Allergien werden laut Dermatologen häufig unterschätzt

Viele Allergiker in Deutschland versuchen die Symptome ohne ärztliche Hilfe in den Griff zu bekommen und unterschätzen die Krankheit dabei oft.
Viele Allergiker in Deutschland versuchen die Symptome ohne ärztliche Hilfe in den Griff zu bekommen und unterschätzen die Krankheit dabei oft.
Foto: Ulla Emig
Die Allergie ist laut der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Etwa 25 Millionen Bundesbürger sind betroffen. Dennoch wird die Krankheit vor allem von Betroffenen und der Politik häufig unterschätzt.

Berlin. Allergien werden nach Meinung von Dermatologen oftmals unterschätzt. Zum Einen von den Allergikern selbst, die sich vielfach selbst behandeln und von denen einige erst gar nicht zum Arzt gehen. Zum Anderen von der Politik, die nach Einschätzung der Ärzte den Leidensdruck der Betroffenen nicht wirklich erkennt und auch nicht die Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft, wenn zum Beispiel Menschen mit schweren Allergien häufig bei der Arbeit fehlen.

Laut einer in Berlin vorgestellten, repräsentativen Forsa-Umfrage für die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) sind rund 25 Millionen Menschen in Deutschland Allergiker. Das ist mehr als jeder Dritte. Die Allergie sei "die häufigste chronische Erkrankung" in Deutschland, sagte DDG-Präsident Rudolf Stadler - und der Leidensdruck der Betroffenen oft sehr hoch. 53 Prozent von ihnen empfinden ihre Allergie laut der Befragung als belastend. 48 Prozent gaben an, dass sie sich in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt fühlen, wenn ihre Allergie auftritt.

Die StudieTrotzdem nimmt mehr als die Hälfte der Allergiker ihre Behandlung selbst in die Hand. 58 Prozent der Befragten gaben an, sie etwa durch nicht verschreibungspflichtige Medikamente in den Griff zu bekommen oder dadurch, dass sie den Auslöser meiden. Viele von ihnen waren wegen ihrer Allergie schon einmal bei einem Arzt in Behandlung, 30 Prozent aber nicht. Aber auch diejenigen, die in Behandlung sind, sind nach Meinung der Dermatologen nicht immer optimal versorgt. Das gelte vor allem für Neurodermitis-Patienten.

Bewährter Allergie-Diagnostik droht das Aus

Die Studie "Atopic Health" des Hamburger Dermatologen Matthias Augustin, deren Ergebnisse ebenfalls vorgestellt wurden, ergab, dass trotz Therapie 93 Prozent der Betroffenen weiter unter Juckreiz leiden, der sie auch oft nicht schlafen lässt. Augustin zufolge könnten viele von ihnen besser behandelt werden, wenn mehr Kosten - zum Beispiel für rückfettende Salben - von den Krankenkassen übernommen würden.

Arme Menschen könnten sich solche Salben oft nicht leisten. Ein weiteres Problem sehen die Dermatologen zukünftig bei der Diagnose. Die Novellierung des Arzneimittelgesetzes sehe vor, dass der sogenannte Epikutantest - eine Art Pflaster mit potenziellen Allergieauslösern - strengeren Regeln unterworfen werde, sagte der Dermatologe Axel Schnuch. Damit drohe das Aus für eine "seit 100 Jahren erfolgreich eingesetzte Allergie-Diagnostik". (dapd)