Hepatitis – neue Therapien sind vielversprechend

In Deutschland werden Kinder heute in der Regel gegen Hepatitis B geimpft.
In Deutschland werden Kinder heute in der Regel gegen Hepatitis B geimpft.
Foto: imago
Dass die Leber entzündet ist, wird oft erst entdeckt, wenn das Organ schwer erkrankt ist. Aber es gibt neue Therapien, die Heilung versprechen.

Oberhausen/Herne. Ohne die Leber würde unser Stoffwechsel nicht funktionieren. Sie wandelt die Nahrung um oder speichert Stoffe, damit sie für andere Organe zur Verfügung stehen. Wenn sich die Leber entzündet, sich also eine Hepatitis entwickelt, kann das tödliche Folgen haben. Vor allem bei Hepatitis C, die schlimmstenfalls zu Leberzirrhose und -krebs führt. Doch die Therapie dieser Erkrankung hat sich rasant entwickelt.

Was ist Hepatitis?

Die Leberentzündung Hepatitis wird häufig durch Viren ausgelöst. Sie befallen die Leberzellen und vermehren sich dort. Es gibt fünf verschiedene Hepatitis-Viren, die nach den Buchstaben A bis E benannt sind.

Zu den häufigsten und gefährlichsten Lebererkrankungen zählen Hepatitis B und C: Weltweit haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa zwei Milliarden Menschen eine Hepatitis B-Infektion durchgemacht, circa fünf Prozent der Weltbevölkerung (350 Millionen) sind chronisch mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Hepatitis-C-Infizierten wird auf 130 bis 150 Millionen weltweit geschätzt; die gemeinnützige Patientenorganisation Deutsche Leberhilfe geht von mehreren Hunderttausend infizierten Menschen in Deutschland aus.

Wie bekommt man die Krankheiten?

„Häufige Infektionsquellen für Hepatitis C waren infizierte Blutprodukte vor 1992, heute sind es meist verschmutzte Nadeln bei Drogenabhängigen“, sagt Professor Dr. Claus Niederau, Gastroenterologe, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Katholischen Klinikum Oberhausen und Vorsitzender der Deutschen Leberhilfe. Die Viren dringen durch infiziertes Blut über die Blutbahn oder die Schleimhäute in den Körper ein. Auf diese Weise kann auch das Hepatitis-B-Virus übertragen werden, mit dem man sich laut Niederau auch durch sexuelle Praktiken anstecken kann – oder es wird von der infizierten Mutter auf ihr Baby übertragen.

Warum sind sie so gefährlich?

Die Infektionen entwickeln sich schleichend und werden in vielen Fällen erst spät bemerkt. „Die Leber ist nicht schmerzempfindlich, deshalb haben die Infizierten häufig keine eindeutigen Beschwerden, fühlen sich oft einfach nur müde“, sagt Niederau.

Im Stillen kann sich eine chronische Entzündung entwickeln: Zwischen der Ansteckung und einer schweren Leberschädigung vergehen oft 20 bis 40 Jahre. Dann ist oft eine Leberzirrhose entstanden. Diese Vernarbung kann zu schweren und tödlichen Leberfunktionsstörungen und auch zu Leberkrebs führen. Bei einer fortgeschrittener Zirrhose hilft oft nur noch eine Transplantation.

Wie erfolgt die Diagnose?

Bei einem Bluttest in der Hausarztpraxis lassen sich Hepatitis A oder B laut dem Experten Dr. Dietrich Hüppe, niedergelassener Gastroenterologe und Hepatologe (Facharzt für Magen-Darm- und Lebererkrankungen) aus Herne, einfach, preiswert und verlässlich feststellen. Er empfiehlt, solche Tests bei erhöhten Leberwerten unbedingt machen zu lassen. „Das bedeutet, dass die Zellen verstärkt Enzyme – GOT und GPT genannt – freisetzen, was ein Anzeichen für eine Entzündung ist“, erklärt der Spezialist.

Wie läuft die Behandlung ab?

Eine chronische Hepatitis B-Infektion muss laut dem Internisten Claus Niederau meist über viele Jahre mithilfe von Medikamenten unterdrückt werden, da das Virus dauerhaft im Körper bleibt und bisher nicht entfernt werden kann. Bei der Behandlung von Hepatitis C hat sich inzwischen viel getan: „Wir sind jetzt dank neuer Arzneien in der Lage, die Viren an mehreren Schaltstellen anzugreifen und dadurch die Krankheit auszuschalten“, erklärt Niederau.

Er bezeichnet die Entwicklung als „revolutionär“: Bisher sei nur eine Therapie mit Interferon-Spritzen möglich gewesen, die Nebenwirkungen wie grippeähnliche Symptome, Haarausfall oder Depressionen mit sich brachte. Die neuen Tabletten, die in der Regel acht bis zwölf Wochen eingenommen werden müssten, hätten nahezu keine Nebenwirkungen und führten bei über 95 Prozent der Patienten zur völligen Ausheilung der Hepatitis C. Die Therapie sei teuer, aber sehr effektiv und werde von den Krankenkassen bezahlt.

Wer trägt ein erhöhtes Risiko?

In Deutschland werden Kinder heute in der Regel gegen Hepatitis B geimpft. Das war bei vielen Migranten aus Ländern in Asien oder Afrika, in denen Hepatitis B und C häufig auftritt, nicht der Fall. Deshalb empfehlen auch Fachleute des Robert-Koch-Instituts, diese Risikogruppen mithilfe von Bluttests zu überprüfen, zu impfen (gegen Hepatitis B, weil es gegen Hepatitis C bislang keine Impfung gibt) und Betroffene zu behandeln, damit sie Angehörige und Freunde nicht anstecken.

Wann ein Test gemacht werden sollte

Jeder, der in seinem Leben Kontakt mit fremdem Blut hatte und älter als 45 Jahre ist, ist prinzipiell gefährdet, an Hepatitis zu erkranken. Die deutschen Hepatitis-C-Leitlinien raten allen Menschen zu einem Test, die. . .
- klinische Anzeichen einer Hepatitis bzw. chronischen Lebererkrankung haben.
- vor 1991 Blut oder Blutprodukte empfangen haben.
- Drogen konsumiert und Spritzbesteck oder andere Utensilien mit anderen benutzt haben.
- Organtransplantate bekommen haben.
- Partner oder Kinder eines Infizierten sind.
- am Arbeitsplatz Kontakt mit fremdem Blut haben.
- Blut, Organe oder Gewebe spenden.

Zudem sollte jeder über einen Test nachdenken, der über längere Zeit an unklaren Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Schmerzen im Bauch oder in den Gelenken leidet. Ärzte können die Leberwerte checken, die Behandlung sollte möglichst ein Experte übernehmen. Gastroenterologen und Hepatologen sind dafür die richtigen Ansprechpartner, insbesondere bei komplexen Krankheitsbildern wie einer Leberzirrhose, oder wenn eine frühere Therapie mit herkömmlichen Präparaten nicht angeschlagen hat. Eine Übersicht über hepatologische Schwerpunktpraxen und Kliniken in ganz Deutschland findet sich auf den Internetseiten der Deutschen Leberhilfe unter: www.leberhilfe.org

Mehr Informationen zu Therapiemöglichkeiten bei Hepatitis C: www.hepatitis-c-eliminieren.de oder www.leberhilfe.org/staerker-als-hepatitis-c.html

Mehr über Lebererkrankungen erfährt man auf der Homepage der Deutschen Leberstiftung unter: www.deutsche-leberstiftung.de

Das Robert-Koch-Institut informiert über Impfungen gegen Hepatitis-Erkrankungen: www.rki.de

 
 

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