Grapefruitsaft macht Krebsmittel wirksamer

Grapefruitsaft hemmt Enzyme im Darm, die die Krebsmittel normalerweise abbauen. Somit bleibt das Medikament länger im Körper. Das zeigte nun eine Studie US-amerikanischer Forscher.
Grapefruitsaft hemmt Enzyme im Darm, die die Krebsmittel normalerweise abbauen. Somit bleibt das Medikament länger im Körper. Das zeigte nun eine Studie US-amerikanischer Forscher.
Was wir bereits wissen
Forscher haben in einer Krebsstudie erstmals die Wechselwirkung von Nahrung mit einem Medikament untersucht. Das Ergebnis: Grapefruit kann Krebsmittel wirksamer machen. Ein Glas täglich erhöht den Gehalt der Medikamente im Blut um bis zu 350 Prozent - so könnte die benötigte Dosis gesenkt werden.

Philadelphia.. Grapefruitsaft kann einige Krebsmedikamente wirksamer machen. Der Fruchtsaft hemmt Enzyme im Darm, die diese Arzneimittel normalerweise abbauen. Dadurch bleibt das Mittel länger im Körper und die benötigte Dosis wird geringer, um die gleiche Wirkung zu erreichen. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher mit 138 Krebspatienten, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Clinical Cancer Research" berichten.

Die Forscher hatten den Effekt von Grapefruitsaft auf das Mittel Sirolimus untersucht. Diese auch als Rapamycin bekannte Substanz wird schon länger zur Dämpfung des Immunsystems bei Transplantationen eingesetzt, wirkt aber nach neuesten Erkenntnissen auch gegen Krebstumore.

Bereits ein knapper Viertelliter Grapefruitsaft habe den Gehalt an Sirolimus im Blut dieser Patienten um bis zu 350 Prozent erhöht, schreiben die Wissenschaftler. Um auf den optimal wirksamen Blutwert des Medikaments zu kommen, benötigten diese Patienten nur 25 bis 35 Milligramm Sirolimus pro Woche statt der sonst nötigen 90 Milligramm.

Wechselwirkung von Nahrung und Medikament

"Dies ist die erste Krebsstudie, die diese Wechselwirkung von Nahrung mit einem Medikament untersucht hat", schreiben Studienleiter Ezra Cohen von der University of Chicago und seine Kollegen. Sie zeige, dass ein ungiftiges, in jedem Supermarkt erhältliches Lebensmittel die Bioverfügbarkeit einiger Arzneimittel deutlich verbessern könne.

Sirolimus ist eine Substanz, die die Vermehrung von Zellen hemmt und daher auch das Wachstum von Tumoren bremsen kann. Bei einigen Krebsarten, darunter dem Kaposi-Sarkom und Leberzellkrebs, habe sich dies in Studien gezeigt, erklären die Forscher.

Fruchtsaft kann helfen, Dosis von Krebsmitteln zu senken

Einige dem Sirolimus verwandte Chemikalien werden zudem bereits gegen Nierenkrebs und einige Tumore des Nervensystems eingesetzt. Abgebaut werden diese Arzneimittel im Körper durch bestimmte Enzyme, die sogenannten p70-S6-Kinasen. Die Mittel müssen daher relativ hoch dosiert werden, um diesen ständig ablaufenden Abbau auszugleichen.

Nach Ansicht der Forscher könnte die jetzt festgestellte Wirkung des Fruchtsafts dazu beitragen, die Dosis von Sirolimus und verwandter Mittel künftig zu senken. Dadurch blieben den Patienten viele schädliche Nebenwirkungen erspart. Gleichzeitig mache dies aber die Behandlungen auch deutlich kostengünstiger.

Krebsmittel mit und ohne Fruchtsaft

Für ihre Studie teilten die Forscher 138 Patienten mit unheilbarem Krebs im Endstadium in drei Gruppen ein. Eine erhielt zweimal pro Woche nur das tumorhemmende Sirolimus. Die zweite Patientengruppe nahm das Mittel plus einen Viertelliter Grapefruitsaft ein, die dritte Sirolimus und zusätzlich Ketoconazol, eine Chemikalie, die ebenfalls die abbauenden Enzyme hemmt.

Bei allen Gruppen erhöhten die Wissenschaftler die Dosierung des Krebsmittels nur langsam, bis dieses im Blut der Patienten die optimal wirksame Konzentration erreicht hatte. Patienten, die nur Sirolimus einnahmen, benötigten 90 Milligramm des Mittels pro Woche, um auf optimal wirksame Blutwerte zu kommen, wie die Forscher berichten. Patienten, die zusätzlich Grapefruitsaft getrunken hatten, benötigten nur 25 bis 35 Milligramm des Arzneimittels.

Der Fruchtsaft habe die Konzentration des Krebsmittels in ihrem Blut um bis zu 350 Prozent erhöht, schreiben Cohen und seine Kollegen. In der Ketoconazol-Gruppe seien sogar nur 16 Milligramm des Krebsmittels nötig gewesen. Diese Chemikalie habe damit zwar einen etwas stärkeren Effekt als der Fruchtsaft. Der Vorteil des Safts sei aber, dass dieser nicht giftig sei und auch keine Überdosis hervorrufen könne. (dapd)