Chronischer Husten – was ihn auslösen kann

Jutta Bublies
Husten kann sehr verschiedene Ursachen haben. Doch in jedem Fall ist das Keuchen sehr unangenehm. Dauerst es llänger als acht Wochen an, sprechen Ärzte von chronischem Husten. Worauf man in jedem Fall achten sollte, weiß Professor Helmut Teschler vom Uniklinikum Essen.

Essen. Husten: Bei Infekten kann er quälend sein und einem die Nachtruhe rauben. Wenn er chronisch wird, muss die Ursache unbedingt von einem Facharzt abgeklärt werden, betont der Essener Pneumologe Professor Helmut Teschler. Die Tipps des Chefarztes der Abteilung Pneumologie der Ruhrlandklinik, Westdeutsches Lungenzentrum am Uniklinikum Essen.

Husten ist nicht gleich Husten

Ärzte sprechen vom chronischen Husten, wenn dieser länger als acht Wochen andauert. Teschler: „Dann sollte man einen Lungenfacharzt aufsuchen. Er wird ein Röntgenbild von der Lunge machen lassen. Dann schaut man, ob man hierauf Hinweise auf die Ursache des Hustens entdeckt, etwa Entzündungsherde oder einen Tumor.“

Chronischer Husten beim Kind

Die häufigste Ursache eines chronischen Hustens bei einem Kind oder Jugendlichen ist ein Asthma. Klassischerweise hat ein Asthmatiker besonders viel Husten, wenn er Allergene wie Pollen einatmet. Teschler: „Kindern, die an einem durch Asthma bedingten Husten leiden, darf man keinen Hustenstiller geben. Der lindert den Husten, aber das Asthma wird immer schlimmer, was fatale Folgen haben kann.“ Ein chronischer Husten beim Kind muss vom Arzt abgeklärt werden.

Der Raucherhusten

„Bereits eine Zigarette lähmt die Flimmerhärchen, die Schmutz und Krankheitserreger aus den Atemwegen befördern“, erklärt der Experte. Die Lunge wird dann bis zu acht Stunden nicht davon befreit. „Drei Zigaretten am Tag genügen, um den Schutzmechanismus stark zu schwächen.“ Nachts werden die Schadstoffe aus den tiefen Atemwegen nach oben transportiert. Die Folge: morgendlicher Raucherhusten. „Den können auch E-Zigaretten und Wasserpfeifen verursachen.“ Die Wasserpfeife schädigt laut Teschler Lunge und Atemwege 20- bis 50-fach stärker als eine Zigarette. „Sie kann auch Erreger aus Schläuchen und Pfeifen in die tiefen Atemwege des Rauchers bringen.“

Die chronisch-obstruktive Bronchitis

Hartnäckiger Husten tritt bei Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronisch-obstruktiver Bronchitis (COPD) auf, die mit einer chronischen Entzündung der Bronchialschleimhaut einhergehen. Aus dem Raucherhusten entwickelt sich im Laufe der Jahre eine COPD.

Teschler: „Eine Volkskrankheit! Dabei kommt es zu einer Verengung der Atemwege und zur Zerstörung der Lungenbläschen.“ Werden die Atemwege durch Verschleimung zusätzlich verstopft, spricht man von einer chronisch-obstruktiven Bronchitis. Bei 70 Prozent der Betroffenen eine Folge des langjährigen Rauchens. „Nicht das Nikotin, sondern die im Tabak enthaltenen Teer-Produkte schädigen die Atemwege.“ Ursachen einer COPD können auch Erbkrankheiten, Feinstaub-Belastungen in der Umwelt, das Einatmen von Staub am Arbeitsplatz und von Partikeln an offenen Feuerstellen oder Grillplätzen sein.

Warnsignal für Herzkranke

„Dauerhusten kann auch ein Warnsignal für eine Herzerkrankung sein. Etwa, wenn sich durch eine Herzschwäche Wasser in der Lunge ansammelt“, so der Essener Professor. „Das Husten ist neben der Atemnot eine der häufigsten Frühsymptome einer chronischen Herzerkrankung, etwa wenn diese durch Viren bedingt ist.“

Auch Medikamente können chronischen Reizhusten auslösen. „Zum Beispiel die als Blutdrucksenker eingesetzten ACE-Hemmer.“

Nächtliches Schnarchen

Beim nächtlichen Schnarchen steht der Mund auf. Die Atmung führt zu einer Austrocknung der Nasen-Rachen-Schleimhäute. Tagsüber resultiert daraus ein trockener Husten. „Eine häufige Ursache von chronischem Husten bei Männern in mittleren und älteren Lebensjahren.“

Aufsteigende Magensäure

Vor allem bei Übergewichtigen entsteht ein erhöhter Druck im Bauch. „Legt man sich abends mit einem vollen Magen ins Bett, ist die Folge, dass der Magen-Inhalt noch oben schwappt. Dort ist Salzsäure drin, die schädigt die Schleimhaut von Speiseröhre und oberen Atemwegen“, so Teschler. Patienten mit Sodbrennen haben oft nächtlichen Husten. „Dagegen helfen Arzneien, die die Magensäure-Produktion hemmen.“

Das Post-nasal-drip-Syndrom (PND)

Dieses entwickelt sich oft nach einem Infekt. Stirnhöhlen und Nasen-Nebenhöhlen haben Gang-Verbindungen zur Nase. Entzündungen der Nase können auf die Nebenhöhlen übergreifen. Dort bildet sich Schleim. „Beim Liegen laufen die Nasenebenhöhlen nach hinten, unten aus. Der Schleim tropft auf den Kehlkopf und von dort in die Luftröhre und tieferen Atemwege, also die Bronchien, hinein.“

Wenn mein Kind husten hat

Bei einem Husten des Kindes gehen viele Eltern nicht zum Arzt, sondern gleich in die Apotheke, um Hustensaft zu kaufen. Prof. Hannsjörg Seyberth von der Arzneimittelkommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin warnt: „Auch ein rezeptfreies Husten- und Erkältungsmittel kann gefährliche Nebenwirkungen zeigen.“ Als Gefahr gilt ein sogenannter Erkältungssirup, der unter anderem ein Antihistaminikum der ersten Generation enthält. Solche Substanzen mit der Bezeichnung „AH 1 G“ würden nicht nur den Husten stillen, sondern sehr schnell auch eine einschläfernde Wirkung bei Kindern haben, mit zum Teil schlimmen Folgen, warnt Seyberth.

Schon bei einer normalen Dosierung solcher Husten- und Erkältungsmittel kann eine starke Schläfrigkeit bei Kindern einsetzen. Ältere Kinder seien dann regelrecht benommen oder bekämen Konzentrationsstörungen, so Seyberth. „Bei einer Überdosierung können sogar Halluzinationen oder Krämpfe auftreten.“ Bei Babys drohen durch diese Antihistaminika Atemstörungen oder im schlimmsten Fall ein Herz-Kreislauf-Kollaps. Daher sollten sich Eltern immer mit ihrem Kinderarzt beraten, bevor sie zu rezeptfreien Mitteln greifen. (mit dapd)