Ehec-Neuinfektionen werden weniger

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Ehec-Erreger gehen zurück. Ein Grund ist offenbar die Warnung des Robert-Koch-Instituts vor dem Verzehr vor rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten. Die Bürger sollten sich weiter an die Verzehrempfelungen halten.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat vor neuen Ministerberatungen in Berlin über die Ehec-Epidemie auf eine positive Entwicklung bei der Zahl der Neuinfektionen hingewiesen. „Es ist eine Tatsache, dass die Neuinfektionszahlen zurückgehen“, sagte Bahr am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Indirekt führte er dies auch auf die vom Robert-Koch-Institut (RKI) herausgegebenen Warnungen vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate zurück. Es sei dem RKI gelungen, die Infektionsquelle einzugrenzen, sagte der Minister. Den Bürgern empfahl er, sie „sollten sich an die Verzehrempfehlungen halten“.

In Nordrhein-Westfalen kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Innerhalb ­eines Tages stieg die Zahl der Betroffenen landesweit um 30 Menschen auf 309. 74 von ­ih­nen sind schwer erkrankt. Auch in vielen Kommunen des Ruhrgebiets liegen Patienten mit Ehec und/oder HUS in den Kliniken. Allein in Essen sind 20 Menschen betroffen, in Dortmund sieben, in ­Bo­chum fünf.

Gesundheitsminister Bahr weist Kritik an Krisenmanagement zurück

Mit Blick auf Kritik an ständig neuen Spekulationen und unklaren Kompetenzen räumte Bahr Probleme bei der Kommunikation und Koordination zwischen den beteiligten Behörden und Institutionen ein. „Es wurde zu viel spekuliert. Das hat die Menschen verunsichert“, sagte der Minister. Es müsse daher darüber geredet werden, wie die Koordination verbessert werden könne. Zu Forderungen nach einer neuen, zentralen Bundesbehörde im Kampf gegen Infektionskrankheiten äußerte sich Bahr skeptisch: „Für mich ist nicht entscheidend, wer welche Behörden unter sich hat.“ Vielmehr müsse „auf Fachebene gut zusammengearbeitet werden“.

Die Gesundheits- und Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern wollten am Vormittag auf einer Sondersitzung in Berlin über die Lage beraten. Angesichts der weiterhin erfolglosen Suche nach der Quelle der Ehec-Epidemie war zuletzt die Kritik am Krisenmanagement der Behörden in Bund und Ländern gewachsen.

EU-Gesundheitskommissar mahnt Deutschland zu Zusammenarbeit bei Ehec

Im Kampf gegen die Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Darmbakterium Ehec fordert EU-Gesundheitskommissar John Dalli die deutschen Behörden zu einer engen Zusammenarbeit mit ausländischen Experten auf. „Wir müssen auf die Erfahrung und die Expertise in ganz Europa und sogar außerhalb Europas setzen“, sagte Dalli der Zeitung „Die Welt“ laut Vorabbericht.

Das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie forderte einen Regierungskoordinator zum Schutz der Bevölkerung vor Infektionsgefahren und für das Krisenmanagement beim Auftreten gefährlicher Erreger. Ein Beauftragter der Bundesregierung solle die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verbessern, sagte der Seuchenbiologe und Direktor des Instituts, Stefan Kaufmann, dem Blatt.

„Global betrachtet, fördert die Armut die Entstehung und Ausbreitung von Seuchen. Also müssen auch das Entwicklungshilfeministerium und das Auswärtige Amt mit eingebunden werden. Und natürlich auch das Forschungsministerium“, fügte Kaufmann hinzu. Derzeit meldeten sich die einzelnen Minister mit den Leitern ihrer nachgeordneten Behörden zu Wort. So entstehe der Eindruck, als hechele die Politik den Ereignissen hinter. „Erst Gurken, dann Sprossen. Das verunsichert die Menschen unnötig“, sagte Kaufmann.

Singhammer fordert nationale Hilfen für Gemüsebauern

Der Einzelhandel beklagte einen Umsatzrückgang. „Wir haben Umsatzeinbrüche von 30 bis 40 Prozent bei Obst und Gemüse. Auch bei anderen Lebensmitteln gehen die Umsätze deutlich zurück“, sagte der Sprecher des Handelsverbands HDE, Kai Falk, der „Bild“-Zeitung.

Unions-Bundestagsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) forderte nationale Hilfen für die Gemüsebauern zusätzlich zur Unterstützung der EU. „Wir müssen eine nationale Entschädigungsregelung für die Bauern vereinbaren“, sagte Singhammer der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ laut Vorabbericht. „Selbstverständlich tragen auch Gemüsebauern ein gewisses Geschäftsrisiko, aber dieser Ehec-Ausbruch war nicht vorhersehbar.“

Die EU-Kommission hatte am Dienstag auf einem Dringlichkeitstreffen der Landwirtschaftsminister zunächst 150 Millionen Euro angeboten, mit denen 30 Prozent der Einbußen erstattet werden sollten. Es ist jedoch bereits von Nachbesserungen die Rede. In Berlin wollten am Mittwoch die Gesundheits- und Verbraucherschutzminister des Bundes und der Länder über die vom Ehec-Bakterium ausgelöste Durchfallerkrankung beraten. (afp/ap/we)

 
 

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