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Abnehmen durch Sex? Forscher untersuchen Diät-Mythen

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Foto: Getty Images
US-Wissenschaftler haben sich in einer Studie mit Mythen rund ums Abnehmen beschäftigt. Die Forscher widersprechen der weitverbreiteten Annahme, dass Sex eine effektive Waffe gegen unerwünschte Kilos ist und Schulsport einen positiven Effekt hat. Allerdings ist die Studie selbst nicht unumstritten.

Chicago. 

Ein regelmäßiges Frühstück ist die Grundlage, um das Gewicht zu halten; Schulsport beugt Übergewicht bei Kindern vor, bei Sex werden viele Kalorien verbrannt: Über Ernährung, Diäten und richtiges Essverhalten kursieren viele Theorien. Ein Wissenschaftlerteam hat eine Reihe davon unter die Lupe genommen – und einige davon als Mythen entlarvt. Die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Arbeit ist allerdings nicht unumstritten. Mehrere beteiligte Forscher haben enge Verbindungen zur Lebensmittelindustrie oder zu Unternehmen, die Produkte zur Gewichtsabnahme herstellen.

So kritisiert der Adipositasforscher David Ludwig vom Kinderkrankenhaus in Boston die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, dass Diätpillen und Nahrungsersatzmittel im Kampf gegen Übergewicht helfen können. Er verweist darauf, dass die meisten Diätpillen in den vergangenen Jahrzehnten wegen starker Nebenwirkungen vom Markt genommen worden seien. Der Schaden sei größer als der Nutzen. Vielen anderen Punkten der Arbeit stimme er aber zu, sagte Ludwig.

Kaum Kalorienverbrauch beim Liebesspiel

Tatsächlich entzaubern die Forscher um David Allison von der Universität von Alabama in Birmingham eine Reihe von Annahmen. Sex zum Beispiel: Mitnichten würden dabei viele Kalorien verbraucht. Es gibt nur eine wissenschaftliche Studie, die den Energieverbrauch bei Sexualverkehr ermittelt hat: Danach dauert ein Geschlechtsakt im Durchschnitt sechs Minuten und verbraucht 21 Kalorien. Die Untersuchung wurde im Jahr 1984 durchgeführt, Probanden waren ausschließlich Männer.

Oder Schulsport: Die Auswertung vorliegender Daten ergab, dass dieser zu selten stattfindet, zu kurz ist und nicht intensiv genug, um irgendwelche Auswirkungen zu haben. Auch die These, wonach langsames Abnehmen über einen längeren Zeitraum einen nachhaltigeren Erfolg verspricht, ist nach Ansicht der Forscher so nicht haltbar. Die meisten, die eine Diät gemacht haben, legen später wieder zu, fanden Allison und Co. heraus. Diejenigen, die am Anfang ihrer Fastenkur viel abgenommen hatten, brachten später oft weniger auf die Waage als diejenigen, die nach und nach an Gewicht verloren. Zwischen regelmäßigen Frühstück und Über- beziehungsweise Normalgewicht fanden die Forscher keinen Zusammenhang.

Von der Annahme, es sei besser, sich kleine (Diät-)Ziele zu stecken, um Enttäuschung und Frustration zu vermeiden, halten die Forscher auch nichts. Ihren Erkenntnissen nach profitieren vor allem Abnehmwillige, die sich große Gewichtsverluste vornehmen.

Eher kritisch betrachtet die Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle von der Universität New York die Arbeit von Allison und Kollegen: Viele Mythen, mit denen sie sich beschäftigt hätten, lenkten von einer wirklichen Lösung des Problems ab: „Wichtiges Thema in Bezug auf Gewichtsverlust ist es, die Umstände so zu verändern, dass die Menschen eine gesunde Wahl treffen können“, sagt sie und nennt als Beispiel Werbung für ungesunde Fertigkost, die sich speziell an Kinder richtet. (dapd)