Flexible Arbeitswelt führt zu immer mehr Burnout-Fällen

Dem "Fehlzeiten-Report" zufolge waren 2011 bezogen auf die mehr als 34 Millionen gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten in Deutschland mehr als 130.000 Menschen wegen eines Burnouts krankgeschrieben.
Dem "Fehlzeiten-Report" zufolge waren 2011 bezogen auf die mehr als 34 Millionen gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten in Deutschland mehr als 130.000 Menschen wegen eines Burnouts krankgeschrieben.
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Einer Untersuchung der AOK zufolge leiden immer mehr Arbeitsnehmer an Burnout. Die Zahl der Fehltage ist wegen Muskel- und Skeletterkrankungen sowie psychischer Erkrankungen deutlich angestiegen. Betroffen sind vor allem Frauen und Beschäftigte in sozialen Berufen.

Berlin. Ständige Erreichbarkeit, viele Überstunden, wechselnde Arbeitsorte und lange Anfahrtswege: Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt lässt immer mehr Arbeitnehmer an ihre psychischen Belastbarkeitsgrenzen stoßen. Seit 1994 nahm die Zahl der psychischen Erkrankungen um insgesamt 120 Prozent zu, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten "Fehlzeiten-Report 2012" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervorgeht.

Der Untersuchung zufolge erhält mehr als jeder dritte Erwerbstätige häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit (33,8 Prozent) oder leistet Überstunden (32,3 Prozent). Auch Arbeit mit nach Hause zu nehmen (12,0 Prozent) oder an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten (10,6 Prozent), stellt kein Randphänomen mehr dar.

2,7 Millionen Fehltage wegen Burnout

Das macht sich bei den Fehlzeiten bemerkbar: 2011 waren Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen mit im Schnitt 22,5 Tagen je Fall mehr als doppelt so lange wie andere Erkrankungen mit durchschnittlich elf Tagen je Fall. Immer häufiger lautet die Diagnose "Burnout". Dem "Fehlzeiten-Report" zufolge waren 2011 bezogen auf die mehr als 34 Millionen gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten in Deutschland mehr als 130.000 Menschen wegen eines Burnouts krankgeschrieben.

Das führte zu insgesamt 2,7 Millionen Fehltagen. Betroffen waren insbesondere Beschäftigte in sozialen Berufen. Zudem waren Frauen häufiger betroffen als Männer. Insgesamt ist der Krankenstand im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken und lag 2011 bei 4,7 Prozent. Im Durchschnitt dauerte eine Arbeitsunfähigkeit laut Untersuchung im vergangenen Jahr 11,0 Tage. Dabei hat sich der Krankenstand auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau eingependelt.

Die meisten der 140 Millionen Krankheitstage entfielen auf die Gruppe der Muskel- und Skeletterkrankungen (23,1 Prozent). Darauf folgen Atemwegserkrankungen (12,4 Prozent), akute Verletzungen (12,3 Prozent) und psychische Erkrankungen (9,6 Prozent).

Der Fehlzeiten-Report berichtet seit 1999 jährlich auch über die allgemeine Krankenstandsentwicklung. Grundlage der Untersuchungen sind die Arbeitsunfähigkeitsmeldungen von 10,8 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern. (dapd)