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Renaissance alter Autokennzeichen wie „WAT“ und „CAS“ kommt

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Foto: Jakob Studnar
In den letzten Jahrzehnten wurden in Ost und West zahlreiche alte Autokennzeichen abgeschafft. Jetzt wächst eine Renaissance-Bewegung, die die Kennzeichen „von damals“ wie WAT für Wattenscheid oder CAS für Castrop-Rauxel zurück will. Die alten Schilder fördern das Heimatgefühl der Menschen.

Leipzig. 

Für einige ist es bloß ein Stück Blech. Für viele Menschen in Deutschland aber symbolisiert das Nummernschild ihres Autos vor allem ein Stück Heimatgefühl, das sich auch in der Buchstabenkombination widerspiegeln sollte. Doch viele können sich mit den aktuellen Kennzeichen kaum identifizieren.

Wunsch nach Renaissance wird größer

Deshalb fordern bundesweit Städte nun ihre alten Autokennzeichen zurück, die mit den Gebietsreformen verschwunden sind. Bis zum Frühjahr soll der Bundesrat über eine entsprechende Verordnung entscheiden. Durch das Zusammenlegen von Kreisen zu Großkreisen wurden in Ostdeutschland seit den neunziger Jahren zahlreiche alte Kennzeichen abgeschafft.

Im Westen wurden viele Autokennzeichen bereits vor Jahrzehnten mit den Gebietsreformen der siebziger Jahre ausgetauscht. Doch der Kreis derer, die sich eine Renaissance wünschen, wurde von Jahr zu Jahr größer. Mittlerweile hätten sich mehr als 190 deutsche Städte durch Stadtratsbeschlüsse, gemeinsame Erklärungen oder Anträge an die Landesministerien für die Wiedereinführung ihrer alten Kennzeichen ausgesprochen, sagt Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn. Der Volkswirtschaftler hat in einer Studie mehr als 30.000 Menschen in 144 Städten befragen lassen – mit eindeutigem Ergebnis.

„Wiederentdeckung eines neuen Heimatgefühls“

Die große Mehrheit von 73 Prozent wünscht sich die abgeschafften Kennzeichen zurück. Eine Vorreiterrolle übernahm der Main-Kinzing-Kreis (MKK) in Hessen, wo der Stadt Hanau ein eigenes Kennzeichen (HU) zugestanden wurde. Auch die Insel Rügen durfte trotz der Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern das Kennzeichen RÜG behalten, was für die Tourismusregion nicht unerheblich ist. Bochert hält die alten KFZ-Kennzeichen nicht nur für identitätsstiftend und einen Ausdruck von Bürgernähe.

Sie seien vielmehr auch eine „kostenlose Marketingchance“. „Städte mit eigenem Kennzeichen werden als größer wahrgenommen als sie tatsächlich sind und ziehen Leute an“, berichtet der Tourismusmarketing-Experte. All dies funktioniere ohne zusätzliche Verwaltungskosten. Im vergangenen Dezember unterzeichneten 19 Städte in Nordrhein-Westfalen eine gemeinsame Resolution an den Landesverkehrsminister. Darin fordern sie die Rückkehr der in den 1970er Jahren abgeschafften Kennzeichen und preisen die „Wiederentdeckung eines neuen Heimatgefühls“.

„Das hat mich schon als Kind gewurmt“

Autofahrern etwa in Wattenscheid, die derzeit mit BO fahren für Bochum, könnten sich vielleicht künftig auch wieder ein WAT ans Auto schrauben dürfen. Dasselbe gilt etwa für die Kennzeichen CAS (Castrop-Rauxel) und WAN (Wanne-Eickel). Im sächsischen Plauen sprach sich der Stadtrat für die Wiedereinführung des Kfz-Kennzeichens „PL“ neben dem „V“ für Vogtlandkreis aus. Thomas Hilsberg aus Schwäbisch Gmünd kämpft mit der „Initiative pro GD“ für das Altkennzeichen, dass die Stadt mit der Gebietsreform 1973 verlor.

Autofahrer müssen sich seither mit „AA“ für Ostalbkreis begnügen. „Das hat mich schon als Kind gewurmt“, meint der 45-Jährige, der für die Freien Wähler im Stadtrat sitzt. Als Lokalpatriot könne er sich mit dem „bürokratischen Gebilde“, das der Ostalbkreis nun mal sei, nicht identifizieren. Mit seinem Mitstreiter sammelte Hilsberg Unterschriften und verteilte trotzig „GD“-Autoaufkleber. Jetzt sieht er sich „ganz dicht vor dem Ziel“.

„Nostalgische Kleinstaaterei“

Das Bundesverkehrsministerium legte inzwischen den Entwurf einer Verordnung vor, die es erlauben soll, dass die Altkennzeichen auf Wunsch der Länder wieder zugeteilt werden können. Die Zulassungsstellen der Kreise und Städte könnten dann neue und alte Kennzeichen parallel ausgeben. Der Bundesrat wird voraussichtlich im Frühjahr über eine entsprechende Änderung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung entscheiden. Doch nicht bei allen ruft die geplante Renaissance der Altkennzeichen Jubel hervor.

Den Präsidenten des Landkreistages, Hans Jörg Duppré, erinnert es an „nostalgische Kleinstaaterei, wenn entgegen dem Trend zu den derzeit 383 Autokennzeichen mehr als 300 hinzukommen würden“. Es gebe wichtigere Themen für die Kommunen, kritisierte er im vergangenen Jahr. (afp)

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