Bei welchen Beschwerden Osteopathen gute Ergebnisse erzielen

Maßgeblich bei der Osteopathie: ein anderer Blickwinkel auf die Beschwerden.
Maßgeblich bei der Osteopathie: ein anderer Blickwinkel auf die Beschwerden.
Foto: Getty
Die Osteopathie stellt Zusammenhänge, nicht einzelne Symptome in den Mittelpunkt der Heilkunde. Die manuelle Therapie erzielt vor allem bei Beschwerden des Bewegungsapparats gute Ergebnisse. Mittlerweile übernehmen die meisten gesetzlichen Krankenkassen zumindest einen Teil der Behandlungskosten

Mülheim.. Migräneattacken, Schmerzen nach Bandscheibenvorfall, Knieprobleme – wer mit derartigen Leiden in Internetforen nach Rat sucht, bekommt schnell den Hinweis, es doch einmal mit Osteopathie zu versuchen. Doch was versteckt sich eigentlich hinter diesem Begriff, den die meisten zwar schon einmal gehört haben, unter dem sich viele aber gar nichts vorstellen können?

„Bei der Osteopathie handelt es sich nicht um eine Heilmethode sondern um eine eigene Art der Heilkunde“, sagt der Osteopath Andreas Kasack, Geschäftsführer und Schulleiter der „Still Academy“ in Mülheim. An seiner Schule können Physiotherapeuten, Ärzte und Heilpraktiker in einer sechsjährigen Ausbildung dieses spezielle Heilkonzept erlernen.

So funktioniert Osteopathie

Der Osteopathie als naturheilkundliches medizinisches Konzept liegt ein ganzheitliches Körperverständnis zugrunde. Nicht einzelne Symptome, sondern Zusammenhänge innerhalb des Körpers stehen im Mittelpunkt. Maßgeblich sei der „andere Blickwinkel“ auf die Beschwerden, sagt Kasack. Leidet jemand beispielsweise unter chronischen Kopfschmerzen, könne die Ursache ein vor Jahren umgeknicktes Sprunggelenk sein: Die muskulären Verbindungen könnten nach einem solchen Unfall dauerhaft unter Spannung stehen, so dass sich ein Ungleichgewicht zwischen rechter und linker Körperseite entwickelt.

Das wiederum kann irgendwann „die Kompensationskräfte des Körpers erschöpfen“, wie der Experte es ausdrückt. Dann verhake sich etwas und ein Einrenken allein genüge nicht mehr. Darum geht es dem Osteopathen: um die anatomischen Verknüpfungen und die Unterstützung der Selbstregulierungsfähigkeit des menschlichen Körpers.

Vor allem bei Beschwerden des Bewegungsapparats erziele die Osteopathie gute Ergebnisse, so Andreas Kasack. Gerade für ältere Menschen, denen die Schulmedizin bei vielen Beschwerden kaum noch helfen könne, „haben wir Möglichkeiten, eine Menge an Lebensqualität zu erhalten“.

Ein großes Potenzial der osteopathischen Heilkunde sieht der gelernte Heilpraktiker vor allem im internistischen Bereich, etwa bei der chronischen Refluxkrankheit oder der chronischen Blasenentzündung. „Auch bei Kopfschmerzen und Migräne erzielen wir häufig befriedigende oder sogar hervorragende Ergebnisse.“

Ein Effekt solle sich in den allermeisten Fällen sofort bemerkbar machen, so Andreas Kasack. „Wenn nicht innerhalb von zwei bis drei Behandlungen eine deutliche Richtung aufgezeigt ist, dann stelle ich meinen Ansatz in Frage und orientiere mich neu.“

Die Osteopathie-Sitzung

Zu Beginn findet ein ausführliches Anamnesegespräch statt, um die „aktuelle Beschwerdelage und den biografischen Kontext“ zu ermitteln, so Kasack. „Guter ärztlicher Umgang kann weder den biografischen, noch den soziokulturellen Hintergrund außer Acht lassen.“ Somit sei dies nicht unbedingt ein Spezifikum der Osteopathie.

Im Anschluss an das Gespräch werde der Patient ausführlich manuell untersucht, „buchstäblich von Kopf bis Fuß“. Auch die Behandlung als solche findet ausschließlich mit den Händen statt, Spritzen oder Medikamente werden nicht verwendet. Dennoch sei Osteopathie nicht mit Massagen vergleichbar. Kasack: „Es gibt eine Vielzahl von Techniken.“

Im Schnitt kostet eine 45- bis 60-minütige Sitzung etwa 65 bis 100 Euro. Mittlerweile übernehmen die meisten gesetzlichen Krankenkassen zumindest einen Teil der Behandlungskosten, wenn zuvor ein Arzt die Osteopathie „empfohlen“ hat. Die Techniker Krankenkasse, die 2012 als erste die Osteopathie in ihren Leistungskatalog aufnahm, erstattet bis zu 80 Prozent der Kosten für bis zu sechs Behandlungen pro Jahr, maximal jedoch 60 Euro pro Sitzung.

Die Grenzen der Osteopathie

In der Notfallmedizin sei Osteopathie erst einmal fehl am Platz, sagt Kasack. Auch bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs könne der Osteopath allenfalls „sinnvoller Begleiter“ der schulmedizinischen Therapie sein. An erster Stelle stehe eine ausführliche Diagnostik.

Ist diese abgeschlossen, „können wir gucken, ob wir mitbehandeln, allein behandeln oder auch gar nicht behandeln“. Ein seriöser Osteopath müsse klar sortieren können, wo es eine Frage der medizinischen Sorgfalt sei, dass die Schulmedizin im Vordergrund stehe.

Einen Osteopathen finden

Da „Osteopath“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist, unterscheiden sich die Qualifikationen der Therapeuten stark voneinander. Wer sichergehen wolle, dass er sich in gute Hände begebe, solle sich an der Liste der seriösen Verbände wie dem VOD, dem größten und ältesten Verband, oder dem BVO orientieren, empfiehlt Andreas Kasack. Erst kürzlich hätten die Verbände einen Konsens bezüglich der Aufnahmekriterien erzielt. Maßgeblich sei vor allem eine gute, mehrjährige Ausbildung.

 
 

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