Die deutschen Eishockey-Helden kommen Mittwoch nach Iserlohn

Christian Ehrhoffs Familie freut sich über die Rückkehr von Papa - aber nur kurz.
Christian Ehrhoffs Familie freut sich über die Rückkehr von Papa - aber nur kurz.
Foto: dpa

Essen.. Christian Ehrhoff wollte seine Frau und seine drei Töchter am Montag gar nicht mehr loslassen. Minutenlang umarmte der Eishockey-Profi, die Silbermedaille noch um den Hals, seine Liebsten, als er in Frankfurt mit dem Flugzeug aus Pyeongchang gelandet war. Die Kinder trugen natürlich ein Eishockeytrikot mit dem Namen ihres Vaters auf dem Rücken, und sie hatten Heliumballons in Herzform und Deutschland-Fahnen mitgebracht. Die Trauer über die Niederlage gegen die Russen im Olympia-Finale war längst verflogen.

Doch: Viel Zeit mit seiner Familie blieb ihm, dem deutschen Fahnenträger bei der Abschlussfeier, nicht. Eishockey erlaubt ihm und seinen Kölner Haien keine Ruhe: Schon am Mittwoch, nur drei Tage nach dem Olympia-Finale, geht die Deutsche Eishockey-Liga weiter.

In Iserlohn findet ab 19.30 Uhr das erste von drei entscheidenden Auswärtsspielen in fünf Tagen statt – es geht um den Einzug in die Play-offs. Da können die Kölner keine Zugeständnisse machen.

Neben Ehrhoff müssen auch die Olympiahelden Moritz Müller und Felix Schütz wieder ran. Freitag folgt Mannheim, Sonntag Ingolstadt. „Da haben wir in Köln natürlich etwas Pech“, sagte Ehrhoff bei der Ankunft. „Da bleibt uns nur ein Tag mit der Familie. Dann heißt es: Back to Business.“

Der Fünfte gegen den Achten

Ob das nun ein Vorteil oder ein Nachteil ist, dass die Kölner mit ihren Olympia-Teilnehmern anreisen, sagen die Roosters in Iserlohn nicht. Man könne es ja ohnehin nicht beeinflussen und müsse sich in dieser wichtigen Phase der Saison auf sich selbst konzentrieren. Der Fünfte der Tabelle trifft auf den Achten: Für beide Mannschaften ein extrem wichtiges Spiel. Läuft es für die Haie gut, könnten sie noch Vierter in der Tabelle werden. Das würde die direkte Qualifikation fürs Viertelfinale bedeuten. Läuft es schlecht, könnte die Mannschaft noch auf Platz zehn abrutschen und müsste den Umweg über Ausscheidungsspiele gehen.

Auch Kapitän Marcel Goc und vier seiner Teamkollegen bei Adler Mannheim müssen heute schon wieder spielen – ebenfalls auswärts bei den Schwenniger Wild Wings.

„Wir brauchen unsere Nationalspieler, wir sind mitten im Kampf um die Plätze“, entschuldigt ein Vereinssprecher den Terminstress. Die Adler, aktuell nur Neunter in der Tabelle, könnten sogar noch aus den Play-off-Rängen rutschen.

Olympia-Silber? Das zählt dann nur bedingt. Geschäftsführer Daniel Hopp fordert, „dass der Fokus der Spieler jetzt wieder zu 100 Prozent auf der DEL liegen muss.“ Goc nimmt diese Herausforderung gerne an: „Ich geh’ dahin und zieh mich um, kein Problem.“

Anders als die Kölner und Mannheimer Profis können die sieben Olympia-Helden des EHC München ein paar Tage verschnaufen. Der Verein hat seinen Spielern Sonderurlaub gegeben. Der Meister ist souverän Tabellenführer und sicher für das Viertelfinale qualifiziert. Schon vor dem Heimflug nach Deutschland wusste Stürmer Dominik Kahun, „dass wir erst am Sonntag spielen müssen – eine sehr gute Nachricht“.

Dann können die Münchener auf heimischem Eis auflaufen und sich von den eigenen Fans für ihre Leistung in Pyeongchang feiern und ehren lassen. Auch darauf müssen Christian Ehrhoff und seine Kölner Teamkollegen vorerst verzichten. Ein Heimspiel in der Lanxess-Arena wird es für sie erst wieder in den Play-offs geben. Das wird frühestens am 7. März sein.

Marco Sturm lehnt sich jetzt zurück

Immerhin spielen die Kölner Haie heute in Iserlohn in einer ausverkauften Halle. Die knapp über 100 Kilometer nach Iserlohn werden sicherlich viele Kölner Fans auf sich nehmen, um die Olympia-Helden zu sehen. Dann vergisst vielleicht auch Ehrhoff die Strapazen.

Schließlich freut er sich über die Aufmerksamkeit, die sein Sport aktuell bekommt: „Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass man die Leute in der Heimat inspiriert hat.“

Deutlich entspannter werden die nächsten Tage für Bundestrainer Marco Sturm. „Ich lehne mich jetzt zurück und gucke mir die Jungs auf der Couch an“, sagte er schmunzelnd. Mitleid hatte er mit seinen Spielern aber schon. „Leider ist es so. Aber ich denke, wenn man Silber trägt, ist es in Ordnung.“

 
 

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