Viele Autos vertragen den neuen Biosprit E10 nicht

Sven Frohwein

Essen. 2011 führen Deutschlands Tankstellen neues Benzin mit zehn Prozent Biosprit-Anteil ein. Doch noch immer sind auf Deutschlands Straßen drei Millionen Autos unterwegs, die den E10 genannten Sprit nicht vertragen.

Ab kommendem Jahr wird es einen neuen Kraftstoff an den 14 000 deutschen Tankstellen ge­ben. Eine Verordnung der Eu­ropäischen Union schreibt den Mi­neral­ölherstellern vor, dem Super-Benzin künftig zehn Prozent Biokraftstoff beizumischen. Doch noch immer sind auf Deutschlands Straßen drei Millionen Autos unterwegs, die den E10 genannten Sprit nicht vertragen. Der ADAC warnt: Bereits eine Tankfüllung kann schweren Schaden anrichten. Auch Naturschützer sprechen sich gegen das neue Benzin aus. Seine Ökobilanz sei katas­trophal.

„Um die künftige Biokraftstoffquote Europas zu decken, bedarf es Anbauflächen von der Größe Belgiens“, sagt Dietmar Oeliger, Verkehrsexperte des Naturschutzbunds Deutschland (NABU). E10 sei der falsche Kraftstoff zum falschen Zeitpunkt. Eine steigende Bio-Spritproduktion habe erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. „Die Umwandlung von Wald, Weide- oder Brachland in Ackerland kann dazu führen, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch Biokraftstoffe eingespart wird“, so Oeliger.

56 Millionen Tonnen Treibhausgase mehr

Nach Berechnungen von Greenpeace ist mit 56 Millionen Tonnen Treibhausgasen mehr zu rechnen, wenn die Beimischquoten erfüllt würden. Außerdem sei es ganz schwierig nachzuvollziehen, woher der Biokraftstoff stamme, der dem Benzin beigemischt werde, so der NABU. Niemand könne garantieren, dass nicht doch Regenwälder gerodet würden, um Platz für Biosprit-Rohstoff zu schaffen. Das Bundesumweltministerium hält dagegen. E10 verursache weniger Treibhausgase als das heutige Superbenzin.

Auch das Urteil des ADAC zu E10 fällt vernichtend aus. „Schon eine Tankfüllung reicht, um dauerhafte Schäden am Motor davon zu tragen“, sagt ein Sprecher. Wer sich unsicher sei, ob sein Wagen den neuen Sprit vertrage, solle lieber die Finger davon lassen. Der Kunde habe allerdings die Wahl. Das bislang erhältliche Super-Benzin sei weiter verfügbar. Noch ist aber unklar, ob sich dieses verteuern wird, um die Absatzquoten für den neuen Bio-Sprit zu erfüllen. „Der Preis wird sich am Markt bilden“, heißt es beim Mineralölwirtschaftsverband. „Unser Ziel ist es, dass E10 zur Hauptsorte wird.“