Gesundheitsministerin Steffens warnt vor Verwahrlosung im Alter

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) mahnt eine Pflegereform an. Wenn das System sich nicht ändere, könne ein Großteil der heute 40- bis 60-Jährigen nicht angemessen versorgt werden. „Wir laufen sehenden Auges in eine sozialpolitische Katastrophe.“

Düsseldorf. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) warnt vor zunehmender Verwahrlosung und Vereinsamung im Alter. „Wir laufen sehenden Auges in eine sozialpolitische Katastrophe“, sagte Steffens zur WAZ. Ein Großteil der heute 40- bis 60-Jährigen könne im derzeitigen System bei steigendem Hilfebedarf im Alter nicht angemessen versorgt werden. Steffens forderte die nächste Bundesregierung auf, den Umbau zur altengerechten Gesellschaft zu einem Schwerpunktthema zu machen.

Die Ministerin forderte eine Pflegereform, um die „menschenunwürdige Pflege nach Minutentakt“ zu beenden. „Es darf nicht sein, dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen notwendige professionelle Hilfe verwehrt wird, weil darüber gestritten wird, welche Kasse die Kosten trägt.“ Abgeschafft werden müssten die Unterschiede, die beim Anspruch auf Hilfe zwischen Menschen mit Behinderungen, mit altersbedingtem Pflegebedarf oder mit Demenz gemacht würden, so Steffens.

Noch mehr Heimplätze sind keine Lösung

Die Zahl der Pflegebedürftigen in NRW wird sich bis 2030 von 550 000 auf 700 000 erhöhen. Derzeit werden 29 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen betreut. Steffens verwies darauf, dass die meisten Menschen so lange wie möglich in ihrer Wohnung bleiben wollten. „Im großen Stil noch mehr Heimplätze zu errichten, wäre keine den Lebensvorstellungen der Menschen entsprechende Lösung.“ Zudem würde dies an den Kosten und dem Mangel an Fachkräften scheitern.

Deshalb verlangte Steffens eine stärkere Förderung zur Entlastung pflegender Angehöriger und den Aufbau altengerechter Strukturen in Kommunen. Auch die Ausgaben zur Gesundheitsvorsorge müssten kräftig erhöht werden. „Wenn die Pflegebedürftigkeit nur einen Monat hinausgezögert wird, spart das allein in NRW jährlich 50 Millionen Euro Pflegekosten“, so Steffens. Sie will mehr Druck auf Krankenkassen machen, die Kosten oft „eher in die Pflegeversicherung verlagern als zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit“.

Laut Umfragen ist für 82 Prozent der Menschen die Vorstellung, einmal auf Hilfe anderer angewiesen zu sein, die mit Abstand größte Sorge für die persönliche Zukunft. In NRW pflegen eine Million Menschen Angehörige daheim. Dabei beträgt der durchschnittliche Pflegeaufwand bereits in Pflegestufe 1 rund 30 Stunden die Woche.

 
 

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