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Tanktouristen müssen sich an Vorschriften halten

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Foto: ddp

Frankfurt/Main. In Belgien und Luxemburg locken Spritpreise, die im Vergleich zu hiesigen Kalkulationen Dumpingangebote sind. Und so wird getankt, was in den Tank passt – und mehr. Doch auch Tanktouristen müssen sich an Gefahrgut- und Zollvorschriften halten.

Beinahe täglich stellen Zollbeamte ihren Streifenwagen auf einem Parkstreifen zwischen dem luxemburgischen Weiswampach und dem belgischen Sankt Vith ab. Nicht die für ihre Qualität bekannte Pommesbude gegenüber ist ihr Ziel. Die Zöllner warten auf deutsche Touristen. Denn an der Nationalstraße 62 – wie anderswo auch – blüht der Tanktourismus.

Das wundert nicht, denn nach einer aktuellen Übersicht des AvD in Frankfurt liegen in Deutschland die Preise für Diesel oder Super trotz des gesunkenen Preisniveaus immer noch deutlich über dem, was im benachbarten Ausland gezahlt werden muss. Dort locken Spritpreise, die im Vergleich zu hiesigen Kalkulationen Dumpingangebote sind. Diesel kostet laut AvD europaweit im Durchschnitt 0,96 Euro, in Belgien 0,90 Euro, ebenso viel in Österreich und in Luxemburg gar nur 0,79 Euro. Auch Super ist jenseits der Grenzen deutlich billiger, etwa zehn Cent im Durchschnitt.

Explosive Fracht im Kofferraum

Und so wird getankt, was in den Tank passt – und mehr. Drei, vier Kanister zusätzlich, das ist an der Shell-Tankstelle im luxemburgischen Weiswampach praktisch die Regel. «Deshalb», erläutert Willy Stoffels, Hauptinspektor im zuständigen Zollkontrollamt Sankt Vith, «kontrollieren wir praktisch täglich». Dabei haben er und seine Kollegen primär nicht einmal die Zollbestimmungen im Auge. Ihnen geht es weitaus eher um die Gefahr, die von mit Sprit überladenen Pkws ausgeht. «Die Leute wissen gar nicht, wie gefährlich ihre Fahrt sein kann», wundert sich Stoffels immer wieder.

«Grundsätzlich darf Kraftstoff nur in sicheren und geeigneten Kanistern mitgeführt werden», warnt Uli Wenz, bei der Stuttgarter Sachverständigen-Organisation Dekra für Gefahrgut zuständig. Erlaubt sind die bekannten 5-, 10- und 20-Liter-Kanister. Allerdings dürfen Kunststoffkanister nicht älter als fünf Jahre sein. Denn mit der Zeit werden sie spröde. Eine Prägung auf den Behältern zeigt das Herstellungsdatum. Für Stahlblechkanister gibt es keine gesetzliche Altersgrenze. Sie müssen aber in einwandfreiem Zustand sein und dicht schließen, dürfen nicht rosten oder lecken und müssen transportsicher verstaut sein.

Wasserkanister sind tabu

Absolut verboten ist der Sprittransport in Wasserkanistern, Waschmittelflaschen oder ähnlichen Provisorien. Wer mit solchen Behältern ertappt wird, muss mit Bußgeldern bis zu 750 Euro und mehr rechnen. Auch darf die Fahrt erst dann fortgesetzt werden, wenn der Kraftstoff ordnungsgemäß umgefüllt ist. «Wenn es besonders schlimm kommt, rufen wir die Feuerwehr und lassen den mitgeführten Sprit entsorgen», schildert Zollinspektor Stoffels. Laut Gefahrgutrecht dürfen – unabhängig von den Zollvorschriften – höchstens 60 Liter in tragbaren Kraftstoffbehältern transportiert werden.

Auch an anderen Grenzen lockt der billigere Sprit. «Zwar ist das Preisgefälle zurückgegangen, aber natürlich wird immer noch mehr mitgenommen als erlaubt ist», weiß Heike Wilsdorf vom Hauptzollamt in Dresden. «Was unsere Beamten entdecken», schildert Eugen Bresemann von der Bundesfinanzverwaltung West in Köln, «ist manchmal schon sicherheitsrelevant.» Die Betonung liegt auf manchmal, denn Schwerpunktkontrollen wie im belgischen Ardennen-Transit gibt es an den bundesdeutschen Grenzen praktisch kaum noch und so spricht denn Bresemann auch von «Stichproben» und einem «grauen Bereich». Entsprechend steht im Verkehr zwischen den Niederlanden und Deutschland eher die Drogenfahndung auf der Prioritätenliste.

Das alles wird den tankenden Touristen kaum interessieren. Er sieht nur den Preis, den er am Ende bezahlen muss. Zudem werden die Tanktrips oft als Sonntagsausflug gestaltet, billiger Kaffee oder preisgünstige Zigaretten gleich mitgekauft. Doch ob sich die oftmals weite Anfahrt rechnet, da gießt der ADAC Essig in den Wein. «Viele Autofahrer unterschätzen die entstehenden Kosten pro gefahrenem Kilometer», glaubt ADAC-Sprecher Christian Buric.

20 Liter Reserve sind erlaubt

Fahre jemand mit einem Mittelklassewagen nur 20 Kilometer zum Tanken und 20 Kilometer zurück, belaste das seinen Geldbeutel mit 7,40 Euro. «Bei einer Tankfüllung von 50 Litern und einem angenommenen Preisunterschied von 15 Cent pro Liter beträgt die Ersparnis gegenüber der heimischen Tankstelle zunächst 7,50 Euro. Abzüglich der Betriebskosten ergibt sich ein Vorteil von nur noch zehn Cent», rechnet Buric vor. Je teurer der Wagen, je weiter die Anfahrt, desto seltener erscheinen unterm Strich dann schwarze Zahlen.

Kaufmännisch betrachtet ist das sicherlich korrekt. Den Tanktouristen dürften solche Feinheiten jedoch ziemlich schnuppe sein. In den abfahrenden Autos sieht man zumeist muntere Gesichter, zumindest bis etliche Kilometer weiter die rote Kelle sichtbar und ihnen klar wird, was ihnen zuvor schon klar hätte sein sollen. Der Preis für zu viel Benzin an Bord kann hoch sein. «20 Liter Reserve sind erlaubt, jeder Liter mehr kostet 60 Cent», beschreibt Zollinspektor Stoffels die belgischen Usancen. Doch selbst wer alle Sicherheitsvorschriften einhält und Kanister sicher verstaut, muss sich darüber im Klaren sein, dass ein gefüllter Benzinkanister im Fahrzeug auf Grund der erhöhten Brandgefahr immer ein Sicherheitsrisiko bedeutet. (ddp)