Alle acht Stunden stirbt in Deutschland ein Mensch wegen fehlender Organspende

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hält im Rahmen der Initiative "Organspende macht Schule" einen Organspendeausweis.
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hält im Rahmen der Initiative "Organspende macht Schule" einen Organspendeausweis.
In Deutschland muss alle acht Stunden ein Mensch sterben, weil kein Spenderorgan zur Verfügung steht. Nun soll das Projekt "Organspende macht Schule" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Techniker Krankenkasse bereits Schülern Mut machen, um über das Thema nachzudenken.

Berlin.. "Ich hab ja schon öfter mein Herz verschenkt, aber bisher war das nie so im wörtlichen Sinne gemeint", singt der HipHopper Bo Flowers. Auf der DVD "Organspende macht Schule" will er mit seinem Lied Schülern ab der 9. Klasse Mut machen, über das ernste Thema nachzudenken. Denn alle acht Stunden stirbt in Deutschland ein Mensch, weil kein Spenderorgan zur Verfügung steht. Das sind drei Menschen pro Tag oder mehr als 1.000 jedes Jahr.

"Musik ist ein guter Träger", sagt Bo Flowers, mit bürgerlichen Namen Flo Bauer. Er ist das Gesicht der neuen Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Techniker Krankenkasse. Zusammen mit seiner Musikerkollegin, der Sängerin Nele aus Hannover, setzt sich der Rapper für das Thema Organspende ein. "Ich will nicht sagen: tu dies, lass und mach das oder jenes, nur, dass du dich mit dem Thema beschäftigst, auch wenn das nicht bequem ist."

Leben mit einem fremden Herz

In dem 20-minütigen Film greifen beide Moderatoren die Fragen und Bedenken der Jugendlichen auf. Schließlich ist die DVD als Unterrichtsmaterial geplant. Da ist zunächst die komplizierte Frage nach dem Hirntod und wie das Transplantationsgesetz Missbrauch verhindern soll. Oft ist ja die erste Frage der Jugendlichen, ob man nicht leichtfertig zu einem "Spender wider Willen" wird.

Der Neurologe Günther Thayssen erklärt daher, was der Hirntod ist und wie er festgestellt wird. Fragen haben Schüler auch, ob sich eine Organspende überhaupt lohnt. Die Antwort gibt auf der DVD Bruno Kollhorst, der nach einer Rötelinfektion eine zunächst unerkannte Herzmuskelentzündung bekam und seit 2006 mit einem Spenderherz lebt. Wie es sich mit einem anderen Herz "liebt und so", wollen die Schüler wissen. Nicht nur, ob man lebt. Auch darauf antwortet Kollhorst: Er ist 2009 Vater geworden.

"Organspender sind Lebensretter"

"99 Prozent der jungen Menschen wollen anderen helfen", weiß die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott. Und weiß auch, dass Organspende ein heikles Thema ist. Meist wird es akut, wenn man selbst betroffen ist oder jemand im engeren Verwandten- und Bekanntenkreis. Und dann heißt es oft Warten: Auf eine Niere beispielsweise bis zu sieben Jahre. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hat - nicht erst seit seinem Ministeramt - einen Spenderausweis. Denn wer sich nicht entscheide, der lege die Entscheidung in die Hände der Angehörigen - "und das in einer sehr schwierigen Situation", sagt der FDP-Politiker.

Daher sein Rat: rechtzeitig entscheiden. Übrigens: Auf dem Spenderausweis kann man ausdrücklich der Entnahme von Organen und Geweben nach seinem Tod widersprechen. Oder zumindest festlegen, welche Organe nur entnommen werden dürfen. Heute warten mehr als 12.000 Menschen in Deutschland auf eine Spenderorgan. Für den Gesundheitsminister ist daher klar: "Organspender sind Lebensretter." Gibt es nicht möglicherweise für Menschen mit kirchlicher Bindung ein moralisches Problem? Der Katholik Bahr glaubt nein: "Organspende ist auch ein Akt der Nächstenliebe." (dapd)

 
 

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