Spritpreise steigen - und der Benzinklau nimmt zu

Denise Ludwig, Holger Dumke u. Christian Icking
In Zeiten rekordverdächtiger Benzinpreise hat die Polizei es verkehrt mit Kraftstoffdiebstahl zu tun.
In Zeiten rekordverdächtiger Benzinpreise hat die Polizei es verkehrt mit Kraftstoffdiebstahl zu tun.
Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool
Die hohen Spritpreise machen Autofahrern zu schaffen - und verleiten offenbar so manchen zum Benzinklau. Das Landeskriminalamt verzeichnet eine steigende Fallzahl beim Kraftstoffdiebstahl. Dabei spielt wahrscheinlich auch die Organisierte Kriminalität eine Rolle.

An Rhein und Ruhr. Angesichts hoher Spritpreise hat es die Polizei immer öfter mit Kraftstoffdieben zu tun. Das Landeskriminalamt (LKA) hat in Nordrhein-Westfalen in den ersten zwei Monaten dieses Jahres bereits 194 Fälle gezählt, bei denen Diesel in einer Menge von 100 Litern oder mehr gestohlen wurde. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2011 waren es 986 Diebstähle.

Die Auswertung des LKA bezieht sich auf Fälle, in denen Tankanlagen geplündert oder Diesel aus Lkw, Baumaschinen oder Traktoren abgezapft wurde. „Schon in der zweiten Jahreshälfte 2011 hat die Zahl der Diebstähle spürbar zugenommen“, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen der NRZ.

Große Tanks locken die Diebe an

Dabei locken die großen Tanks von Nutzfahrzeugen wie etwa Traktoren die Diebe. „Wir beobachten eine Zunahme an Fällen durch die steigenden Treibstoffpreise“, sagte Karl Nacke vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband.

Der wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich. Im Februar wurden laut LKA 32.037 Liter, im Januar 42.700 Liter gestohlen (2011 insgesamt: 344.265 Liter). In Duisburg wurde ein Spediteur in den ersten Monaten dieses Jahres bereits dreimal von Dieben heimgesucht. In einem Fall zapften sie 600 Liter Diesel ab, in den anderen beiden Fällen waren die Mengen kleiner.

3300 Liter auf einen Schlag

Die Polizei geht immer wieder auch davon aus, dass sie es mit organisierter Kriminalität zu tun hat. Die größte Einzelmenge, die im Jahr 2011 gestohlen wurde, waren 3300 Liter. „Sowas zapft man nicht mit dem 12-Liter-Reservekanister ab, da braucht man Strukturen“, meint LKA-Sprecher Scheulen.

Was können Firmen und Mitarbeiter tun, um sich zu schützen? Es helfen nur Tankschlösser, sagt ADAC-Sprecherin Jacqueline Grünewald – „und, dass Lkw-Fahrer nachts zusammen parken.“

Privatleute sind seltener von Spritdiebstahl betroffen. Aber auch solche Fälle gibt es. Auf einem Pendlerparkplatz an der Bergerstraße in Dinslaken wurde im Dezember ein privater Pkw angezapft.

Auch Tankstellen im Visier der Spritdiebe

Ebenfalls im Visier der Spritdiebe: Tankstellen. „Es gibt einen Anstieg“, sagt Thomas Drott vom Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche der NRZ und verweist auf Erfahrungsberichte von Tankstellenbetreibern. „Das passiert vor allem, wenn das Geld knapp ist, wie vor Weihnachten, oder wenn der Benzinpreis hoch ist.“ Ein ganz dreister Fall ereignete sich vor wenigen Tagen in Hagen. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie ein Mann ungeniert zu einer Tanksäule geht, einen in einer großen Plastiksäule verborgenen Kanister füllt und sich dann wieder entfernt.

Aktuelle NRW-Zahlen zu Tankbetrügereien liegen bei der Polizei derzeit noch nicht vor. Sie dürften aber auch drastisch angestiegen sein, das zeigt der Blick in einzelne Städte. In Duisburg gab es 2010 insgesamt 391 Fälle von Tankbetrügereien, im vergangenen Jahr waren es 591. In Düsseldorf sind im Jahr 2010 exakt 986 Fälle bekannt geworden, ein Jahr zuvor waren es mit 851 einige weniger.