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Forscher finden Therapiemittel gegen Alzheimer

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Foto: imago stock&people
Nicht erst der Fall des Rudi Assauer hat in Deutschland die Alzheimer-Erkrankung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Viele Menschen treibt die Angst vor der erblichen Krankheit um. Nun scheint in den USA ein Durchbruch auf dem Weg zur Behandlung von Alzheimer erzielt worden zu sein.

Philadelphia. 

Forscher haben einen neuen Hemmstoff gegen die zellzerstörenden Alzheimer-Plaques entwickelt. Die Substanz blockiert den Transport einer Vorstufe der schädlichen Eiweißablagerungen ins Gehirn, wie Versuche an Mäusen zeigten. Der Einstrom dieses Amyloids habe sich dadurch um bis zu 97 Prozent verringert. Gleichzeitig habe die Substanz Verhaltensstörungen und Gedächtnisausfälle bei an Alzheimer erkrankten Mäusen rückgängig gemacht, berichtet das internationale Forscherteam im Fachmagazin „Journal of Clinical Investigations“.

„Aus dieser Substanz könnte in Zukunft ein Therapiemittel für Alzheimer-Patienten entwickelt werden“, schreiben Rashid Deane von der University of Rochester in New York und seine Kollegen. Denn der neue Hemmstoff FPS-ZM1 könne auch dann noch helfen, wenn im Gehirn der Betroffenen bereits Plaques entstanden seien und die erste neurologische Ausfälle bestünden. Wie die Forscher berichten, hemmt das neue Mittel nicht nur die Bildung neuer Eiweißablagerungen, es verringert auch die schädlichen Auswirkungen bereits existierender Plaques. „Der Hemmstoff unterdrückt die Entzündungsreaktion der Gehirnzellen und senkt sie um bis zu 85 Prozent“, sagen die Forscher.FPS-ZM1 schütze die Neuronen damit vor dem Zellstress und den Zerstörungen, die durch die Amyloid-Plaques verursacht würden.

Passage durch die Blut-Hirn-Schranke blockiert

Die Vorläuferproteine für die schädlichen Alzheimer-Plaques entstehen im Gehirn selbst, aber auch an anderen Stellen des Körpers. Diese Vorstufen werden über einen speziellen Transportmechanismus durch die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn geschleust. Der neue Hemmstoff setzt an einem zentralen Bestandteil dieses Transportmechanismus an, dem sogenannten „Receptor for Advanced Glycation Endproducts“ (RAGE). „Uns ist erstmalig gelungen zu zeigen, dass die neue Substanz diesen Transport blockiert und so die Ablagerung von Amyloid im Gehirn verhindert“, sagt Günter Fritz vom Universitätsklinikum Freiburg, einer der Mitautoren der Studie.

Die Besonderheit des neuen Hemmstoffs ist dabei, dass er die Blut-Hirn-Schranke selbst passieren kann und so auch im Gehirn weiter wirkt. Bisherige Wirkstoff-Kandidaten konnten dies nicht, wie die Forscher berichten. Eine Studie mit einem weiteren möglichen RAGE-Hemmstoff musste sogar abgebrochen werden, weil sich die Substanz in der benötigten Dosis als zu giftig erwies. „Es ist daher dringend nötig, neue RAGE-Hemmstoffe zu finden, die sicher und nicht giftig sind“, schreiben die Forscher.

5.000 Moleküle nach einem Hemmstoff durchforstet

Für ihre Studie hatten die Forscher zunächst mehr als 5.000 verschiedene Moleküle einer Substanzbibliothek daraufhin getestet, ob sie den RAGE-Transporter blockieren können. Die drei in diesem Durchgang besten Substanzen waren jedoch noch zu groß, um die Blut-Hirn-Schranke passieren zu könne. Durch chemische Veränderungen entwickelten die Wissenschaftler kleinerer Moleküle, von denen sich eines, das FPS-ZM1, als wirksam erwies. Die Wirkung des Hemmstoffs auf den Amyloid-Transport, aber auch die entzündlichen Veränderungen der Hirnzellen testeten die Forscher zunächst in Zellkulturen, dann auch in Versuchen mit Mäusen. Bei diesen senkte der Hemmstoff die Menge der Amyloid-Plaques um bis zu 80 Prozent, wie die Forscher berichten. Nebenwirkungen anderer Alzheimermittel wie Mikroblutungen habe man dagegen nicht beobachtet.

Nach Angaben des Universitätsklinikums Freiburg leiden mehr als 20 Prozent der über 85-jährigen Menschen weltweit an Alzheimer. Die Krankheit geht mit einer Demenz einher, schweren Störungen des Erinnerungsvermögens und des Verhaltens. In Deutschland gibt es etwa 700.000 Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind und jedes Jahr werden ca. 120.000 neue Fälle diagnostiziert. (dapd) Umfrage