate vor der nächsten Pollensaison sollten Allergiker mit so einer Behandlung beginnen, damit sich der Körper auf die Allergene einstellen kann.

 
 

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