Umweltverbände machen gegen Biosprit E10 mobil

Irreführung der Verbraucher, kein Beitrag zum Umweltschutz - der BUND lässt kein gutes Haar an der neuen Biosprit-Sorte. Das neue Super E10 gibt es seit wenigen Wochen an den Tankstellen.

Berlin. Der neue Biosprit E10 ist nach Ansicht des Umweltverbandes BUND kein Beitrag zum Klimaschutz. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sprach am Donnerstag in Berlin von einer „Irreführung der Verbraucher“. Dazu komme die Verunsicherung durch mangelhafte Aufklärung über die Verträglichkeit des neuen Benzins. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sprach von einem Programm für „Sonderprofite der Mineralölkonzerne“.

Dem neuen Sprit sind aus Gründen des Klimaschutzes 10 Prozent Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen beigemischt. Das bisherige Super enthielt nur 5 Prozent Bioethanol.

Der BUND bemängelte, dass in die E10-Ökobilanz der indirekte Landverbrauch nicht eingegangen sei. Der Begriff bezeichnet den Umstand, dass die Biosprit erzeugenden Pflanzen auf Flächen angebaut würden, die ansonsten der Lebensmittelproduktion dienten. In Deutschland betrifft das etwa Tierzucht-Futtermittel. Diese müssten in immer größeren Mengen aus anderen Kontinenten eingeführt werden.

Ökobilanz nicht vollständig

Auch werde die Frage nicht berücksichtigt, nach welchen Normen etwa Importe aus Schwellenländern zertifiziert würden, sagte Weiger. Der Verkehrsexperte des BUND, Werner Reh, plädierte stattdessen für verschärfte Ziel-Grenzwerte beim CO2-Ausstoß, die sowohl durch Beimischung von Ethanol als auch durch weitere Anstrengungen bei der allgemeinen Verbrauchsreduzierung von Autos erreicht werden könnten. Er schlug eine Obergrenze von 80 Gramm pro Kilometer für 2020 vor. Bisher sind 95 Gramm bei Neuwagen anvisiert. Reh erklärte, selbst bei dem bisherigen Superbenzin, das eine Beimischung bis zu fünf Prozent Ethanol haben dürfe, sei dieser Wert noch nicht erreicht.

Weiger wies darauf hin, dass die Umwidmung von Wiesen und Weiden in Anbaufläche für Biospritpflanzen in Deutschland zunehme, der Treibstoff für die zur Ernte benötigten Landmaschinen aber fossile Energie sei. Er schlug eine Mischfrucht-Anbaumethode vor, etwa mit Leinpflanzen, mit deren Ernte die Traktoren betrieben werden könnten. Diese Anbaumethode sei jedoch durch die Steuergesetzgebung in der Bundesrepublik zum Erliegen gekommen, sagte er.

Satte Extraprofite der Mineralölkonzerne

Auch der VCD erklärte: „Die meisten Agrokraftstoffe haben unter Einbeziehung der indirekten Landnutzungsänderungen sogar eine deutlich schlechtere Klimabilanz als der herkömmliche fossile Sprit, den sie ersetzen sollen.“ Er kritisierte, dass Autofahrer, die kein E10 tanken können, bald auf das teure Super Plus zurückgreifen müssten: „Die Ölkonzerne freuen sich über satte Extraprofite, und die Bundesregierung steht übertölpelt daneben“, sagte Gerd Lottsiepen, der verkehrspolitische Sprecher des VCD. (dapd)

Die Liste mit den Autos, die den neuen Sprit vertragen

 
 

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