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Beten hilft gegen Stress

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Foto: WAZ FotoPool
Beten wirkt ähnlich wie ein Jogginglauf gegen Stress, haben Wissenschaftler der Kölner Sporthochschule herausgefunden. Allerdings können Läufer im Gegensatz zu Menschen, die beten, auch im Kopf abschalten, betont Studienleiter Dr. Stefan Schneider. Weihnachtsstress hält der 39-Jährige übrigens für hausgemacht.

Köln. 

Wieder bis zur letzten Minute überlegt: Was schenke ich eigentlich Onkel Herbert? Kopfschmerzen bekommen bei der Organisation des perfekten Heiligabends? Und über die Feiertage jede freie Minute mit einem Besuchs-Marathon bei Papa und Mama, Oma und Opa und den Schwiegereltern verplant? Oh du Nervige! Statt der Besinnlichkeit zum „Fest der Liebe“ eine Chance zu geben, ist der Stresspegel in diesen Tagen bei vielen am Limit. Beten hilft und ist ein ähnlich guter Stresskiller wie Joggen – hat die Sporthochschule Köln herausgefunden. Vorausgesetzt, dass die, die beten oder rennen, das auch gerne tun.

Und dies ist kein Witz, sondern das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie. Stefan Schneider vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaften hat sich des Themas gemeinsam mit Kollegen angenommen. 120 Testpersonen standen den Forschern zur Verfügung – Sportstudenten und Menschen, die von sich sagten, dass das Gebet für sie ein wichtiger Bestandteil des Alltags sei.

Studienleiter Schneider, Sportwissenschaftler und Theologe, hatte eine Arbeitshypothese. Und die lautete: Laufen und Beten können ganz ähnliche Entspannungsprozesse im Körper hervorrufen. Um dies zu überprüfen, ließ man die Studenten 45 Minuten lang joggen und die Gläubigen 28 Minuten beten.

Beim Laufen schaltet man auch im Kopf ab

Die Betenden gaben an, sich danach spürbar gesünder zu fühlen. „Das war schon erstaunlich. Denn es ist klar, dass man in achtundzwanzig Minuten nicht wirklich gesünder werden kann. Aber man bewertet das eigene Empfinden anders“, so Schneider, der sich mit den Auswirkungen von Sport und Bewegung auf das zentrale Nervensystem des Menschen beschäftigt. Auch die Jogger fühlten sich entstresst, gaben aber außerdem an, beim Laufen auch im Kopf abschalten zu können.

Die Forscher verließen sich nicht allein auf die Aussagen ihrer Probanden, sondern maßen auch deren Hirnströme. Was sie danach wunderte: Anders als bei den Sportlern stellten sie bei den Betenden keine mentale Entspannung fest. Ein katholischer Geistlicher, Teilnehmer der Studie, lieferte die Erklärung. „Er sagte, dass ein Gebet schließlich auch eine Diskussion mit Gott sein könne. Und diese sei eben aufregend und aufreibend“, sagt Schneider.

Natürlich seien ein Gebet oder ein Jogginglauf keine Antistress-Methoden für alle. Zum einen, weil nicht jeder gläubig sei, zum anderen, „weil es Menschen gibt, für die Joggen die Höchststrafe wäre“, wie der Forscher schmunzelnd anmerkt. Generell sei für den Abbau von Stress regelmäßige Bewegung aber sehr wichtig. „Und davon hat der moderne Mensch – im Gegensatz zu dem in der Steinzeit – viel zu wenig. Es ist egal, ob man walkt, schwimmt, Fußball oder Volleyball spielt, mit allem tut man Körper und Seele etwas Gutes.“

Frauen lassen sich mehr stressen

Weihnachtsstress hält der 39-Jährige im übrigen für kein unabwendbares Schicksal. „Jeder entscheidet doch selbst, ob er auf drei Weihnachtsfeiern geht oder nicht. Man braucht auch kein Fünf-Gänge-Menü am Heiligen Abend. Ich finde, Kartoffelsalat und Würstchen tun es auch.“ Was viele zusätzlich unter Druck setze, seien zu hochgesteckte Erwartungen an ein harmonisches Familien-Fest. „Weil man zu eng beieinander ist, gibt es dann vielleicht doch Streit, die falschen Geschenke oder zu viel zu essen und zu trinken.“

Das wissen auch Deutschlands Meinungsforscher und präsentieren – alle Jahre wieder – zur Weihnachtszeit ihre „Wer-fühlt-sich-am-ausgelaugtesten“- Umfragen. Um es kurz zu machen: Frauen lassen sich mehr stressen als Männer (GfK Marktforschung Nürnberg), Ostdeutsche mehr als Westdeutsche (Techniker Krankenkasse) und vor allem junge Menschen. Nach Angaben des Instituts Emnid, das im Auftrag der Bochumer Knappschaft die Leute befragte, fühlen sich 60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen im Weihnachtsstress. Interessant: Bei den über 60-Jährigen sagte das nur jeder Fünfte.