Arschgeweih ade! – Warum Tattoo-Weglasern so schmerzhaft ist

Der Laser erkennt die Farbpigmente des Tatoos und sprengt sie auf. Die kleinen Farbpartikel werden dann durch den Körper abtransportiert und "verschwinden".
Der Laser erkennt die Farbpigmente des Tatoos und sprengt sie auf. Die kleinen Farbpartikel werden dann durch den Körper abtransportiert und "verschwinden".
Foto: Thomas Gödde/FUNKE Foto Services
Dagmars Tattoo soll weg. Ihr "Arschgeweih" wird mit starker Lasertechnik entfernt. Das ist teuer, schmerzhaft und sehr zeitintensiv.

Essen. Der Name der Ex-Geliebten, der misslungene Delfin oder das allseits bekannte "Arschgeweih": Das zuvor geliebte Tattoo gefällt nach einigen Jahren einfach nicht mehr. Oft auch, weil es nicht mehr zum Besitzer passt. So wie bei Dagmar L. und ihrem Tattoo am Steißbein.

Das schlechte Image des "Arschgeweihs"

"Ich habe es seit über 25 Jahren. Es ist ein Maori-Tattoo, das traditionell mit Haifischzähnen gestochen wurde", erzählt die Essenerin. Kunstvoll schlängeln sich dicke Linien kreisförmig entlang des unteren Rückens. In der Mitte ist ein Skorpion zu sehen. "Ich hatte mir das Tattoo genau überlegt und es an einer Stelle machen lassen, die auch im Alter noch gut aussieht", erzählt sie.

Auch heute gefällt ihr das Tattoo eigentlich noch, wären da nicht die Kommentare, die sie sich von anderen gefallen lassen muss: "Ende der 90er kamen die Steißbeintattoos in Mode und waren schnell als ,Arschgeweih' verrufen. Seitdem werde auch ich auf mein Tattoo negativ angesprochen. Das stört mich."

Über ein Jahrzehnt hat sie über eine Entfernung oder ein Cover-Up nachgedacht, bei dem das alte Tattoo überstochen wird. "Da ich es aber gerne ganz weg haben möchte, habe ich mich für eine Laserbehandlung entschieden."

Entfernung kostet das Zehn- bis Zwanzigfache des Tattoos

Ilona Polterauer, die sich auf Tattoo-Entfernung spezialisiert hat und seit 2012 den kleinen Laden "InkEx" in der Essener City betreibt, ist Tattooentfernerin. In Österreich hat sie "direkt am Laser" bei einem Arzt gelernt, genauso wie Dagmar, die aushilfsweise bei ihr arbeitet. Beide wissen, die Behandlung ist nicht ungefährlich. "Es können Narben entstehen und Pigmentstörungen auftreten", erklärt Polterauer. Der Laser "verbrennt" die Haut. Er erkennt die Farbpigmente des Tattoos, sprengt sie mit Hitze auf und spaltet sie in kleine Partikel. Diese werden dann durch den Stoffwechsel abtransportiert und auf natürlichem Wege ausgeschieden.

"Wir können nicht jedes Tattoo rückstandslos entfernen", erklärt sie. "Aber bei schwarzen Tattoos stehen die Chancen gut, denn darauf ist dieser Laser spezialisiert." Ein Vorteil für das Tattoo von Dagmar. Es ist sehr dick mit schwarzer Farbe gestochen. Bei einer Probesitzung hat die Haut gut auf den Laserstrahl reagiert und schon einige Pigmente abgebaut. Das zehn- bis zwanzig-Fache der Tattookosten muss sie für die Behandlung einplanen, aber das ist es ihr wert. "In Ordnung bringen ist immer teurer als verursachen."

Konkret heißt das: Bei einem kleinen Tattoo, etwa dreimal drei Zentimeter, werden 80 Euro für eine Entfernungs-Sitzung fällig. Ein großes Tattoo (15-mal 15 Zentimeter) kann 290 Euro kosten - pro Behandlung. Farbige Tattoos werden mit einer Aufwandsentschädigung von 30 Euro zusätzlich berechnet.

Nicht alle Farben leicht zu entfernen

Fast zwei Jahre später hat Dagmar L. fünf Sitzungen hinter sich und bereitet sich mit einer schmerzstillenden Salbe auf Sitzung Nummer sechs vor. "Die Tattoo-Entfernung ist sehr zeitintensiv", sagt Ilona Polterauer. Man müsse der Haut mindestens einen Monat Zeit zum Verheilen geben. Je länger die Wartezeit dazwischen, desto besser kann die Haut heilen und die Tattoofarbe abbauen.

Seitdem es die Möglichkeit gibt, Tattoos mit Lasertechnik zu entfernen, wird der Kundenstamm immer größer. Geschätzte 600 Stammkunden hat alleine InkEx. Wie lange ein "Durchschnittskunde" für die Entfernung seines Tattoos braucht, kann man pauschal nicht sagen. "Es gibt zu viele Faktoren, von denen das abhängt", sagt Polterauer. Die Haut müsse gut heilen, der Körper die Farbe abtransportieren, und letztendlich kommt es auch auf die Farbe an, mit der gestochen wurde. "Das sieht man erst, wenn man mit dem Laser das Tattoo behandelt", so Polterauer. Und dieser Laser kann nicht alle Farben rückstandslos entfernen. "Bei Blau und Grün kommt er an seine Grenzen."

Die Haut wird bei der Laser-Behandlung verbrannt 

Dagmar L. legt sich währenddessen auf die Behandlungsliege. Die Schutzbrille hat sie schon auf, um ihre Augen vor den Laserstrahlen zu schützen. Nachdem Ilona Polterauer das Tattoo desinfiziert hat, greift sie zum Laser und zählt bis drei. Dann beginnt das Gerät mit der Arbeit. Es knistert, wenn der Strahl auf das Tattoo trifft. "Man kann hören, wenn der Laser die Farbpigmente zersprengt", erklärt Polterauer.

Das Tattoo schwillt langsam an, die Schmerzen sind Dagmar trotz der betäubenden Salbe anzusehen. "Es fühlt sich an wie kleine heiße Fettspritzer auf der Haut. Es brennt richtig", sagt sie. Das Stechen des Tattoos sei weit weniger schmerzhaft gewesen, erzählt sie.

Nach einer Viertelstunde ist die Behandlung vorbei. Die ersten helleren Stellen sind bereits zu sehen. Zum Schutz wird das Tattoo gekühlt. Doch weh tut die Stelle immer noch. "Das wird die nächsten 24 Stunden auch noch so sein", sagt Dagmar aus Erfahrung während Ilona Polterauer sie mit einem Brandverband versorgt. Hitze und Sonne verträgt das Ex-Tattoo nun vorerst nicht mehr.

Heilung wie nach einer Verbrennung

Nach 24 Stunden muss die Haut mit Wund- und Heilsalbe gepflegt werden, bis sich eine Kruste bildet. "Die darf man auf keinen Fall abkratzen, sonst gibt es Narben", sagt Dagmar L. "Da muss ich mich immer ganz verbinden, damit ich nicht kratze." Fällt die Kruste ab, ist das Tattoo wieder ein Stück heller geworden.

Geschätzte vier bis fünf Mal muss sie diese Behandlung noch über sich ergehen lassen. Dann ist das Tattoo hoffentlich komplett entfernt. "Wenn es nicht weggehen sollte, werde ich es mir überstechen lassen", so Dagmar. Mit welchem Motiv, überlegt sie sich dann aber genau: "Ein ,Arschgeweih' soll es nämlich nicht mehr werden."

 
 

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