Fiat wartet nach Chrysler-Kauf auf ein Wunder

Der Freemont ist eines der Chrysler-Modelle, die Fiat in Europa unter neuem Namen auf den Markt bringt. Foto: Fiat
Der Freemont ist eines der Chrysler-Modelle, die Fiat in Europa unter neuem Namen auf den Markt bringt. Foto: Fiat
Fiat macht sich Sorgen um die Zukunft. Chef Sergio Marchionne prognostizierte für den italienischen Markt einen Verkaufseinbruch auf das Volumen der 80-er Jahre. Einzig Maserati und Ferrari bleiben die erfolgreiche Ausnahme im Konzern.

Frankfurt. Es sind nicht nur die Gerüchte über die italienischen Staatsfinanzen, die beim Autokonzern Fiat auf der IAA in Frankfurt Sorgenfalten produzieren. Fiat-Chef Sergio Marchionne sieht die nächsten beiden Jahre in Europa als entscheidend für den Marktanteil der Italiener an - neben der Entwicklung der neuen US-Tochter Chrysler. Die Synergie-Effekte sind auf der Autoaustellung, die am Dienstag ihren Pressetag absolvierte, nicht zu übersehen. Was früher typisch Chrysler oder Dodge war, soll jetzt typisch für Fiat oder seine europäischen Töchter werden.

Geschmäcker sind Verschieden

Etwa beim Großraum-Modell Freemont, das als Dodge Journey in Deutschland auch zu Schnäppchenpreise vor seinem Verschwinden 2010 keinen reißenden Absatz fand. Der Geschmack in den USA und in Europa ist und bleibt verschieden. Und es gibt im Fiat-Konzern keine wirklich zündende oder gar revolutionäre Idee, weder technisch noch gar im Design.

Der in Frankfurt enthüllte neue Panda ist die erwachsen gewordene Fortschreibung eines erfolgreichen Einstiegsmodells, hat aber den früheren Charme eines unschlagbaren Preises verloren. Und der Fiat 500, der auf dem Stand als Gucci-Modeperle glänzt, Streifen im Lack und auf den Sitzen inklusive, bedeutet schon in der Nicht-Gucci-Version wenig Auto für viel Geld.

Fiat-Chef Sergio Marchionne, der nun auch als Chrysler-Chef nach Frankfurt reiste, prognostizierte für den italienischen Markt einen Verkaufseinbruch auf das Volumen der 80-er Jahre. Chrysler soll es in den USA zwar besser gehen, aber auch das mutet angesichts der dortigen Wirtschaftskrise eher optimistisch an. Fiats europäische Töchter zeigen in Frankfurt im Massensegment nicht den wirklich großen Wurf. Lancia präsentiert zwar eine neue Auflage des seinerzeit klassischen Cabrios Flavia. Es kommt aber erst im nächsten Jahr auf den Markt.

Familienauto ist zu teuer

Und der von Chrysler übernommene Voyager - den Namen trug eine US-Familienlimousine, die Technik kommt vom Chrysler 300 - ist zwar pfiffig gemacht und sehr variabel, aber im oberen Segment angesiedelt. Das steht im Widerspruch dazu, dass er für große und damit nicht unbedingt zahlungskräftige Familien gebaut wird.

Grand Voyager heißt der ehemalige Chrysler-Van bei Lancia, der den Phedra ersetzt und nur in Top-Ausstattung zu haben ist - wieder ein Liebhaber-Fahrzeug, das auch mit dem klangvollen Namen Lancia nicht einmal Individualisten wirklich begeistern dürfte. Maserati und Ferrari bleiben die Ausnahme-Erscheinungen im Konzern. Sie glänzen, begeistern, sind aber in Zeiten des Spritsparens, der Elektromobilität und der CO2-Diskussion keine Massenprodukte. (dapd)