Saab 9-5 soll der Traditionsmarke aus Schweden neues Leben einhauchen

Sven Frohwein
Foto: IKZ
Die Traditionsmarke Saab versucht mit dem 9-5 einen Neuanfang. Das Zeug dazu hat der langgezogene Schwede. Wir haben den Aero gefahren.

Essen. Der soll also ein Halbbruder vom Auto des Jahres 2009 sein? Nein, sagt das Auge. Ja, sagt der Blick aufs Datenblatt. Auf den nahen Verwandten des Opel Insignia lasten hochgesteckte Erwartungen: Er soll einer Marke neues Leben einhauchen, die viele schon für tot erklärt haben. Die Rede ist vom neuen Saab 9-5. Die Klasse dazu hätte der lange Schwede.

Wir erinnern uns: Saab, dieser Ausdruck von Individualität und Solidität, Hersteller des klassischen Oberstudienrat-Autos, wechselte 2000 zu General Motors und wurde im US-Konzern stiefmütterlich behandelt. Neue Mo­delle ließen auf sich warten. Das machte sich in den Verkaufszahlen be­merkbar. Im vergangenen Jahr wurden nur gut 20 000 neue Saab gebaut. Das soll jetzt besser werden. Weil der holländische Sportwagenhersteller Spyker Anfang 2010 die Mehrheit an den Schweden übernahm und Millionen in die Firma pumpt.

Und weil Saab mit dem neuen 9-5 Aero ein Auto auf breite 19-Zöller gestellt hat, das das Zeug dazu hat, ein Exportschlager zu werden. Ohne dabei mit Traditionen der Marke zu brechen. Nur das Kantige blieb auf der Strecke. Allenfalls die Visieroptik der Seitenscheiben erinnert an den Kampfflugzeug-Look vergangener Saab. Weiche Form, ruhige Linie – und ein formschönes Heck mit Wiederer­kennungs­-wert.

Alles andere als ein Schnäppchen

Wer an Saab denkt, der denkt: Vierzylinder, Turbolader, Benzinmotor. Alles da. Auch wenn das 220 PS starke Zwei-Liter-Triebwerk weiterhin aus dem Regal von General Motors stammt. Im Saab macht es eine ordentliche Figur – auch in Kombination mit der Sechs-Stufen-Automatik. Die schaltet bei Langstreckenfahrten auf der Autobahn sauber und ohne lange Pausen. Auf der Landstraße allerdings verschluckt sich der Automat gerne einmal und schaltet, wo es nichts zu schalten gibt. Ein Gang mehr hätte ihm durchaus gut zu Gesicht gestanden. Vor allem in einem Auto dieser Preisklasse.

CMTB Special Genfer SalonDenn der 9-5 Aero ist alles andere als ein Schnäppchen. 48.900 Euro kostet der langgezogene Schwedenhappen, der den Opel Insignia um satte 18 Zentimeter und gut 5000 Euro bei vergleichbarer Ausstattung überragt. So teuer muss der 9-5 aber nicht immer sein. Los geht’s bei 33.700 Euro für die 180-PS-Turbo-Variante, dann allerdings mit 1,6-Liter-Maschine.

Mit seinen 5,01 Metern schiebt sich der Saab auch vor den 5er-BMW, die Mercedes E-Klasse und Audis A6. Verstecken muss sich der Saab hinter der deutschen Konkurrenz nicht. Vor allem in Komfort trumpft der Saab – trotz schwacher Automatik – auf. Wenn man sich denn für die adaptive Dämpferkontrolle namens Drive Sense entschieden hat. Im Modus „Komfort“ wird der 9-5 zur Sänfte, „Intelligent“ kommt mit strafferer Grunddämpfung daher, macht schnelle Kurvenfahrten dafür aber angenehmer. „Sport“ da­gegen ist der Feind jeder Wirbelsäule.

Geschwindigkeit und Navi auf der Windschutzscheibe

Die Nähe zum Opel Insignia kann der Saab nicht leugnen. Vor allem im Innenraum. Das Sportlenkrad gibt es auch bei den Rüsselsheimern. Und die vielen Tasten der Mittelkonsole, die erinnern auch stark an den Opel. Dafür ist der Schwung im Armaturenbrett typisch Saab. Und wo die schwedischen Ahnen das Zündschloss sitzen hatten, nämlich in der Mittelkonsole, wartet beim 9-5 der Start-Stop-Knopf.

Ein bisschen Eingewöhnung bedarf das große Navi. Einmal programmiert, verwöhnt es den Fahrer dafür mit klaren Ansagen und einer übersichtlichen Karte. Der berührungsempfindliche Bildschirm macht die Eingabe der Zieldaten kinderleicht. Missen möchte man auch nicht mehr das Head-Up-Display. Ge­schwindigkeit, Drehzahl und Navi-Daten werden dem Fahrer auf die Frontscheibe projiziert – sehr übersichtlich.

Da hilft nur der Parkassistent

Das kann man von der Karosserie des 9-5 nicht gerade behaupten. So elegant der Saab daherkommt, so schwierig ist einzuschätzen, wo er endet. Da hilft nur der Parkassistent. Und wo wir schon beim Meckern sind: Der Verbrauch des Zwei-Liter-Turbos ist auch alles andere als zeitgemäß. Im Test gönnte sich der 9-5 Aero fast 14 Liter. Ob das auch eine Reminiszenz an die Vorgänger ist?