Behörden sehen Sprossen als Ehec-Ursache

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Das Robert-Koch-Institut ist sich sicher: Die Ehec-Epidemie ist höchstwahrscheinlich durch Sprossen ausgelöst worden. Deshalb haben die Behörden die Verzehrwarnung für Tomaten, Gurken und Salat aufgehoben. Auch die Zahl der Erkrankungen sinkt.

Berlin. Die Gesundheitsbehörden heben die Warnung vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalaten auf. Die Warnung vor dem Verzehr der Sprossen als ein möglicher Auslöser der Ehec-Durchfallerkrankungen bleibe aber bestehen, teilten das Robert-Koch-Institut, das Bundesamt für Verbraucherschutz und das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) am Freitag in Berlin mit. Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden. „Wir empfehlen, Tomaten, Gurken und Salate uneingeschränkt und mit Genuss zu verzehren“, sagte Andreas Hensel vom BfR.

Dagegen sollten Verbraucher Sprossen weiterhin keinesfalls roh verzehren. Auch sollten alle Vorräte an Sprossen oder anderen Lebensmitteln entsorgt werden, die aus dem Bio-Betrieb „Gärtnerhof“ im niedersächsischen Bienenbüttel stammten, sagte Hensel.

Allgemein entspannt sich nach den Worten von RKI-Präsident Reinhard Burger die Lage. Die Zahlen an Ehec-Neuerkrankungen würden fallen. „Aber der Ausbruch ist noch nicht vorbei“, sagte Burger weiter. Er riet dringend, die allgemeinen Hygieneempfehlungen im Haushalt weiter zu befolgen.

Keine Nachweise auf Lebensmittel entdeckt

Bislang haben die Behörden allerdings keine belastenden Lebensmittel gefunden. Die Gesundheitsämter nahmen in den vergangenen Wochen über 4000 Proben, 400 allein bei Sprossen.

Allerdings sei die Indizienkette, die auf die Sprossen hinweist, eindeutig, so Burger. Das Robert-Koch-Institut untersuchte die Fälle, wo sich Menschen höchstwahrscheinlich in Restaurants angesteckt haben. Alle Erkrankten hatten demnach Sprossen gegessen. Die Experten befragten dafür Köche, werteten Bestelllisten und Fotos aus. Unter anderem war ein Restaurant in Lübeck in den Fokus geraten, wo sich mehrere Personen einer Reisegruppe infiziert hatten.

Quelle möglicherweise schon versiegt

Auch im verdächtigten Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel haben die Behörden noch keine Ehec-Keime an Sprossen oder an anderen Gemüse gefunden. Wie der Erreger dorthin kam, darüber gebe es derzeit keine gesicherten Erkenntnisse, so RKI-Chef Burger. Drei Mitarbeiter waren dort an Durchfall erkrankt, bei einer Person konnte Ehec nachgewiesen werden.

Möglicherweise ist die Quelle für die Ehec-Seuche mittlerweile versiegt, so Burger. Entweder sei das verseuchte Lebensmittel aufgegessen oder die Verzehrwarnung habe gewirkt. Auch könne es sein, dass die Kontamination nur zeitlich begrenzt auftrat. „Die Aufklärung geht weiter“, kündigte Burger daher an.

Wegen der Verzehrwarnung für Gurken, Tomaten und Salat entstand den europäischen Bauern ein Schaden in Millionenhöhe. Sie sollen nun mit EU-Mitteln entschädigt werden. (jgr/rtr/dapd)

 
 

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