Exotische Viren auf dem Sprung nach Deutschland

In fernen Ländern, wie hier in Colombo, Sri Lanka, ist großer Aufwand nötig, um die Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Aber auch bei uns in Europa könnten exotische Krankheiten wie das Krim-Kongo-Fieber ein Thema werden. Foto: dapd
In fernen Ländern, wie hier in Colombo, Sri Lanka, ist großer Aufwand nötig, um die Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Aber auch bei uns in Europa könnten exotische Krankheiten wie das Krim-Kongo-Fieber ein Thema werden. Foto: dapd
Foto: AP
Ärzte waren vor neuen, exotischen Viren, die bald schon Europa heimsuchen könnten wie zum Beispiel die Erregervon Chikungunya-, Pappataci- oder Westnil-Fieber. Einige der bisher bei uns unbekannten Krankheiten können tödlich sein.

Essen.. Exotische Viren aus den Tropen kommen immer häufiger auch in Europa und sogar in Deutschland vor. Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Sie weist darauf hin, dass in den nächsten Jahren hierzulande bisher unbekannte Krankheitserreger auftreten könnten. Die DGIM empfiehlt, bei Fieber ohne erklärbare Ursache auch eine Infektion durch neue Viren in Betracht zu ziehen. Erreger etwa von Chikungunya-, Pappataci- oder Westnil-Fieber könnten in den kommenden Jahren weiter nach Europa und auch nach Deutschland vordringen.

Wenn auch in Deutschland noch niemand etwa am Krim-Kongo-Fieber erkrankt ist, entdeckten Forscher jetzt hier und auch in Holland dessen Überträger, die Schildzecken Hyalomma und Rhipicephalus, die braune Hundezecke. Die Erkrankung könnte deshalb laut DGIM jederzeit von Südosteuropa eingeschleppt werden. Sie geht mit Fieber und oft mit inneren Blutungen einher. Die Sterberate liegt in Bulgarien bei 18 Prozent – eine Impfung gibt es nicht. „Insgesamt ist die Zahl der neuen Viruserkrankungen in Deutschland zwar noch sehr gering“, meint DGIM-Generalsekretär Ulrich R. Fölsch. Klimaerwärmung, wachsender Reiseverkehr, Tourismus und internationaler Warentransport könnten dies jedoch rasch ändern.Überträger von Viren sind oft Zecken oder Mücken. Wie stark sie sich verbreiten, hängt vom Wetter ab.

Tigermücken-Eier in Baden-Württemberg

Auch Infektionen wie das Chikungunya-Fieber, das zuletzt im Großraum des Indischen Ozeans ausgebrochen war, nähern sich Europa. Im Jahr 2007 kam es in der italienischen Emilia Romagna zum ersten Mal in der Geschichte Europas zu einem Ausbruch mit 205 Erkrankungen. Der fiebrige Infekt ist oft begleitet von Hautausschlägen und Muskelschmerzen. Der Überträger, die asiatische Tiger­mücke, ist in den Mittelmeerländern heimisch geworden, warnt Emil C. Reisinger, Dekan der Uni-Medizin Rostock. Das Insekt gelange häufig im Auto oder Zug in entfernte Regionen. In Deutschland hätten sich Eier der Tigermücke erstmals entlang der Autobahn A5 bei Rastatt in Baden-Württemberg gefunden. Tigermücken übertragen auch Dengue-Fieber. Diese weltweit häufigste durch Stechmücken übertragene Viruserkrankung war in Europa zuletzt 1927/1928 in Griechenland ausgebrochen. Auch Sindbis-Viren, Überträger des gleichnamigen Fiebers, mit Hautausschlägen und Gelenk­beschwerden, wurden in Baden-Württemberg in Mücken nachgewiesen.

„Die Neue Grippe hat uns in den Jahren 2009/2010 vor Augen geführt, wie rasch sich neue Viren ausbreiten können“, sagt Ulrich R. Fölsch. Wegen der unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerz, Husten, Schnupfen und Schlappheit wenden sich viele Patienten an einen Internisten. Bei der Abklärung von Fiebererkrankungen sollten Ärzte auch neue Viruserkrankungen in Betracht ziehen, so Fölsch, und im Verdachtsfall die notwendigen Tests durchführen.

EURE FAVORITEN