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Mythen rund ums Auto können teure Folgen haben

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Heiße Tipps rund ums Auto und dessen Wartung gibt es zuhauf. Sie werden gerne von erfahrenen Autofahrern weitergegeben. Doch einige dieser Ratschläge sind nicht nur „Schnee von gestern“, sie können im schlimmsten Fall richtig ins Geld gehen.

München. 

Vermeintlich gute Tipps rund ums Auto gibt es in Hülle und Fülle. Oft werden sie über Generationen weitergegeben. Doch einige dieser Ratschläge sind technisch längst überholt und können Autobesitzer teuer zu stehen kommen. „Ein leider weit verbreiteter Irrtum ist, dass Radschrauben mit aller Gewalt festgezogen werden müssen, um sicher zu halten“, schildert Philip Puls von TÜV Süd in München seine Erfahrungen und warnt: „Wer dazu gar noch einen Schraubenschlüssel mit Verlängerung, also größerer Hebelwirkung benutzt, kann die Schrauben sogar abreißen.“ Vor allem für die beliebten Leichtmetallfelgen sollte man daher ausschließlich einen speziellen Drehmomentschlüssel verwenden. Das Nachziehen der Schrauben nach 10 bis 100 Kilometern Fahrt gilt zwar noch, aber ebenfalls nur mit diesem Spezialwerkzeug.

Stotterbremsung ist bei ABS Unsinn

Unverändert beliebt ist der Einsatz der Stotterbremse. Diese Technik ist allerdings durch das Anti-Blockier-System ABS hinfällig. Wer trotzdem daran festhält, verlängert den Bremsweg unnötigerweise und riskiert dramatische Folgen. Philip Puls rät, bei Gefahr stets voll zu bremsen und sich nicht durch das Vibrieren des Bremspedals irritieren zu lassen.

Aus der Zeit der Diagonalreifen stammt der Tipp, bei schlechten Traktionsbedingungen, beispielsweise auf Schnee, den Reifendruck zu verringern. Für die heute verwendeten Gürtelreifen gilt dies nicht mehr – im Gegenteil: Zu niedriger Reifendruck verschlechtert die Traktion und erhöht den Spritverbrauch. Grundsätzlich empfiehlt der TÜV-Fachmann, den Reifendruck – egal ob Sommer- oder Winterpneu – um 0,2 gegenüber den Herstellerangaben zu erhöhen. Das spare Benzin, ohne dass es zu bemerkenswerten Komforteinbußen komme. Entsprechend angepasst werden sollte der Reifendruck auch bei erhöhter Ladung, etwa für die Urlaubsreise.

Überholt ist auch der alte Winterbrauch, Diesel mit Benzin oder Petroleum zu mischen. Das war bis vor etwa 20 Jahren hilfreich, um bei Minusgraden das Verdicken des Paraffins und die dadurch bedingte Verstopfung der Kraftstoffzufuhr zu vermeiden. Moderner Winterdiesel fließt auch bei starkem Frost, und die gut gemeinten Beimengungen schädigen moderne Einspritzanlagen und Motoren.

Spiritus verursacht Schlieren

Ebenso veraltet ist der Tipp, Spiritus in die Scheibenwaschanlage zu füllen. Auch wenn Spiritus eines der besten Frostschutzmittel ist, hat er in der Scheibenwaschflüssigkeit nichts verloren. Er verursacht nämlich Schlieren auf der Scheibe sowie einen unangenehmen Geruch. Besser und zudem billiger sind spezielle Frostschutzzusätze – übrigens meist mit deutlich angenehmerem Duft. Zudem sollte man saisongerecht umrüsten: „Scheibenwaschmittel für die warme Jahreszeit können beispielsweise Insektenüberreste lösen, Wintermittel eher weniger“, erklärt Puls.

Manche Autofahrer haben sich angewöhnt, vor dem Abstellen des Motors noch einmal kurz Gas zu geben. Angeblich sollten so Ventile geschmiert, der Vergaser gesäubert und damit der nächste Start erleichtert werden. „Alles blanker Unsinn, zumal kaum ein Auto noch einen Vergaser hat“, betont Puls. Im harmloseren Fall werde lediglich Sprit verschwendet. Darüber hinaus kann der eingespritzte Kraftstoff jedoch auch den Schmierfilm verdünnen und so den Motor schädigen.

Graphit schädigt Schlösser

Türschlösser mit Graphit zu schmieren entspricht ebenfalls nicht mehr dem Stand der Technik. Graphit schädigt das Schloss zwar nicht, gilt an dieser Stelle aber inzwischen eher als Schmutz- denn als Schmiermittel. Die heutige Schließzylindertechnik verlangt vielmehr modernere Schmiermittel, beispielsweise auf Teflonbasis. Mit speziellen Schließzylindersprays hält man die Türschlösser deutlich sauberer. (dapd)