Feuer an der Zapfpistole - die unterschätzte Gefahr

Im russischen Dagestan explodiert ein Tanklager. So muss ein Tankvorgang in der Regel nicht enden. (Foto: imago)
Im russischen Dagestan explodiert ein Tanklager. So muss ein Tankvorgang in der Regel nicht enden. (Foto: imago)
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Braunschweig.. Manchmal wird es beim Tanken plötzlich ganz schön heiß. Dann nämlich, wenn sich die aus dem Tank entweichenden Kraftstoffdämpfe entzünden, durch elektrostatische Entladungen etwa. Dann heißt es, kühlen Kopf bewahren.

Manchmal wird es beim Tanken plötzlich ganz schön heiß. Dann nämlich, wenn sich die aus dem Tank entweichenden Kraftstoffdämpfe entzünden - beispielsweise durch elektrostatische Entladungen. „Eigentlich kann dabei nichts passieren“, sagt Ulrich von Pidoll, Physiker und Brandspezialist der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Richtig gefährlich werde es erst, wenn die betankende Person aus Angst vor einer Explosion das noch offene Zapfventil herausziehe - und dadurch ein wahres Flammeninferno in der Umgebung erzeuge.

Zumeist entzünden sich Kraftstoffdämpfe, die beim Tanken austreten, durch elektrostatische Entladungen. Diese bilden sich auf vielfältige Weise - zum Beispiel durch Reibung der Kleidung auf dem Autositz, durch Defekte oder unfachmännische Reparaturen am Tankeinfüllstutzen oder durch die Montage von No-Name-Reifen, welche die internationalen Anforderungen hinsichtlich elektrischer Leitfähigkeit nicht immer erfüllen. Aber auch der Abreißfunken eines heruntergefallenen Handy-Akkus kann Feuer verursachen. „Nur Ottokraftstoffdämpfe, also Benzin und Super sowie ethanolhaltige Kraftstoffdämpfe können sich durch elektrostatische Entladungen entzünden“, grenzt von Pidoll das Gefahrenpotenzial ein. Dieseldämpfe ließen sich so nicht entzünden.

Besonnenheit ist das oberste Gebot

Warum auch immer - in jedem Fall ist Besonnenheit das oberste Gebot. „Wer in Panik das noch laufende Zapfventil aus der Tanköffnung reißt, setzt mit großer Wahrscheinlichkeit das eigene Auto, die Tankstelle oder umstehende Personen in Brand“, warnt von Pidoll und rät: „Ziehen Sie niemals das noch laufende Zapfventil aus dem Tankstutzen! Zweite Regel: Stellen Sie den Kraftstofffluss ab. Dann geht das Feuer in der Regel schnell von alleine wieder aus oder kann sogar ausgepustet werden.“ Letzteres hat er selbst ausprobiert.

„Können Sie den Kraftstofffluss nicht beenden, hört er bei vollem Tank auch von alleine auf - zehn Sekunden später erlischt in der Regel auch die Flamme“, sagt von Pidoll. „Holen Sie jedoch in diesem Fall in der Zwischenzeit einen Feuerlöscher oder den Eimer mit dem Scheibenwaschwasser, für den Fall, dass sich der Lack bereits entzündet hat.“ Sollte das Feuer schon längere Zeit gebrannt und den Lack entzündet haben, schreitet man mit dem Feuerlöscher oder dem Scheibenwaschwasser zur Tat. „Da dabei Löschmittel in den Tank eindringt, ist in der Regel ein neuer Kraftstofftank erforderlich. Das ist immer noch billiger als eine neue Tankstelle“, so der Brandspezialist.

Zapfpistole in der Tanköffnung belassen

Man muss auch nicht befürchten, dass es zu einer Explosion kommt, wenn man das Zapfventil ganz ruhig in der Tanköffnung belässt. „Ein Rückschlag der Flammen in das Tankinnere ist nahezu unmöglich, da herkömmlicher Ottokraftstoff zu brennstoffreich ist, also Sauerstoff fehlt“, beruhigt der Wissenschaftler. Und Fahrzeuge, die Kraftstoff mit hohem Ethanolanteil benötigten (E85 - E100), seien üblicherweise mit einer Schutzvorrichtung gegen Flammenrückschlag in den Tank ausgestattet.

Wissenschaftler der PTB-Arbeitsgruppe 3.73 Physikalische Zündvorgänge haben untersucht, wie Tankfeuer zu verhindern sind. Zur Vermeidung elektrostatischer Entladungen beim Betanken sollte man während des Tankvorgangs nicht ins Auto zurückkehren, nicht das Zapfventil einer anderen Person übergeben, alle Schäden im Bereich des Tankeinfüllstutzens sofort fachmännisch reparieren lassen und nur Markenreifen verwenden. (ddp)

 
 

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