Ruhr-Radweg soll Städte und Unis verbinden

Kirsten Simon
Auf Radfahrer im Ruhrgebiet könnten bald bessere Zeiten zukommen: Sie sollen einen eigenen, 85 Kilometer langen Schnellweg bekommen. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Auf Radfahrer im Ruhrgebiet könnten bald bessere Zeiten zukommen: Sie sollen einen eigenen, 85 Kilometer langen Schnellweg bekommen. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Die Pläne werden konkreter: Mit einer großen Studie sollen Streckenverlauf und Machbarkeit eines Rad-Schnellwegs von Duisburg bis nach Hamm festgelegt werden. Klappt alles, könnte der Weg in zehn Jahren fertig sein.

Essen. Berufspendler, die zügig durchs Revier rauschen, ohne jeden Stau. Die an gemütlichen Rastplätzen Halt machen, die grüne Umgebung am Wegesrand genießen und die noch dazu etwas für ihre Gesundheit tun, weil sie sich bewegen. Noch sind das Träume. Aber wenn alles planmäßig läuft, soll die Zukunft des Ruhrgebiets in zehn Jahren genau so aussehen. Allerdings: Wer in diesem Konzept mitspielen will, muss aufs Rad umsteigen. Dem Regionalverband Ruhr (RVR) schwebt ein Radschnellweg vor, der von Duisburg bis Dortmund verläuft und weiter über Unna bis nach Hamm. Ab nächster Woche wird die Planung konkret, dann will der RVR mit einer Konzeptstudie starten.

Die Studie soll Ziele und Potenziale des 85 Kilometer langen und sechs Meter breiten Radwegs ermitteln und einen möglichen Streckenverlauf dieser Schnellverbindung für Radfahrer definieren. Experten gehen davon aus, dass es zwei Millionen potenzielle Nutzer entlang eines Radschnellwegs Ruhr gibt. Sie müssen derzeit noch ihre Füße still halten, das erste Geld ist dagegen bereits in Bewegung. Die Studie soll 30 000 Euro kosten, 10 000 schießt das Land dazu, 10 000 kommen vom RVR, weitere 10 000 von den Kommunen. Ende Oktober wird es spannend: Dann werden die Ergebnisse der Studie dem Bund vorgelegt. Die Macher hoffen auf große Begeisterung in Berlin und auf Unterstützung, gerne in Form eines Geldgeschenks.

„Der Radweg soll zentral verlaufen. Er soll die Innenstädte anbinden und auch die Universitäten Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund“, sagt Martin Tönnes, der beim RVR die Planung leitet. Das ist der große Unterschied zu Freizeitstrecken wie dem Ruhrtalradweg. Der Radschnellweg Ruhr soll dem Alltagsverkehr dienen und Berufstätigen den Umstieg vom Auto auf das Rad schmackhaft machen.

Asphaltiert und flach

Ein Problem könnte dabei die Suche nach der passenden Strecke werden. Zwischen Essen, Mülheim und Duisburg allerdings weniger. Den ersten Abschnitt gibt es schon. Er ist fünf Kilometer lang und führt von der Essener Uni bis zur Stadtgrenze Mülheim/Essen-Frohnhausen über die ehemalige Güterbahntrasse der „Rheinischen Bahn“.

Bis nach Duisburg könnte diese Trasse weitergenutzt werden. Auch über Essen-Kray und Wattenscheid bis zur Jahrhunderthalle in Bochum-Stahlhausen bieten sich alte Bahntrassen an. Dahinter wird’s haarig. „Von Bochum nach Dortmund gibt es so etwas nicht. Da können wir nicht mit der Bahn verhandeln, sondern müssen etwas anderes finden“, sagt Ulrich Carow, der beim RVR den Bereich Umwelt leitet.

Die Vorfreude ist jedenfalls groß. Auch, weil die Planer dem Rad eine große Zukunft voraussagen. „Schon alleine, weil die Elektro-Bikes immer bedeutender werden“, sagt Martin Tönnes. Ein Blick Richtung Niederlande oder auf Metropolen wie London und Barcelona zeige: „Solche Radstrecken werden angenommen und ausgebaut. Der Siegeszug der Elektromobilität ist nicht mehr aufzuhalten.“ Aber auch normale Radler sollen sich auf einem zukünftigen Radschnellweg Ruhr wohl fühlen. Sie sollen weder über Holperpisten strampeln noch Bergetappen fürchten müssen. Die 85 Kilometer werden hübsch asphaltiert und flach gestaltet.

Gut möglich, dass einige Berufspendler trotzdem ins Schwitzen kommen und pitschenass ihren Arbeitsplatz erreichen. Und dann? Die Planer setzen darauf, dass die Betriebe mitspielen und Duschen anbieten.