Urgestein der Verkehrssicherung Werner Sporleder feierte 85. Geburtstag

Werner Sporleder: „Vater des Flatterbandes“ nennt ihn die „Hannoversche Allgemeine“ - der 85-Jährige erfand es in den 50ern.
Werner Sporleder: „Vater des Flatterbandes“ nennt ihn die „Hannoversche Allgemeine“ - der 85-Jährige erfand es in den 50ern.
Foto: WAZ FotoPool

Hemmingen. Keiner kennt Werner Sporleder, aber jeder seine Arbeit. Er sichert mit seiner Firma Baustellen und Events wie das Stillleben oder den Papstbesuch: Der 85-Jährige erfand in den 1950er-Jahren das Flatterband, ist ein Urgestein der Verkehrssicherung.

Sie haben die Werkshalle festlich ge­schmückt mit Baustellenzäunen und Überholverbotsschildern; sie haben Absperrschranken und Hinweisbaken liebevoll arrangiert, damit sich alle Gäste sofort heimisch fühlen. Und während im Hintergrund auf einer elektronischen Verkehrstafel der Schriftzug „Herr Sporleder möchte starten. Bitte nehmen Sie Platz“ durchläuft, rückt der Held des Tages nochmals seine Krawatte zurecht. Eine Krawatte mit lustigen Verkehrsschildern als Motiv.

Es ist, man ahnt es schon, ein kleines Branchentreffen der Baustellenabsicherer. Denn einer der ihren ist vor kurzem 85 geworden: Werner Sporleder. „Vater des Flatterbandes“ nennt ihn die „Hannoversche Allgemeine“ – er erfand es in den 1950er-Jahren, fing an mit einer Wäscheleine und weißen sowie roten Kunststoffplättchen. „Urgestein der Verkehrssicherung“ werden Festredner ihn später noch nennen, und ohne große Mühe könnte man weitere Titel dieser Gewichtsklasse hinzufügen. Der große alte Mann des Baustellenzauns.

Einer der letzten Gründerväter

CMTB Special Genfer SalonWerner Sporleder ist einer der letzten dieser Gründerväter aus den 50er-Jahren, die den rheinischen Kapitalismus erfanden und noch aktiv sind. Ein Unternehmer, der aus dem Nichts kam. „Handelsschule, Arbeitsdienst, Frankreich, Invasion, Flucht“, so eilt er selbst durch seinen frühen Lebenslauf. Seine Firma „B.A.S. Verkehrstechnik“ siedelt in Hemmingen, südlich von Hannover, und ihr Geschäftszweck ist die Baustellenabsicherung: Sie vermietet Schilder, Zäune, Tafeln, Fahrzeuge und alles, was man noch dazu so braucht, und sie managt diese Absperrungen auch. Sporleders Firma umschloss sowohl den Papstbesuch 2005 als auch das Stillleben der Kulturhauptstadt auf der abgesperrten A 40. Ja, sie forscht sogar: „Unser Spielplatz“ nennt Sporleder das Versuchsgelände mit der in diesem Zusammenhang unfassbaren Anschrift „Hoher Holzweg 17“.

Das Leben von Werner Sporleder ist eine Baustelle

Verstehen Sie das jetzt nicht falsch, doch Sporleders Leben ist die Baustelle. Montags bis samstags jeden Morgen um 6 Uhr betritt er die Firma; und spätestens um 7 Uhr ruft er die Lieferanten an – Herrgott, irgendwann müssen die doch auch mal arbeiten!

Ein wenig erinnert der Mann an Heinz Erhardt, und auf der Bühne seines Geburtstages gibt er überaus gern den Schelm. Marschiert mit großen Gesten auf und ab, fährt eine Flackerlampe an, die in seine Rede klappert: „Ach Mensch, halt doch die Klappe hier!“ Kokettiert mit den Frauen, zeigt seine Reklamen aus den 70er-Jahren, sie waren ganz nach damaliger Art: halbnackte Frauen, notdürftig mit Flatterband umwickelt. Und nicht ganz zufällig trägt ein lehrreiches Handbuch aus seinem Hause den Namen „Babsi“. Babsi wie Baustellen-Absicherung, versteht sich.

Sein Vortrag ist zu Ende, das Buffet ist eröffnet, „trockenes Brot und Reste von Weihnachten“ – natürlich nur so ein Sporleder-Scherz. Die Branche steht beisammen, das Schilderwerk plaudert mit der Verkehrslenkung, die Signaltechnik mit der Schutzgemeinschaft Verkehrszeichen: „ . . . Regelquerschnitt 37,5 . . . LED-Richtungstafeln . . . mobile Kreuzungslichtsignalanlage.“ Mittendrin Sporleder, er unterhält mal hier, mal da. Die Krawatte hat er gewechselt. Nun trägt er eine mit grünen Ampelmännchen (Ost). Es ist ein sehr schöner Tag für ihn.

 
 

EURE FAVORITEN